Musiknews

Veröffentlicht am 1.06.2021 | von Dominik

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Bedroomdisco Top Alben – Juni

Foto-© Ebru Yildiz

Alles, was wir im Juni 2021 wollen ist Sommer, Sonne, Eis, Lockerungen & Live-Musik – alles, was ihr an dieser Stelle bekommt, ist die verdammt noch mal beste neue Musik im Juni 2021…das ist doch aber auch schon was!

1. Lucy Dacus – Home Video (VÖ: 25.06.21)

Nach Phoebe Bridgers und Julien Baker ist nun auch das dritte Mitglied der Songwriter-Supergroup boygenius mit einem neuen Solo-Werk nach den gemeinsamen EP-Abwegen zurück – und wie schon die anderen beiden vorgemacht haben, nutzt auch Lucy Dacus die neue Aufmerksamkeit für ein neues Album auf höchstem Niveau. Home Video ist dabei ein Coming-of-Age-Album, das auf den Erinnerungen des Aufwachsen in Richmond, Virginia basiert und in dem Dacus zeigt, dass sie in ihren Songs große, kleine Geschichten über die kleinen-großen Gefühle in wenigen Worten und Melodien entstehen lassen kann. Mit einer gehörigen Portion Humor, Passion und erfrischenden Ehrlichkeit ist sie wie ihre Kollegin ganz vorne im Songwriter-Olymp 2021 mit dabei…und Home Video könnte für viele auch noch Jahre später ein Album sein, zu dem man immer wieder gerne zurückkehrt…

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2. Kings Of Convenience – Peace Or Love (VÖ: 18.06.21)

Nach 12 Jahren Funkstille kehrte das norwegische Duo Kings of Convenience urplötzlich Ende April auf die Bildfläche zurück und kündigte mit Peace or Love ein neues Album an. Über fünf Jahre hinweg in fünf verschiedenen Städten aufgenommen, erzählen die 11 Songs über das Leben und die Liebe mit der verführerischen Schönheit, Reinheit und emotionalen Klarheit, die man von Kings of Convenience erwarten würde. Doch nach drei Alben ist es für Erlend Øye und Eirik Glambek Bøe immer wieder ein neues Erlebnis, zusammen Musik zu machen, wie Erik berichtet: “It seems like a comeback, of course, but it doesn’t feel like a comeback. It’s been a very slow-burning project. We’ve fooled ourselves many times into thinking that now we know how to make records but the moment we’re in the studio we realise that recordings are really about capturing magic. It’s very, very hard to make something sound simple.” Geblieben ist dabei diese einzigartige Smoothness und die Unmittelbarkeit ihres akustischen Sounds, der uns schon immer so berührt hat – so auch nach 12 Jahren Pause! Willkommen zurück, Jungs!

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3. Japanese Breakfast – Jubilee (VÖ: 04.06.21)

Michelle Zauner alias Japanese Breakfast kündigte mit Jubilee nicht nur den Nachfolger zum hochgelobten 2017er Album Soft Sounds From Another Planet an – nein, sie rief gleichzeitig auch noch das Ende des Kummers in ihren Texten aus! Zauner erklärt: „After spending the last five years writing about grief, I wanted our follow up to be about joy. For me, a third record should feel bombastic and so I wanted to pull out all the stops for this one.“ Doch keine Angst – nachdem die beiden Vorgänger-Alben sich um die Krebs-Krankheit und den Tod ihrer Mutter drehten, kommt auch das neue Album der Songwriterin nicht gänzlich ohne tiefsinnige Melancholie aus, auch wenn sich Zauner dafür hier nun auch gerne mal in andere Personas hineinversetzt. Wie zum Beispiel bei Posing in Bondage, einer Ballade über Einsamkeit und Sehnsucht, die von zwei Menschen erzählt, die trotz aller Mühe und Willen es nicht schaffen, eine Verbindung untereinander aufzubauen. So oder so steht dem Japanese Breakfast-Album die neue Leichtigkeit – ein Album, das man im Juni auf keinen Fall verpassen sollte!

