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Veröffentlicht am 13.10.2021 | von Anne Beier

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OH WONDER – 22 Break


Foto-© Josh Shinner

I couldn’t fathom all the romance, overrated
No point in trying to fix a broken bathtub, baby
I spent the summer trying to loosen up, be lazy
The truth is that I kind of gave up on pretending

Now we’re driving your car to the edge of the dark
Where the world falls apart
And my God, oh, I just can’t take it
‚Cause the look on your face says
You’re gonna replace all the moments we had
Oh my God, oh, I just can’t face it
Life without you
There’s a hole in my heart and it’s got your name on it

(Oh Wonder – Rollercoaster Baby)

Wahrscheinlich hat kaum jemand erwartet, dass das britische Duo Oh Wonder nach ihrem Album No One Else Can Wear Your Crown aus dem Februar 2020 so schnell nachlegen würden. Mit einer ungewöhnlich kurzen Ankündigungszeit erschien am 8. Oktober das vierte Studioalbum 22 Break und das hat es in sich. Nachdem sie erst zur Vorgängerplatte öffentlich bekannt gaben, auch privat ein Paar zu sein, brachten sie die Pandemie, der Lockdown und die Absage ihrer Tour an ihre Grenzen. Sie gingen zurück ins Studio und schrieben Songs in einer Situation, die sowohl beruflich als auch persönlich fast das Ende des Projekts bedeutet hätte. 22 Break ist wahrscheinlich das einzige Album, das von Trennung handelt, sie ausdiskutiert bis es weh tut und in einer Hochzeit endet – im August dieses Jahrs haben Anthony Vander West (vormals West) und Josephine Vander West (vormals Vander Gucht) geheiratet. Die Hörer:innen erwartet eine aktive, schonungslose und beidseitige Auseinandersetzung. Denn anders als in No Doubt’s berühmten Don’t Speak, wo sich Gwen Stefani das Leid von der Seele singt und der Beklagte Tony Kanal leise am Bass zupfen muss, bekommt man auf 22 Break beide Seiten zu hören – begleitet von der Oh-Wonder-Erfolgsmischung aus wunderschönen Akustik- und Pianomelodien, unaufdringlichen elektronischen Klangflächen und mit den leichten Harmonien der beiden.

Der Opener Baby setzt den Ton für den Rest des Albums. Es geht um Unsicherheiten, Selbstzweifel und die Angst zu scheitern. Die Fragilität der Phase der Trennung, die aber noch immer tiefe Gefühle füreinander erkennen lässt, wird auch in Rollercoaster Baby deutlich. Vor einem elektronischen Beat, der an Retro-Videospiele erinnert, und lebhafter Percussion besingen die beiden die Sehnsucht nach Liebe: „There is a whole in my heart and it’s got your name on it.“ Das Auf und Ab einer Trennung ist nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch präsent. Ähnlich modern klingt Don’t Let The Neighbourhood Hear und auch dieser Song transportiert die Sehnsucht und Unsicherheit ungeschönt und eindringlich. Musikalisch glänzen vor allem die melodischen Saxophonklänge vor den elektronischen Beats, die aber immer noch genügend Platz für die Stimmen der beiden lassen. Das Saxofon ist auch Element einer der minimalistischeren Songs. Im intensiven und auffordernden Love Me Now bringt es eine beruhigende Wärme und Erdung während Anthony Vander West flüsternd die Liebe beschwört. Unruhiger und unübersichtlicher wird es bei You > Me, durch seinen treibenden Beat, die steigende Intensität und die aufgezeigte Differenz zwischen Liebe und Verlust („You see, I loved you more than I loved myself, can’t believe I had you / I need you more than I need myself, can’t believe I had you“). Eines der Highlights der Platte. Ruhig, klassisch und daher auf andere Weise intensiv ist Kicking The Doors Down.

Eindringlich visualisiert werden die Songs durch einen Kurzfilm, den das Duo begleitend zum Album gemacht hat. 22 Break gibt also auf elf Songs und in einem Film einen Einblick in die Trennung eines Paares, das sich zerreißt, um zusammenbleiben zu können – was schlussendlich auch gelingt. Das Album ist das intime Zeugnis einer intensiven emotionalen und musikalischen Arbeit. Dabei kann das Hin und Her mal aufwühlend, mal aufregend und mal ermüdend sein. Wie eine Trennung eben so ist. So schön war das Produkt daraus wahrscheinlich selten. Wir freuen uns, das Album im nächsten Jahr live zu erleben!

Oh Wonder – 22 Break
VÖ: 08. Oktober 2021, Island
www.ohwondermusic.com
www.facebook.com/ohwondermusic

Oh Wonder live:
19.03.2022 Berlin, Astra
23.03.2022 Hamburg, Fabrik
24.03.2022 Köln, Carlswerk Victoria
29.03.2022 München, Backstage Werk

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