Kolumne

Veröffentlicht am 8.12.2020 | von C'est Karma

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Pop, Pasta und Feminismus #1

Mit einer Stimme, irgendwo zwischen Björk und Fever Ray, der Energie von Idles und starkem gesellschaftlichen Aktivismus trägt die junge Luxemburgerin C’est Karma „die Energie der Fridays For Future Generation in die Popmusik“ – so heißt es in der Bio zur gerade erst erschienenen neuen EP Farbfilm! Und wirklich – C’est Karma ist eine der derzeit spannendsten Newcomer/innen, eben auch – neben ihrem ungemeinen musikalischen Talent – aufgrund ihrer hochspannenden Sicht auf viele gesellschaftlichen Missstände und ihrer Bereitschaft diese anzusprechen und etwas dagegen zu machen! Umso toller, dass sie das jetzt auch von Zeit zu Zeit bei uns macht – nämlich in ihrer neuen Bedroomdisco-Kolumne Pop, Pasta und Feminismus!

Ich bin 2001 geboren, ich habe nicht 9/11 erlebt, für den größten Teil meines Lebens hatten wir Internet zu Hause, ich bin Gen-Z, immer am Handy und immer laut. Ich gehöre einer Generation an für die politisch sein ein Muss ist und für welche Kunst und Informationen so zugänglich sind wie noch nie. Da ich selbst Künstlerin und jung bin, betrifft mich all dies in meinem Alltag. In dieser Kolumne werde ich euch durch meine Welt führen und politische, soziale, kulturelle und persönliche Exkurse ins Leben von C’est Karma bieten.

Kunst machen ist einfach, GarageBand ist auf allen Apple Produkten vorinstalliert und YouTube bietet mehr Informationen als jeder Musiklehrer. Jedoch stellt sich für viele von uns die Frage wie man neue Kunst macht. Jeder kann überall Kunst machen, wann und wo man will…und doch scheint etwas Neues schaffen oft unmöglich. Trotzdem gilt meine Generation als die des Fortschrittes und der Kreativität.

Ich ging nur ein halbes Jahr zum Gitarrenunterricht, und das nur weil ich mit meinem Lehrer eine ganze Stunde lang über Punk-Musik diskutieren konnte. Nach 6 Monaten, war ich schon genervt vom Pflichtproben und hab mir das Internet zum Lehrer gemacht. Nach nur wenigen Monaten, kannte ich alle Basics des Gitarrespielens und kurz danach fing ich an meine eigene Songs zu schreiben, ohne irgendwas über Musiktheorie zu kennen. Nun war meine Kunst geschaffen und durch soziale Medien war es sehr leicht mit Künstler*innen aus meiner Nähe zu networken und meine Musik zu teilen.

Plattformen wie TikTok und Instagram schaffen einfache Tools, um sich kreativ auszulassen und seine Kunst zu verbreiten. Bei einer Studie der JWT Intelligence kam heraus, dass 77% der Gen-Zer sich offline kreativ beschäftigen, während nur 48% der Millenials angaben kreativ tätig zu sein. Die Art und Weise wie wir kommunizieren trägt zu einem großen Teil zu diesem Ergebnis bei. Wir kommunizieren, schnell, visuell und effizient. Außerdem wird, durch soziale Medien, das Streben nach Individualität gefördert. Es ist genau mit diesem Streben nach Individualität, mit dem ein neuer politischer Aufschwung aufkommt. Social Media erlaubt es uns unsere Sexualität, unser Geschlecht und unsere Identität frei auszuleben, uns verschiedenen Communities anzuschließen und uns mit einer neuen Art Vorbildern zu identifizieren. Soziale Medien machen es sehr einfach Informationen schnell zu verbreiten. Bei der Black Lives Matter Bewegung kann man dieses Phänomen wie kaum zuvor beobachten. Nach dem Tod von George Floyd waren es vor allem Gen-Zer, die ihre Plattformen genutzt haben, um laut zu sein, Informationen zu teilen und so eine, wie ich finde, sehr wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten.

Dazu kommt, dass Themen wie Klimawandel, Rassismus und Feminismus für uns Existenzfragen sind. Wir können die Klimadebatte nicht mehr prokrastinieren, weil unsere Zukunft davon abhängt. Wir kennen aus Geschichtsbüchern 400 Jahre lang systematischen Rassismus und spüren ihn immer noch in unserer Gesellschaft und das macht uns sauer. Wir erleben tagtäglich Misogynie und Patriarchat und wir wissen, dass wir das im 21. Jahrhundert abschaffen müssen. Das Internet klärt uns auf, politisiert uns und verhilft uns zum Aktivismus. Natürlich entspricht all dies nicht der ganzen Generation und auch bei Gen-Zern sind Intoleranz und Ignoranz immer noch ein großes Problem, aber auf einen großen Teil trifft dies zu.

Ich bin Gen-Zer und Künstlerin und ich bin stolz auf meine Generation, wenn ich weltweit Millionen Jugendliche für den Klimawandel auf der Straße sehe, wenn ich sehe wie LGBT+ Personen sich durch Instagram befreien und wir endlich über mentale Gesundheit reden können. Ich bin Feministin und laut, ich liebe Pasta und Pop. Over and Out.

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