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4. Modest Mouse – The Golden Casket (VÖ: 25.06.21)

„Alles gibt eine Frequenz ab…Alles vibriert, ob man es weiß oder nicht. Wir schwimmen gerade in einer verrückten Scheiße – sie ist nicht sichtbar, aber sie ist real. Ich glaube, jedermanns Verstand wird gerade ein wenig durcheinander gebracht. Und ich spüre es jeden verdammten Tag.“ Was ein bisschen nach Aluhut-Propaganda klingt ist nichts mehr und nichts weniger als die Sorge von Modest Mouse-Frontmann Isaac Brock, der als tourender Hinterwäldler-Philosoph des Indie-Rocks schon so manchen Misstand in abwegige Hymnen verpackte. Und dem steht das neue Modest Mouse-Album in nichts nach, befasst sich The Golden Casket doch mit dem Verfall der psychischen Landschaft Amerikas durch das Glas des Smartphone-Bildschirms. Überall auf der Platte finden sich Anspielungen auf Mobilfunkgeräte, Hashtags, Computer, SMS und Online-Dating-Kultur. Aber dies ist kein typisches Manifest eines Ludditen, der die iPhone-Sucht, die Desinformationsflut oder die Zerstörung des politischen Diskurses durch die sozialen Medien anprangert. Denn es geht noch tiefer, es geht um die unsichtbare Technologie dahinter: Mobilfunksignale, Radiofrequenzen und WiFi-Wellen. Inspiriert von Recherchen zu verwandten Themen wie Gang-Stalking, Voice-to-Skull-Geräten und Audio-Überwachung, bestellte Isaac seltene Mikrofone, die „zur Aufnahme von Ameisenhaufen und dem Herzschlag von Schnecken“ hergestellt wurden, und benutzte sie, um den Klang seines leeren Studioraums aufzunehmen und entdeckte, wie laut Stille sein kann. Doch keine Angst, bei all dem Kauzigen Geschreibe sind die Herren immer noch Unberechenbar in ihrem überbrodelnden Klangkosmus, der seit jeher mal schief und überladen und mal direkt und unmittelbar einen besonderen Platz in unserem Indie-Herzen hat – und hier schlägt unser Herz wieder so wild wie schon lange nicht mehr bei der Band!

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5. Island – Yesterday Park (VÖ: 25.06.21)

Spätestens seit ihrem Debütalbum Feels Like Air gehört die Londoner Band ISLAND zu den spannendsten Indie-Acts aus UK und machen sich seitdem fleißig daran diesen Ruf stetig zu untermauern. Auf gefeierte Touren und Festival-Shows folgte 2019 die Veröffentlichung der EP When We’re Still…und nachdem zuletzt nach und nach diverse Singles folgten, wurde immer klarer, dass uns demnächst auch wieder mehr, in Form eines neuen Albums ins Haus steht. Yesterday Park steht dem Debüt in Nichts nach, ist immer noch genauso hymnisch, feierlich und euphorisch berauschend wie ein bierig-sommerlicher Cabrio-Trip mit den besten Freunden und klingt dabei stetig gekonnt wie unsere/eure neue Lieblingsband. Dabei nutzte die Band einen Taktik-Kniff und ließ sich Beat-mäßig vom Hip Hop der 90iger inspirieren und antreiben. Obendrauf noch etwas Zuversicht und Optimismus – fertig ist das perfekte Indie-Rock-Sommer-Alben: „Die Erinnerungen an die totale Harmonie, an die Jugend und sorglose Zeiten verändern sich mit der Zeit. Einerseits fühlen sie sich immer weiter weg an und verblassen, andererseits romantisiert man sie immer mehr, wodurch sie irgendwie zu neuen Erinnerungen werden. Das Ergründen dieser Gefühle ist das zentrale Thema des Albums“, so die Band.

