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Veröffentlicht am 10.06.2021 | von Elias Ott

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SLUT – Talks Of Paradise


Foto-© Gerald von Foris

Acht Jahre ist das letzte Album (Alienation, 2013) schon her, jetzt melden sich Slut mit Studioalbum Nummer Neun zurück. Längst hat sich die Band aus Ingolstadt mit einer gewissen Eigensinnigkeit vom geradlinigen Gitarrenrock früherer Jahre gelöst: Sanfte Soundreformen á la Radiohead – oder besser, wir sind hier immerhin in Bayern – wie die Kollegen von The Notwist, die sich immer wieder zu variieren wissen, ohne krampfhaft das Ruder herumzureißen.

Ihr Neuling heißt Talks Of Paradise – und möchte das spürbar ändern. Das Ganze läuft in etwa folgendermaßen ab: Neues Instrumentarium, das ist erstmal die erste Phase – und kann nur Good For All sein, wie der gleichnamige Opener beweisen will: ein minimalistisches Synth-Arpeggio mit eierndem LoFi-Touch mausert sich zu kristallinem Elektro-Pop, der pumpend die neue Ära verkündet.

Doch das Gegenteil von Gut ist häufig nun mal gut gemeint. Es folgt ein aberwitziger Ritt aus gelungenen Ansätzen und Verzichtserklärungen auf jegliche Feinheiten, die sich die Band über Jahre erspielt hat. Die Subtilität von Alienation sind zum Stumpfsinn eines Belly Call mutiert, einem heißen Kandidaten für die Untermalung nervenaufreibender ARD/ZDF-Zusammenschnitte von Schland-Highlights bei der kommenden EM. Aber keine Sorge, hier ist niemand 2013 zu Passengers Let Her Go eingeschlafen: Vorsichtig angedeuteter Autotune (For The Soul There Is No Hospital) und ein wenig Vinyl-Knacken (Tell Your Friends) verorten die Songs im retrogesättigten Hier-und-Jetzt – schade nur, dass nicht auch das Trend-Instrument Saxophon seinen Teil zur Verjüngungskur beitragen darf.

Von Fingerübungen in Sachen weichgespülter Radiotauglichkeit einmal abgesehen, wäre das längst kein Grund zum Spott, würden Slut bei all den Griffen in den Baukasten nicht spätestens im risikofrei wummernden Refrain die eben errichteten Klangfundamente wieder niederwalzen. Allein das skizzenhafte Fala führt vor, was eigentlich in der Band steckt – und wird doch im nächsten Anlauf vom vollkommen risikofreien How Trivial We Are zugekleistert.

Why Pourquoi (2004) möchte man da schreien, es war schließlich so leicht, euch zu lieben. Ein wenig ergeht es Slut damit wie den Antagonisten aus dem gleichnamigen Film, der 2004 ihr Easy To Love zum Soundtrack jugendlicher Rebellion erkor: Die fetten Jahre sind vorbei.

Slut – Talks Of Paradise
VÖ: 18. Juni 2021, Lookbook
www.slut-music.com
www.facebook.com/slutmusic

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