Kritik

Veröffentlicht am 14.10.2020 | von Dominik

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MONOS – ZWISCHEN HIMMEL UND HÖLLE – Filmkritik


Foto-© DCM

Hast du schon jemanden umgebracht?

(Doctora – Monos – Zwischen Himmel und Hölle)

Auf einem Berggipfel über den Wolken, irgendwo im Niemandsland in Südamerika, leben acht Teenager zusammen und spielen Krieg. Täglich trainieren sie für einen Krieg, der unterhalb des Berges tobt und für den sie bereit sein sollen, auch wenn er für die Jugendlichen nicht wirklich greifbar ist. Als sie eine Geisel und eine Kuh bekommen wird die Verantwortung für die Truppe immer größer…und immer mehr geht schief, wodurch der Ernst des Krieges immer mehr an den einzelnen zerrt und sich immer mehr die wahren Charaktere der jungen Krieger zeigen.

Die Prämisse des Films ist eindeutig und linear. Monos wirkt wie eine Mischung zwischen Herr der Fliegen und Kriegsfilmen wie Der Schmale Grad oder Apocalypse Now. Die oberflächlich einfach Handlung dient nur als Beiwerk für eine Charakterstudie und um zu zeigen, was der Krieg aus einer an sich sympathischen Truppe Jugendlicher machen kann und wie schnell dabei aus Spiel und Spaß (Tod-)Ernst werden kann. Wie wahrscheinlich auch den Protagonisten wird dem Zuschauer gar nicht erst erklärt, um was für einen Krieg es sich handelt, wer kämpft und worum es den verfeindeten Parteien geht. Dazu kommt noch das alltägliche Gefühlschaos der Teenager, die sich Nachts bis zum Exzess ihren Genüssen und Bedürfnissen hingeben. Sie kommunizieren auf ihre eigene Art, die meist wenig Worte bedarf und oft in Gewaltausbrüchen endet. Generell tragen sie ihre zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen sehr oft auf der körperlichen Ebene aus und kaum auf einer verbalen; so wie es Kinder eben tun.

Insgesamt schwankt Monos immer wieder zwischen den Extremen, wie schon der Titel mit seinem Zusatz Zwischen Himmel und Hölle andeutet: die Schönheit der Bilder trifft auf die rohe Gewalt der Jugendlichen, die zwischen Kindheit und Erwachsenensein, zwischen Kindheit und Krieg stehen. Schnell verliert man hier das Gefühl für richtig und falsch, während die Erzählung von Regisseur Alejandro Landes ambivalent bleibt und sich außerhalb vom politischen, wie moralischem Kontext bewegt. Monos – Zwischen Himmel und Hölle ist damit grausam und faszinierend zugleich, wild und doch atemberaubend schön. In Kombination mit den betörend schönen Bildern und der Musik von Mica Levi (Micachu & The Shapes bzw. Soundtracks von Under the Skin, Jackie) wirkt der Film wie die lyrische Dichtung eines nicht enden wollenden Fiebertraums.

Monos (COL 2019)
Regie: Alejandro Landes
Cast: Moises Arias, Sofia Buenaventura, Julián Giraldo, Karen Quintero, Laura Castrillón, Deiby Rueda, Paul Cubides, Sneider Castro, Julianne Nicholson
Heimkino-Start: 9. Oktober 2020, DCM

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Über den Autor

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