Kritik

Veröffentlicht am 8.09.2020 | von Malte Triesch

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THE PHOTOGRAPH – Filmkritik

Good Things take time to develop.

(Michael Block – The Photograph)

Im Rahmen einer Reportage über das Leben nach dem Hurricane Katrina interviewt der New Yorker Reporter Michael Block (LaKeith Stanfield) den Überlebenden Isaac Jefferson (Rob Morgan). Dabei fällt ihm eine besonders gut getroffene alte Aufnahme einer jungen Frau auf, die sich als die kürzlich verstorbenen Künstlerin Christine Eames (Chanté Adams) herausstellt. Ihre Tochter Mae Morton (Issa Rae), die komplett mit ihrer Mutter gebrochen hatte, findet parallel hierzu im Nachlass das gleiche Foto und zwei Briefe, einen an sie und einen an den ihr unbekannten leiblichen Vater. Während der Recherche in die Vergangenheit von Christine Eames kreuzen sich nicht nur die Wege der beiden, sondern auch ihre Schicksale.

The Photograph springt immer wieder zwischen der Zeitebene zu der das Foto aufgenommen worden ist und der Gegenwart hin und her. Die unmissverständliche Botschaft: Obwohl Mae ihr Leben lang versucht hat sich von ihrer Mutter und ihren Handlungen zu distanzieren, droht sie die gleichen Fehler zu wiederholen. Der einzige Weg diesen Kreislauf zu durchbrechen ist Verständnis aufzubringen, anstatt Abstand aufzubauen. Diese grundlegende Botschaft und die Verbindung durch das titelgebende Foto vergisst der Film jedoch über weite Strecken und erzählt schlicht eine sich langsam entfaltende Romanze. Schlicht deshalb, da diese sich ohne das übliche RomCom Drama, das auf und ab, das sich trennen und wiederfinden abläuft. Das ist zwar nicht besonders spannend, aber erfrischend, anders und eben das Gegenteil, entspannend. Dazu passt auch, dass der durch und durch afro-amerikanische Film von einem sehr smoothen, jazzigen Soundtrack untermalt wird. Weiter unterstützt wird die entspannte Grundhaltung von der Performance der beiden Hauptdarsteller. Raes „Mae Morton“ hat zwar durchaus Temperament, wird aber fernab der gewohnten Klischees der lauten, rauen Afroamerikanerin unaufgeregt und emanzipiert dargestellt und Stanfields „Michael Block“, die treibende Kraft hinter der Romanze, ist so relaxed, dass man ihm entweder verfallen oder (mit ihm?) einschlafen kann.

Der fehlende Antrieb ist, neben der irgendwo unterwegs verlorenen Generationen überspannenden Botschaft des Films, dann auch der größte Kritikpunkt. Was etwas verwundert, denn Regisseurin Stella Meghie hat auch das Drehbuch geschrieben und produziert. So würde man eine klare mit Passion verfolgte Vision erwarten. Was man bekommt ist jedoch ein Film, so smooth wie ein Barry White Song, aber dabei leider auch so innovationslos wie die meisten Liebeslieder. Für einen entspannt romantischen Abend zu zweit nicht verkehrt, aber ohne jemanden zum Kuscheln eher einschläfernd.

The Photograph (US / CN 2020)
Regie: Stella Meghie
Darsteller: Issa Rae, LaKeith Stanfield, Rob Morgan, Y’lan Noel, Chanté Adams, Lil Rel Howery
Kinostart: 10.09.2020

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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