Musiknews

Veröffentlicht am 6.10.2021 | von Dominik

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Bedroomdisco Top Alben – Oktober

Foto-© Shawn Brackbill

Huch, schon 6. Oktober und noch keine Bedroomdisco Top Alben online? Bevor wir jetzt Game of Thrones-Style durchs Ort gejagt werden, lassen wir uns da natürlich nicht zwei Mal bitten und präsentieren unsere Top-Alben des Monats – und eins ist ja wohl klar: der Oktober hat es wie jedes Jahr VÖ-technisch in sich!

1. The War On Drugs – I Don’t Live Here Anymore (VÖ: 29.10.2021)

Nachdem The War On Drugs im Jahr 2018 für A Deeper Understanding einen Grammy für das beste Rock Album mit nach Hause nehmen konnten, verbrachten sie drei Jahre und Aufnahme-Sessions in sieben unterschiedlichen Studios, bevor sie letztlich die Songs ihres neuen Albums in mehr als einem Dutzend Sessions in Los Angeles und New York finalisierten. Bandleader Adam Granduciel und Produzent Shawn Everett (6-facher Grammy Gewinner, The Killers, Alabama Shakes) verbrachten unzählige Stunden damit, jeden der Songs in seine Einzelteile zu zerlegen und neu zusammenzusetzen, wobei sie sich auf die besondere Kombination von Vielschichtigkeit und Fantasie verlassen konnten, die auch den Rest der Band auszeichnet. Und es handelt von einem unserer alltäglichsten, aber auch beängstigendsten Prozesse: dem Weitermachen und Durchhalten im Angesicht der Verzweiflung. Große, wie dichte und sphärische Soundflächen lassen einen ganz versinken im Sound einer Band, die auf der Spitze ihres Schaffens wirkt – und so etwas wie DEN Klassiker aus ihrer eh schon hochkarätigen Discographie erschaffen hat, an dem niemand vorbei kommt.

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2. Sam Fender – Seventeen Going Under (VÖ: 8.10.2021)

2019 war der Hype um den Newcomer Sam Fender spürbar – und wahrlich hat der Brite mit seinem Debüt Hypersonic Missiles den Grundstein für eine steile Karriere gelegt. Und trotzdem – einen Nachfolger wie Seventeen Going Under hätte man dem Sympathieträger doch irgendwie nicht zugetraut, oder vielleicht zumindest nicht direkt beim „schwierigen“ zweiten Album. „This album is a coming of age story. It’s about growing up. It’s a celebration of life after hardship, and it’s a celebration of surviving“, sagt er selbst darüber – und während er für die Songs sein Erwachsenwerden, inklusive schonungslosen Seelenstriptease in den Mittelpunkt stellt, klingen die von Bramwell Bronte produzierten 11 Songs unmittelbar, groß und eingängig – erwachsen. Respekt vor diesem Talent!

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3. BADBADNOTGOOD – Talk Memory (VÖ: 8.10.2021)

Talent haben die drei Kanadier von BADBADNOTGOOD auf jeden Fall auch – das zeigten sie schon frühzeitig als sie hochbegabt und dazu auch noch mit zielsicherem Zeitgeist kurzerhand Jazz-Versionen von Hip-Hop-Songs veröffentlichten. Nun kehren sie zu ihren instrumentellen Anfängen und den ursprünglichen Jazz-Wurzeln zurück, reflektieren die Geschichte und die Innovationen der Musiker und Komponisten, die sie auf dem Weg zum eigenen Sound beeinflussten. Nach Jahren des Tourens entschied man sich für eine Pause, um sich neu zu sortieren. Während die ersten Aufnahmen sehr schnell erfolgten, überdachte man den Prozess aber komplett und entschied sich bewusst für einen langen Reifeprozess von über 2 Jahren. Dadurch erscheint die Geschwindigkeit der Kompositionen, ihrer Performance und der Sound in neuem Glanz, denn statt auf Tour durch Improvisationen, konnten die Songs so schon vorab im Studio wachsen und gedeihen. „It took a year or two of just living life to get to the place where the creative process was exciting again and once we actually went in to the studio it was the most concise recording and writing process we’ve ever had. We hope that the improvised studio performances bring the listener closer to our live experience“, sagt die Band darüber. Und man merkt beim Hören wieviele Schichten jeder Song hat, instrumental, emotional und was Einflüsse, Richtungen und Experimente angeht. Und es ist eben eine Verneigung des Trios aus Toronto vor ihren eigenen Helden – die deren Geist damit ins hier und jetzt verwurzeln.

