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Veröffentlicht am 17.02.2021 | von Susan

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IAN FISHER – American Standards


Foto-© Andreas Jakwerth

Pissing in American Standards
Between khakied men and truckers
An army of unwed mothers behind the counters
I was thinking on a third world war
Not knowing what I came back for
I would leave if I could find a door

But there is no way out, no way out anymore
Sleeping through American Dreams
Spending my money on gasoline
Rest on alcohol and caffein
It all sounded cooler on TV

(Ian Fisher – American Standards)

Vor mehr als einem Jahrzehnt zog es den gebürtigen Amerikaner Ian Fisher nach Europa. Doch so ganz konnte er nie von seinem Heimatstaat Missouri lassen. Zwar veränderte sein Umzug die musikalischen Einflüsse des Musikers, doch seinen Wurzeln blieb der Singer-Songwriter immer treu. Ein weiteres Merkmal Fishers ist seine Rastlosigkeit. So schrieb er zeit seines Lebens unzählige Songs, spielte in Theaterstücken und nahm sogar sein Management selbst in die Hand. Und so bleibt er auch nach dreizehn Alben inspiriert und erntet fortwährend Lob und Anerkennung, wie auch für seine neuste Platte American Standards, die am 19. Februar erscheint.

In diesem blickt er vor allem aus der Ferne, als Auswanderer, auf seinen Geburtsort zurück. Dabei wirkt er sowohl nostalgisch, aber vor allem auch skeptisch. Inspiriert wurde er dabei von Alben wie dem White Album der Beatles und Harvest von Neil Youngs. Musikalisch bewegt er sich dabei zwischen sehr reduzierten, akustischen Klängen, bis hin zu kompletten Band-Performances. Dynamisch begann das ganze Werk schon zu Beginn, als Fisher über 300 Demos mit dem Produzenten René Mühlberger und den Musikern Ryan Thomas Carpenter, Andreas Laudwein und Camillo Jenny teilte. Diese Songliste wurde als Kollektiv auf nur wenige Titel reduziert und wiederum mit einem ganz neuen Sound versehen, der die Lyrics hervorheben sollte und etwas weitaus Größeres schafft, als es eine reine Soloplatte erreicht hätte.

Der Opener Maybe A Little More beginnt schon gleich dynamisch, fordernd und sehr gefühlvoll. Doch auch Be Thankful und Melody in Nashville, wirken wie ein vorsichtiger Liebesbrief an Nashville und lassen an seine Wurzeln erinnern. Heiß wie Frittenfett, geht es in den von Klischees beladenen AAA Station zu. Dabei ist er längst nicht so patriotisch, wie so manch einer vermuten würde. Ganz im Gegenteil. Der Wahl-Europäer ist sich seiner Herkunft bewusst, belächelt dennoch einige Dinge, mit der sich diese brüstet und verweist beispielsweise mit dem Titel American Standards auf eine Toilettenmarke.

So macht er Countrymusik über alle Grenzen hinweg populär. Denn durch Country wird Fishers Liebe zu Nashville wiedergespiegelt und so bleiben auch die Texte und Einflüsse mit diesem Genre verschmolzen. Doch auch weitere vielfältigere Arrangements bietet das Album und glänzt durch Gitarre, Synthesizer, Klavier, Pedal Steel und mehrschichtige Gesangsharmonien.

Gemischt mit Folk und Indie werden seine Songs mehr als nur gesellschaftsfähig. Er wirkt dabei sehr selbstsicher. Ein immer wandernder Geist, der angekommen zu sein scheint. Denn ganz egal ob Ian Fisher auf einem Pferd durch die Prärie galoppiert, oder in München eine Weißwurst verspeist, seine Musik wirkt. Ian Fisher makes America great again – das geht auch von Europa aus.

Ian Fisher – American Standards
VÖ: 19. Februar 2021, Ian Fisher Music
www.ianfishersongs.com
www.facebook.com/ianfishersongs

YouTube video

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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