Kritik Emma © Universal Pictures

Veröffentlicht am 22.06.2020 | von Helena Barth

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EMMA. – Filmkritik

Emma. Poster © Universal Pictures

„If I loved you less, I might talk much more about it.“

(Mr. Knightley)

Emma Woodhouse (Anya Taylor- Joy) gehört zum englischen Landadel des frühen 19. Jahrhunderts und muss, im Unterschied zu den weniger gut situierten jungen Frauen in ihrer Umgebung, nicht heiraten, um weiterhin ein fröhliches und unbekümmertes Leben führen zu können. Dieser maßgeblichen Sorge weniger, findet sie jedoch Gefallen daran, Freundinnen mit von ihr auserkorenen potentiellen Ehemännern zu verkuppeln. Ein Zeitvertreib, der weder überall Anklang findet noch von Erfolg gekrönt sein kann. Denn das Schicksal und vor allem die Liebe lassen sich nicht so einfach lenken.

Nach dem gleichnamigen Roman von Jane Austen wird abermals die Geschichte um die von sich eingenommene, doch liebenswerte Emma Woodhouse verfilmt. Und dieses Mal in einem honigsüßen und extravaganten Gewand. Zwar bleibt Autumn de Wilde in ihrem Spielfilmdebüt der Erzählung weitestgehend treu, doch kreiert sie dabei keinen biederen Historienfilm. Vielmehr bedient sie sich gekonnt der Kunst der Konversation und den gewandten Umgangsformen, die Jane Austens Roman ausmachen, um eine gleichermaßen modernisierte, aber dennoch historisch unveränderte Version der beliebten Liebesgeschichte zu erzählen. Und nicht nur dieser Spagat gelingt,  de Wilde schafft es ebenfalls der Umsetzung ihre eigene persönliche Note zu verleihen, ohne vom eigentlichen Grundgedanken abzuschweifen. Für diejenigen, die in der Geschichte nicht bewandert sind, mag der Einstieg des Films recht schwierig und unverständlich vorkommen, denn man wird ohne jegliche Exposition in das kunterbunte Geschehen hineingezogen. Doch sehr schnell kann man sich dem Rhythmus des Films anpassen und tanzt sodann enthusiastisch mit und ist besonders eingenommen von der Ausstattung des Films und den Charakteren. Die Bilder und die Kostüme sind überzeichnet und strotzen nur so von satten Farben und liebevoll ausgewählten Details. Die Herrenhäuser sind opulent ausgestattet, die Einrichtung minutiös ausgewählt, jede Aufstellung und Anordnung der Figuren wirkt symmetrisch und choreographiert, sodass man das Gefühl bekommt, man befinde sich in einem überdimensionalen Puppenhaus, dessen Puppen von Emma in ihrem Spiel mit der Liebe haargenau positioniert werden. Gerade dies bildet eine sehr passende und dabei überraschend subtile Parallele zu den Werken Jane Austens, in denen die jungen Heldinnen stetig nach dem richtigen beziehungsweisen einem guten Platz in der Welt suchen.

In der Kombination der überzeichneten Bilder mit einer kontrastierender Musik werden Satire und Ironie, die so subtil in Austens Texten verarbeitet sind, von der neuseeländischen Schriftstellerin Eleanor Catton, welche den Roman als Drehbuch adaptierte, in eine absurde Liebeskomödie umgewandelt. Dabei werden die in den vorherigen Verfilmungen doch oft übersehenen Charakterzüge der bekannten Figuren elaboriert und neu definiert. Emma ist nüchtern, schnippisch, impertinent und beharrt wie noch nie zuvor auf ihren Status der Junggesellin. Zugleich zeigt sie uns, in kleinen unvermuteten Szenen, dass selbst die vermeintlich privilegierte Oberschicht nicht perfekt ist. Auch wenn alles perfekt auszusehen vermag. Eine weitere positive Überraschung sind die Männer in Emmas Leben, die sogar noch facettenreicher dargestellt werden als die Titelheldin. Emmas Vater, gespielt von dem wie stets ausgezeichneten Bill Nighy, steht quasi stellvertretend für die Absurdität der feinen Gesellschaft und persifliert diese und ihre lächerlichen Gepflogenheiten. Dabei wirkt seine Interpretation von Mr. Woodhouse nun viel souveräner und nicht ganz so trübselig als die seiner filmischen Vorgänger. In der Exzentrizität seiner Figur vereint er physische Komik und schauspielerische Klasse, die den Film um vieles bereichern. Doch insbesondere die Darstellung des Mr. Knightley von Johnny Flynn ist eine der stärksten Interpretationen dieser Figur. Er bleibt nicht einfach der tugendhafte Mentor, der stets die Haltung bewahrt, sondern bricht mit diesem Bild und offenbart sich selbst indem er, und nicht Emma, seinen leidenschaftlichen Liebesgefühlen Ausdruck verleiht.

Autumn de Wildes Emma. ist eine romantische Literaturverfilmung, die in einem äußerst modernen, koketten und überstilisierten Look daherkommt und in perfekter Erscheinung und spielerischer Wirkung zeigt, dass es vielfältige und vor allem dekorative Möglichkeiten gibt, eine klassische Figur in ein neues aufregendes Gewand zu hüllen. Für Fans von Jane Austen, die keine Angst vor zeitgenössischen Anpassungen haben, und Liebhabern von Filmen, in denen die Hauptfiguren sich während ihrer lebendigen Diskussionen in einander verlieben, ist dieser Film sehr ans Herz zu legen.    

Emma. (USA, 2020)
Regie: Autumn de Wilde
Darsteller: Anya Taylor- Joy, Johnny Flynn, Bill Nighy, Mia Goth, Josh O´Connor
VÖ: 05. März, Universal (auch per Video on Demand über Sky)

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