Kritik

Veröffentlicht am 28.10.2020 | von Dominik

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EMA – Filmkritik


Foto-© Koch Films

Ich gab dir ein Kind, es war echt, du hast es weggeworfen!

(Gastón – Ema)

Von Zeit zu Zeit beschleicht einen das Gefühl, dass sich die Filme im Kino wiederholen und Hollywood und Co. die Ideen ausgehen. Da hilft es manchmal, wenn man sich anderweitig orientiert und sich frisches Material aus unverbrauchteren Filmregionen zu Gemüte führt – was wir zum letztwöchigen Kinostart des chilenischen Films Ema von Ausnahmeregisseur Pablo Larraín (No!, Neruda, Jackie) gemacht haben! Unsere Filmkritik!

Ema (eine Wucht in ihrer Rolle, Mariana Di Girolamo) und ihr älterer Ehemann Gastón (Gael García Bernal) sind kreative Freigeister, die mit ihrer Tanzgruppe gefeiert werden, aber privat einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen müssen. Nachdem sie sich für eine Adoption eines Kindes entschieden haben – Gastón ist unfruchtbar – verletzt ihr Sohn Polo Emas Schwester schwer, woraufhin Ema sich entscheidet das Kind wieder fortzugeben. Doch das hat Folgen! Plötzlich steht die junge Tänzerin im Kreuzfeuer der Kritik und auch das Glück des Paares schwindet immer mehr, zwischen all den Anschuldigungen und Streits. Doch statt zu leiden, stürzt sich die selbstbewusste Tänzerin ins Leben, verfolgt ihre eigenen Pläne, legt mit ihrer Mädels-Gang die Welt um sich herum in Flammen und tanzt auf den Straßen zu Reggaeton-Beats. Sie verführt Männer und Frauen, experimentiert und überschreitet andauernd Grenzen, um am Ende ihr Schicksal komplett selbst zu bestimmen.

Pablo Larraín beschäftigt sich in Ema mit der heutigen Jugend und ihrer Kompromisslosigkeit – im Handeln seiner titelgebenden Hauptperson gibt es keine halben Sachen, weder bei Streits, noch bei der Liebe, beim Feiern, noch bei ihrer Familien-Planung. Mit seinen kontrastreichen, wie atmosphärischen Bildern entwickelt der Film so eine rauschartige Sogwirkung, die noch von dem großartigen Soundtrack (von Nicolas Jaar) unterstützt wird. Die Charaktere sind kantig, die Dialoge nur schwer zu ertragen aufgrund all der aufgeladenen Konflikte und teilweise wirkt der Film wie ein zu langer Mix aus Musikvideo und Softporno – und trotzdem ist Ema ein spannendes, hoch modernes und wildes Avantgarde-Märchen, das seinesgleichen auf der Leinwand sucht!

Ema (Chi 2019)
Regie: Pablo Larraín
Darsteller: Mariana Di Girolamo, Gael García Bernal, Santiago Cabrera, Mariana Loyola, Catalina Saavedra, Giannina Fruttero
Kino-Start: 22. Oktober 2020, Koch Films

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Über den Autor

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