Kritik

Veröffentlicht am 11.01.2022 | von Julius Tamm

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FABIAN ODER DER GANG VOR DIE HUNDE – Filmkritik


Foto-© Lupa Film Hanno Lentz DCM

Der Mensch braucht nur ne Heimat, sonst nischt!

(Unbekannt – Fabian oder der Gang vor die Hunde)

Der deutsche Film hat ein Problem. Entweder er ist zu einfach, schnulzig und unkreativ wie jede Til Schweiger-Produktion oder er ist zu kompliziert. Die Erich-Kästner-Verfilumg Fabian oder der Gang vor die Hunde von Regisseur Dominik Graf gehört in die zweite Kategorie. Es ist viel Mitleid angebracht für all die Deutsch LKs, die diesen Film analysieren müssen.

Berlin 1931 – eine Stadt zwischen zwei Weltkriegen. Armut, Hedonismus, Gewalt und der aufkeimende Nationalsozialismus werfen einen langen Schatten über die größte Stadt der Weimarer Republik. Dadurch befinden sich die Bewohner*innen Berlins in einer Art Schwerelosigkeit, nichts hat wirklich Bedeutung, Arbeit ist ein Zeitvertreib, Freud und Leid liegen nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Mitten in diesem Chaos bahnt sich ein junger Jakob Fabian (Tom Schilling) seinen Weg. Tagsüber arbeitet er als Werbetexter, nachts zieht er mit seinem Kumpel Stephan Labude (Albrecht Schuch) durch die Clubs und Bordelle der Stadt.

Hektische Kamerafahrten, schnelle Schnitte und eine krude Mischung von Klängen unterstreichen das skurrile Treiben der beiden jungen Männer. Alles passiert so schnell – in einem Moment lernt Fabian seine große Liebe, die Schauspielerin Cornelia (Saskia Rosendahl), kennen, im nächsten befindet er sich mitten in einer Prügelei zwischen einem betrunkenen Grabscher und seinem Kumpel Labude. Dass Grafs Verfilmung dennoch knapp drei Stunden Spielzeit in Anspruch nimmt, lässt Böses erahnen.

Die Geschichte von Fabian oder Gang vor die Hunde ist simpel: Liebe, Drama, Eifersucht und etwas Politik zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus. Doch leider kann eine deutsche Literatur-Verfilmung nur selten für ein großes Publikum dienen. Elitär schaut das Drehbuch auf seine Zuschauer*innen herab und gewährt nur jenen Intellektuellen Einblick, die masochistisch genug sind, sich ihm auszusetzen. Dass Erich Kästner auch etwas für die breite Masse sein kann, scheint Graf nicht wahr haben zu wollen.

Hätte der Regisseur stattdessen das Medium Theater/Bühne gewählt, wäre ihm seine elitäre Auslegung des Stücks wohl weniger angekreidet worden. Es gibt kein Verbot, einen Film dramaturgisch zu gestalten, jedoch lassen sich Stilmittel des Theaters und die Erwartungshaltung an ein Bühnenstück nicht nahtlos auf einen Film übertragen. Das Ergebnis ist in Fabian oder der Gang vor die Hunde deutlich zu erkennen. Eine kleine intellektuelle Schicht wird diesen Film für sein Anders-Sein feiern und sich in dem Glauben suhlen, das Werk verstanden zu haben. Für den Rest ist es ein wirres durcheinander, unnötig komplex gestaltet und zum Schauen nicht zu empfehlen.

Fabian oder der Gang vor die Hunde (D 2021)
Regie: Dominik Graf
Darsteller: Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch, Meret Becker, Michael Wittenborn
Heimkino-VÖ: 14. Januar 2022, DCM

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und schreibt auch noch drüber. Autor bei bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt, hr-iNFO Online und hessenschau Social Media.



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