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4. Parquet Courts – Sympathy for Life (VÖ: 22.10.2021)

Wenn eine Band in den letzten 10 Jahren von ihrer immensen Kreativität und ihrer Rastlosigkeit getrieben war, dann ja wohl die Parquet Courts! Die Discographie des Brooklyner Quartetts ist so vielseitig, wie hochkarätig – und die Erwartungen sind nach dem großartigen, von Danger Mouse produzierten Vorgänger Wide Awake! noch mal eine Etage höher. Doch statt sich dieser Mission Impossible anzunehmen, macht die Truppe einen Sidestep und tanzt zu einem gänzlich anderen Beat! Das Album entstand dabei hauptsächlich durch improvisierte Jam-Sessions, die wiederum von der New Yorker-Club-Szene, Primal Scream wie Pink Floyd inspiriert wurden und dann mit den beiden Produzenten-Schwergewichten Rodaidh MacDonald (The xx, Hot Chip, David Byrne) und John Parish (PJ Harvey, Aldous Harding, Dry Cleaning) in die finale Form geschliffen wurde. “Wide Awake! was a record you could put on at a party,” sagt Co-Frontmann Austin Brown darüber. “Sympathy For Life is influenced by the party itself. Historically, some amazing rock records have been made from mingling in dance music culture – from Talking Heads to Screamadelica. Our goal was to bring that into our own music. Each of us, in our personal lives, has been going to more dance parties. Or rather, we were pre-pandemic, which is when this record was made.” Rockiger kommt die Band darauf daher, nicht ohne aber weiterhin dieses ganz besonderen Grove zu treiben, der einen nicht mehr loslässt. Es bleibt dabei: diese Band kann keine schlechten Alben machen!

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5. Sam Evian – Time to Melt (VÖ: 29.10.2021)

In den letzten 10 Jahren hat sich Sam Evian zum herausragenden Spielgesellen und Kollaborateur für die US-amerikanische Indie-Folk-Szene entwickelt – Bands und Künstler*innen wie Big Thief, Cass McCombs, Cassandra Jenkins oder Widowspeak wissen davon zu berichten, produzierte er doch deren Alben oder bearbeitete sie. Nachdem Sam sein letztes eigenes Album You, Forever im New Yorker Speckgürtel produzierte, merkte Sam, dass er dem Drang, dem unruhigen Stadtleben zu entkommen, nicht länger widerstehen konnte. Mit seiner Partnerin Hannah Cohen ließ er die Hektik New Yorks hinter sich, um in einer ruhigen Stadt in den Catskills ihr Refugium und Sams Studio Flying Cloud Recordings zu bauen. Diese nachdenkliche, entspannende Umgebung formte unaufhaltsam Time to Melt – das neue Album, das eine Reihe glühender, seelenvoller und psychedelischer Pop-Perlen versammelt. Das Album ist ein Zeugnis für das Leben und die Weisheit, die man findet, wenn man sich selbst Raum und Zeit gibt. Es setzt sich mit der Last und Schwere unserer Zeit auseinander und sortiert in eindrucksvollen 40 Minuten ein Jahr eines Lebens, das in Wut und Hoffnung, Lockdown und Liebe verbracht wurde. Erstaunlicherweise klingt es dabei weitgehend schwerelos und verführerisch. Es wirkt wie ein Ort, an dem man den Schmerz und das Staunen, das Leiden und die Verheißung des Augenblicks auspackt, um darüber nachzudenken, wo man gewesen ist und was als Nächstes kommen könnte. Hintenraus vielleicht etwas düdelig – davor aber ganz großer verspulter Songwriter-Folk!

