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Veröffentlicht am 29.04.2021 | von Christian Weining

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RYLEY WALKER – Course In Fable


Foto-© Emma Smith

Folks dodging, singing karaoke of credit
Blanks enter my skull into walls of your apartment
Square footage with my hands and I am sightless
Dealers shuffle Zen gardens in the card deck
I am wise

I am so fried
Rang dizzy inside

Fuck me, I’m alive

(Ryley Walker – Rang Dizzy)

Wer die Arbeit von Ryley Walker bisher verfolgt hat, weiß wie viel Kreativität und Virtuosität in dem 32-jährigen US-Amerikaner steckt. Angefangen mit einem etwas angestaubten, aber sehr charmanten Folk-Album 2014, entwickelte sich über die Jahre ein unverkennbarer Sound, der in seinem nun erscheinenden fünften Solo-Album Course in Fable gipfelt. In Zusammenarbeit mit der Chicagoer Post-Rock Legende John McEntire (u.a. Tortoise, Gastr del sol) und einer Band mit musikalisch Vertrauten (Bill MacKay, Andrew Scott Young, Ryan Jewell) erarbeitete er sieben virtuose Stücke zwischen Postrock, Prog-Rock und Jazz. Ryley lebte selbst einige Jahre in Chicago und lernte den frischen Sound der Instrumental-Bands dort kennen.

Faszinierend ist die Symbiose aus Leichtigkeit und Komplexität, die dem gesamten Werk innewohnt. Die Gitarren sind so aufgeräumt wie technisch anspruchsvoll. Und rhythmisch passiert zeitweise so viel wie auf einem modernen Jazz Album, jedoch ohne, dass man den Faden verliert. Der sehr saubere und unverfälschte Klang ist sowohl für McEntire als auch Walker prägend, weshalb es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein musste, bis die beiden gemeinsame Sache machen. Neben der omnipräsenten hochkomplexen Verschränkung von Gitarren, Bass und Drums war man sich nicht zu schade auch hier und da weiche, tragende Streicher einzubinden, was auf Rang Dizzy im gemütlichsten der sieben Songs mündet und auf Clad With Bunk zeigt, wie sehr Ryley beides ist: Folk-Romantiker und progressiver Gitarrenvirtuose. Letzteres zeigt sich vor allem auf Stücken wie Pond Scum Ocean oder A Lenticular Shop, mit technisch und harmonisch komplexen Gitarren und einer enormen Wechselfreudigkeit in Tempo und Takt, wie auf einem Math-Rock Album.

Axis Bent mit dem größten „Pop“-Anteil bildet den Mittelpunkt und Ruhepol des Albums, der an das deutlich weniger virtuos-jazzige Vorgängeralbum Deafman Glance erinnert. Was bei Axis Bent auch etwas weniger auffällt, aber über das Album hinweg an der ein oder anderen Stelle die Grenze des Vernünftigen überschreitet, sind die harmonischen Gratwanderungen der Gesangsstimme. Die Stimme und Gesangsweise von Walker sind und bleiben Geschmackssache. Zeitweise wie ein sehr unbegabter Sänger wirkend, entfaltet er an anderer Stelle grade über den Gesang eine große Nähe.

Walker, der die letzten Jahre schwere persönliche Krisen durchlebte, scheint sich mit diesem Album in einen neuen Lebensabschnitt zu spielen. Die Platte klingt wie die Anerkennung von Komplexität bei optimistischer Haltung daraus das Beste zu machen, immer mit einem Augenzwinkern: „Fuck me, I’m alive“, heißt es in Rang Dizzy.

Mit Course In Fable zeigt Walker einmal mehr, dass er zu den Spannendsten seiner Zunft gehört und rückt damit gleichzeitig selbstbewusst einen noch größeren Schritt vom Mainstream weg. Doch trotz aller Komplexität, verschließt sich nicht gleich der Zugang zu seiner Musik und darin scheint die wundersame Qualität von Ryleys Kompositionen zu liegen. Man kann sich bestens von ihnen unterhalten lassen.

Ryley Walker – Course In Fable
VÖ: 30. April 2021, Husky Pants Records
www.ryleywalker.com
www.facebook.com/ryleywalkerjams

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