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Newcomer:

1. Rosie Tucker – Sucker Supreme (VÖ: 18.06.21)

Für Fans von Lucy Dacus und Japanese Breakfast hat der Juni auch gleich noch einen Geheimtipp in petto – denn auch wenn Sucker Punch das mittlerweile dritte Album von Rosie Tucker ist, waren sie bisher für uns ein unbeschriebenes Blatt. Das änderte sich nun mit dem Debütalbum auf Epitaph schlagartig, waren wir doch direkt Fans von diesen verspielten Indie-Pop-Melodien, von der Schlagfertigkeit, die mit einer Leichtigkeit persönliche Gefühle mit dem großen Ganzen zu verknüpfen vermag – und das in Songs, die man wieder und immer wieder hören will, ja hören muss. Eine große Überraschung!

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2. Maple Glider – To Enjoy is the Only Thing (VÖ: 25.06.21)

Und die nächste positive Überraschung folgt sogleich – aber hey, was sollen wir denn machen, wenn der Monat auf einen Schlag so viele Newcomer bietet, die uns im Sturm aus dem Nichts erobern, dass wir nur immer und immer wieder ihre Alben hören mussten?! Wir können sie euch nur nachdrücklichst empfehlen – so auch im Falle der aus Melbourne stammenden Songwriterin Maple Glider, dem Projekt von Tori Zietsch. Fans von Acts wie Nadia Reid, Angel Olsen, Sharon Van Etten und Co könnte es hier mal schnell den Boden unter den Füßen wegziehen – so gut ist das Debütalbum To Enjoy Is The Only Thing, an dem die Musikerin anfing zu arbeiten, nachdem sie ihr vorheriges musikalisches Projekt Anfang 2018 verließ und kurzerhand nach Brighton zog. Geplagt von Heimweg, genoss sie die Sonne und schrieb ununterbrochen Songs, die so schwermütig, wie groß sind. Ihre Vision für das Projekt beschreibt Zietsch folgendermaßen: “This is what the album looks like to me: walking past tinsel covered trees in mid-September, swimming along the calanques in the south of France, car-bonnet frost, darkness at 4pm, lightness until 10pm, a muted feeling, the perpetual grey fog that swallows the Silver Coast, the colour red, this ugly green dress, red wine, red blood, red lips, red is the colour of the cardinal’s robe, Switzerland, my mother’s diaries, a coroner’s report, the sun on my face, the end of love…” Ein verdammt schmerzlich-schönes Monument von einem Songwriter-Album!

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3. Greentea Peng – MAN MADE (VÖ: 05.06.21)

Mit Spannung erwartet wurde schon seit längerem das Debütalbum der heiß gehandelten Newcomerin Greentea Peng, vermischt die im Süden Londons geborene Sängerin und Songwriterin doch wie kaum eine andere experimentelle, trippige Klanglandschaften mit inhaltlich mal meditativen, mal politischen, mal humorvollen Lyrics! Vor dem Hintergrund eines der turbulentesten Jahre der jüngeren Vergangenheit zogen sich Greentea und ihre Band The Seng Seng Family im letzten Sommer auf das Land zurück. Sie entschieden sich, die Platte in der Frequenz von 432 Hz aufzunehmen, einer Tonhöhe, die einen Halbton unter dem Standard der Musikindustrie liegt und von der man annimmt, dass sie heilende Energie hat. Ihr einzigartiger Mix aus Hip-Hop, Jazz, Neo-Soul und Ragga, sowie ihre charakteristischen Vocals überzeugten so nicht nur die Jury des BBC Music Sound of 2021, wo Greentea Peng auf Platz #4 landete – das 18 Song starke Opus kanalisiert die inneren Gedanken der Musikerin und erforscht die verschiedenen Zustände des Seins so gekonnt, dass man im Juni auch an diesem Album nur schwer vorbeikommt…

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Wiederkehrer: The Staves – Good Woman (VÖ: 05.02.21

Immer noch auf Rotation bei uns, ist das Anfang Februar veröffentlichte dritte Album der drei Staves-Schwestern, das große Folk-Pop-Momente mit den Schicksalsschlägen der vergangenen Jahre verband, in denen Beziehungen endeten, die geliebte Mutter der drei starb und Emily ihr erstes Kind bekam. Herausgekommen ist ein Album voller großspuriger Ohrwürmer, die die Grenzen zwischen Folk und Pop noch mal neu ausloten – und das auch noch im Juni funktioniert.

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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