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Newcomer

1. FINNEAS – Optimist (VÖ: 15.10.2021)

Kaum zu glauben – aber der gefeierte Billie Eilish-Bruder/-Produzent & Grammy-Preisträger steht gerade kurz vor seinem Debüt-Album-Release. Bis auf die ersten Singles gibt es da noch nicht viel zu hören, aber hey es geht hier um FINNEAS und die Familie O’Connell – da kann eigentlich nichts schiefgehen, wir erwarten nichts anderes als einen Zeitgeist-prägenden Genre-Mix, der uns die nächsten Monate stetig verfolgen wird.

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2. Geese – Low Era (VÖ: 29.10.2021)

Diese Band gehört zu den heißesten Eisen der Indie-Rock-Zukunft: Die Brooklyner Band, deren ältestes Mitglied gerade einmal 19 Jahre alt ist, entspringt dem Ehrgeiz, Musik mit allen Mitteln zu machen! Mit Turnschuhen als Mikrofonständer und Wolldecken, die über die Verstärker drapiert wurden, begannen die Jungspunde in den letzten Monaten gemeinsam an Aufnahmen zu feilen – immer nach der Schule bis kurz vor 22 Uhr, um den Lärmbeschwerden der Nachbarn zu entgehen. Mit einer imponierenden Leichtigkeit bewegt sich ihr Sound zwischen New Yorker Ikonen wie Talking Heads, The Strokes und Television, wenn Geese aufbrausende Gitarrenriffs scheinbar spielerisch zusammen mit melancholisch tiefgreifenden Texten und dynamisch abwechslungsreichen Strukturen bringen. Es ist diese Mischung aus experimentellen Ideen, eingängigen Melodien und einer jugendlichen “Sturm und Drang”-Energie, welche das Debütalbum der Band so besonders macht.

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3. Lunar Vacation – Inside Every Fig is a Dead Wasp

„Zu gleichen Teilen Mac DeMarco und Snail Mail“ beschreibt das Paste Magazine den Sound der Band, die sich im Sommer 2016 gründete und im Kern aus Grace Repasky (Songwriterin/Sängerin/Gitarristin) und Maggie Geeslin (Songwriterin/Sängerin/Gitarristin) besteht. Die beiden Amerikanerinnen lernten sich in der achten Klasse ihrer Highschool kennen, schrieben schnell die ersten gemeinsamen Songs und rekrutierten Matteo DeLurgio (Synthies) und Connor Dowd (Schlagzeug), um den immer lebendigeren Geist ihrer Songs klanglich zu unterstützen. Kurz nach ihrem Highschool-Abschluss veröffentlichten sie als Lunar Vacation auf eigene Faust zwei vielbeachtete EPs. Soweit zur Historie – die Zukunft steht mit dem Debütalbum ins Haus und bietet ein pulsierendes Angebot an melodiösen Gitarren, treibendem Rhythmus und fesselndem, ergreifendem Gesang, das die zeitgenössische Belastung des Erwachsenwerdens aufgreift und die Turbulenzen der Identität, einschließlich der kürzlichen Akzeptanz von Frontfrau Grace Repasky als nicht-binär, thematisiert. Die Einflüsse ragen von Rilo Kiley, Tame Impala, Alvvays oder Slow Pulp.

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Wiederkehrer: Chet Faker – Hotel Surrender (VÖ: 16.07.2021)

Manchmal braucht man eine Reise quer um die Welt, um letztlich wieder bei sich selbst anzukommen – so auch beim australischen Musiker Nick Murphy, der seinen musikalischen Alter Ego Chet Faker eigentlich vor einiger Zeit auf Eis gelegt hatte und nach der Album-VÖ (als Nick Murphy) 2019 von Run Fast Sleep Naked ein Jahr lang um den Globus gereist war. Anfang 2020 hatte er dann aber auf einmal wieder einige neue Songs im Gepäck, die so die Energie der Anfangstage von Chet Faker atmeten, dass dem Projekt neues Leben eingehaucht wurde. Umso mehr, als er feststellte, dass er da in seinem New Yorker Studio ein komplettes Album fertig hatte: Hotel Surrender! Und dieses hallt auch in diesen Tagen noch nach, einfach weil sich der Australiern hier nun endlich von einigem Ballast freigeschwommen zu haben scheint und mühelos einige Hits aus dem Ärmel schüttelt.

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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