Kritik

Veröffentlicht am 1.02.2021 | von Julius Tamm

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AGAINST ALL ENEMIES – Filmkritik

Wie kann ich helfen? Wie kann ich das ändern?

(Agains All Enemies – Jean Seberg)

Eine Frage, die sich manche weiße Menschen stellen, wenn es um das Thema Rassismus geht, auf die es aber keine einfache Antwort gibt. Ein erster Schritt wäre Zurückhaltung, Schwarzen das Reden überlassen. Also genau das, was Jean Seberg – Against All Enemies von Benedict Andrews nicht hinbekommt. Ein Film so fehl am Platz wie Die letzte Instanz-Talkshow des WDR.

Eröffnungsszene: Eine junge Frau, gefesselt auf einem Scheiterhaufen, die Flammen züngeln sich um ihr Gesicht. Die Frau auf dem Scheiterhaufen ist Jean Seberg (Kristen Stewart) bei den Dreharbeiten zu Die heilige Johanna. Dass Regisseur Andrews diese Szene an den Anfang seines Biopics über die US-amerikanische Schauspielerin setzt, ist clever und fängt im gleichen Atemzug ein, was dieser Film falsch macht. Sie symbolisiert die Hexenjagd des FBI auf eine Frau, die mit der Black Panther Bewegung in den USA sympathisiert, und ist gleichzeitig eine klassische Form der weißen Opferrolle.

Seberg geriet in den 60er Jahren in das Visier des FBI, nachdem sie sich öffentlich gegen Rassismus positionierte und mit dem Black-Panther-Aktivisten Hakim Jamal (Anthony Mackie) eine Affäre einging. Mit einer medialen Hetzkampagne versuchte die Behörde die Karriere der Schauspielerin zu ruinieren und trieb sie damit fast in den Wahnsinn.

Durchaus eine erzählenswerte Geschichte, aber nicht in dieser Form. Während in den USA immer noch regelmäßig Schwarze von Polizisten erschossen und sie täglich wegen ihrer Hautfarbe angefeindet werden, dreht Benedict Andrews einen Film über den Kampf gegen Diskriminierung, in dem Schwarze kaum zu Wort kommen und Rassismus nur als Gesprächsthema auf Partys zu existieren scheint. Stattdessen stehen im Zentrum eine weiße Frau und die Repressionen, die sie durch den Staat erfährt. Und wer eilt ihr zu Hilfe? Ein weißer FBI-Agent.

Genau da liegt das Problem. Ja, auch Weiße können (und müssen) gegen Rassismus einstehen. Und ja, auch weiße Aktivist*innen wurden und werden dafür angegriffen. Aber es ist die Zeit der Schwarzen, eine Bühne zu bekommen, gehört zu werden und ihre Geschichte von Jahrhunderte langer Unterdrückung zu erzählen. Wieso nicht ein Biopic über Hakim Jamal drehen? Wieso nicht Schwarze in den Mittelpunkt stellen und Figuren wie Seberg in Nebenrollen zeigen?

Was Andrews da auf die Leinwand gebracht hat, ist ein Schritt zurück und verfehlt das Andenken von Jean Seberg meilenweit.

Regie: Benedict Andrews
Darsteller: Vince Vaughn, Colm Meaney, Stephen Root, Yvan Attal, Anthony Mackie
Heimkino-Start: 28. Januar 2021, Prokino

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und trinkt zu viel Tee. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und bei hr-iNFO Online



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