Kritik

Veröffentlicht am 4.12.2020 | von Malte Triesch

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GUNS AKIMBO – Filmkritik

Can you help me, I have guns bolted to my hands?

(Miles – Guns Akimbo)

In der nicht allzu fernen Zukunft von Guns Akimbo begeistert das brutale Internet-Spiel Skizm die Massen. Wie moderne Gladiatoren bekämpfen sich die Teilnehmer bis auf den Tod. Dabei stellt die fiktive Stadt Shrapnell City die Arena und alles ist erlaubt. Übertragen wird das Spektakel live im Internet und inszeniert wie Version 2.0 aktueller Twitch Streams. Frisch von seiner Freundin Nova (Natasha Liu Bordizzo) getrennt, unzufrieden mit seinem Leben als Ganzes und seinem dead-end Job als Programmierer für Mobile Games im Speziellen beschließt Miles (Daniel Radcliffe), mit genug flüssigem Mut (sprich Bier) im Blut, gegen dieses widerwärtige Spektakel mit all den Waffen eines introvertierten Losers vorzugehen: er trollt im Netz. Dabei unterschätzt er jedoch sowohl die technische Versiertheit als auch die Skrupellosigkeit der kriminellen Mächte hinter Skizm, personifiziert in dem Organisator Riktor (Ned Dennehy). Denn schon kurze Zeit später wird seine Tür eingetreten und Miles von der Führungsmannschaft Skizm bewusstlos geschlagen. Doch damit noch lange nicht genug, als er am nächsten Morgen erwacht, muss er mit Schrecken feststellen, dass seine beiden Hände mit Pistolen fest verschraubt und vernietet sind. Seine einzige Chance auf Rettung? Die je 50 Schuss nutzen um Skizm Star Nix (Samara Weaving) niederzustrecken.

Guns Akimbo (Akimbo, besonders in der Videospielszene bekannt als Kampfstil mit zwei Waffen) will mit seiner bunten, knalligen Videospielästhetik zunächst hauptsächlich Spaß machen. Die Action ist souverän inszeniert und wird immer wieder durch lustige Alltagsszenen, die sich mit zwei Pistolen als Händen eher schwierig meistern lassen, aufgelockert. Daniel Radcliffe, der sich wirklich niemandem mehr beweisen muss, ist sich dabei mal wieder für Nichts zu schade. Und so rennt er mit Tigerfußpantoffeln, Unterhose und Bademantel schreiend und mit den Waffen wedelnd durch die Straßen und versucht vergeblich Polizisten von seiner Unschuld zu überzeugen. Das ist über weite Strecken absurd komisch, kratzt aber irgendwann am Akzeptanzlimit der Schadenfreude. Nahezu über jeden Zweifel erhaben sind hingegen alle Szenen mit Samara Weavings Nix, die wie eine Harley Quinn auf Speed (wenn man mal annimmt, dass sie so ihren Wahnsinn steigern würde) Chaos und Anarchie verbreitet und sich dabei selbst feiert und inszeniert, wie es eben nur eine angehende Ausnahmeschauspielerin, wie sie kann. Was dem Film leider nicht gelingt, ist die der Story immanente Sozialkritik gekonnt einzubauen oder weit genug auszuklammern, dass man den Spaß uneingeschränkt genießen könnte. Viele der gezeigten Skizm Zuschauer sind unangenehm karikierte Stereotypen. Dass Mobbing im realen Leben und Trollen im Netz Konsequenzen haben, bleibt unerwähnt und dass Skizm als Ganzes verächtlich ist, vergisst der Film ebenfalls nahezu. Damit nicht genug, wird zusätzlich proaktiv ein Subplot um Nix’ dramatische Herkunft aufgemacht, dessen Auflösung dann fast im Off runter gespielt wird.

Nicht jeder Film braucht einen tieferen Sinn, aber wenn sich man wie Death Gasm Regisseur Jason Lei Howden thematisch so nah an Filmen wie Running Man oder Rollerball bewegt und gesellschaftskritische Themen anspricht, dann sollte man diese auch konsequent zu Ende erzählen. Wie ein Cordon bleu, bei dem ich auch immer denke, ein einfaches Schnitzel wäre irgendwie geiler gewesen. So bleibt Guns Akimbo eine unterhaltsame Action-Comedy, mit kompromissloser Action, aber einigen Kompromissen in der Story.

Guns Akimbo (UK / NZ / DE 2019)
Regie: Jason Lei Howden
Besetzung: Daniel Radcliffe, Samara Weaving, Ned Dennehy, Natasha Liu Bordizzo, Edwin Wright, Grant Bowler, Set Sjörstrand
VÖ: 04. Dezember 2020, LEONINE

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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