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Veröffentlicht am 24.03.2021 | von Saskia Böttjer

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ALICE PHOEBE LOU – Glow


Foto-© Senga Li

I got tough‘ cause I had enough
I was a girl with a big heart
And they really roughed me up
My body fell asleep
When they took it away from me
But I got it back

(Alice Phoebe Lou – Dirty Mouth)

Stillstand ist nichts für Alice Phoebe Lou – deshalb ändert sie für ihr neues Album Glow ihren Aufnahmestil komplett und entwickelt sich als Künstlerin und Frau immer weiter. Die Rastlosigkeit und Abenteuerlust liegt bei ihr im Blut: ein absoluter Tourmensch, ihre Vergangenheit als Straßenmusikerin sind deutliche Zeichen. Aber auch menschlich scheint Alice Phoebe Lou stets an sich zu arbeiten. Keine Frage, dass das Coronajahr 2020 dabei eine Herausforderung war: „Ich habe mehr Zeit alleine verbracht als jemals zuvor. Ich rasierte meinen Kopf. Hatte einen Ego-Tod. Verliebte mich. Mir wurde mein Herz gebrochen. Ich war ein rohes kleines Durcheinander. Und darüber habe ich geschrieben. “

Wer jetzt ein rein melancholisches Album erwartet, wird überrascht. Lou räumt zwar auf, aber das zeigt sich auf andere Weise. Textlich zum Beispiel. Die Single Dirty Mouth klingt mit Tempo so fröhlich und unbeschwert, weil die gebürtige Südamerikanerin ihre Freiheit feiert. Beinhaltet jedoch die Befreiung vom Klischeefrausein – immer lieb und nett, sich unterzuordnen, den Körper zu enteignen. „Es ist ein großer, lächelnder Mittelfinger an die Männer, die mich runtergezogen, benutzt und auf eine Weise verletzt haben, die mich Jahre gekostet hat, zu heilen. Ich frage nach dem, was ich will. Sage, wie ich mich fühle. Halte mich nicht zurück.“

Ballast abwerfen, die eigene Frau sein – das große Thema dieses Albums, das logischerweise ein Independent Release ist und auf ihrem eigenen Labelnamen läuft. So ist Glow auf viele Arten modern, selbstbewusst und deshalb sehr authentisch. Klanglich klar und leicht – das Piano untermalt hell und freundlich, dann die Oboe, der Bass groovt. Dieses Album ist ein Seelenwärmer, der sowohl musikalisch als auch textlich hörenswert ist. Manchmal zerbrechlich, aber vielmehr präsentiert Lou sich stark, weil sie bei sich ist und ihr Innerstes zeigt. Diese Message wird unterstützt durch einen herausragenden Blues-Folk, manchmal auch Kammer-Folk, der so kreativ und vielschichtig ist wie der einer Feist oder eines Andy Shauf.

Ein Ergebnis ihres musikalischen Ausmistens? Wahrscheinlich schon. 2020 entdeckte sie ihre Liebe zum analogen Aufnehmen und war so begeistert von dem Sound, dass sie ihren Aufnahmestil direkt änderte. Das Album spielte sie komplett analog in den deutschen Caste Studios ein, unweit ihrer Wahlheimat Berlin. Die Instrumentierung ist durchdacht und dabei so detailliert, dass Glow gemeinsam mit seiner Message ein Juwel 2021 sein dürfte.

Alice Phoebe Lou – Glow
VÖ: 19. März 2021, Alice Phoebe Lou
www.alicephoebelou.com
www.facebook.com/alicephoebeloumusic

Alice Phoebe Lou Tour:
19.09.21 Hannover, Faust Kulturzentrum
20.09.21 München, Technikum
22.09.21 Köln, Gloria
25.09.21 Hamburg, Elbphilharmonie (Reeperbahn Festival)
25.11.21 Berlin, Lido
26.11.21 Berlin, Lido

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