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Veröffentlicht am 14.01.2022 | von Christian Weining

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PINEGROVE – 11:11

I try to warn my senator
He said that he invented it
And that I should feel happy he talked to me at all
I try to down the bluest pill
The author of the fucking bill
Bragging on YouTube, the criminals he’ll kill

(Pinegrove – Flora)

Es gibt dann doch gar nicht so viele Bands, auf die man sich wie auf eine alteingesessene Institution verlassen kann. Pinegrove ist eine von ihnen. Mit ihrem neuen Studioalbum 11:11 bringen sie Altvertrautes zurück und verändern sich dennoch erfrischend im Vergleich zum 2020 erschienenen Marigold.

Die elf neuen Songs sind immer noch so eingängig wie eh und je, während melodiöser Fokus und poetisches Feingespür ineinander verschmelzen. Vor allem der Sound, der zuletzt sehr sauber und produziert klang, ist nun mit Hilfe von Chris Walla (ehemaliges Death Cab for Cutie-Mitglied) ein Stück rudimentärer und handgemachter geworden. Schon der ausufernde Opener Habitat klingt nach „Kabel eingesteckt und losgelegt“ und entpuppt sich dabei doch als ein vielschichtiges Klangerlebnis: mehr Americana, weniger Emo. Umso mehr Optimismus bringt das kurze und aufrüttelnde Alaska mit voller Power und Punk Attitüde. Nicht nur in diesem Song geht es um die Perspektive einer Gesellschaft, in Gefahr auf sich nicht oder zu langsam verändernde Politik. So behält Pinegrove Mastermind Evan Stephens Hall recht, wenn er sagt, dass das Album diverse Gefühlsstadien abdeckt: „There’s anger, love, hope and grief. The record has all of that.“

Auf angenehme und inspirierende Weise reflektiert das Album politische und gesellschaftliche Problemlagen, stellt dabei jedoch Hoffnung und Gemeinschaftsgefühl an erste Stelle. Denn in die Musik hüllt man sich gerne ein, während lyrisch häufig ein eher schwarzes Bild gemalt wird: “Now I’m walkin‘ outside, nothing feels good/Take a blue meander into the woods/Nothing’s shining like I feel like it should….” (Flora) Pinegroves Stil geht genau darin voll auf. Kritik und Optimismus in amerikanischem Gestus. Das Album scheint durchdacht, erwachsen und wie ein Schritt nach vorne. In einem Interview heißt es, dass sie mit dem Album Platz schaffen wollen, um allen Gefühlen Ausdruck verleihen zu können, die sich zwischen Klimakrise, Corona Isolation und Ungerechtigkeit auftun. Und das funktioniert, weil sie nahbar klingen ohne Parolen zu schmettern.

Erfreulich wären noch mehr Power Nummern à la Alaska gewesen, um die trotz allem Optimismus leicht überschüssige Schwermut zu nehmen, die sich gegen Ende des Albums breit macht. Abgesehen davon ist das Album eine Wohltat und schließt sich an die alten American-Indie Klassiker von Death Cab For Cutie bis Bright Eyes an. Pinegrove spielt musikalisch mit diesen schon längst in einer Liga und kann uns heute dennoch immer wieder Neues erzählen.

Pinegrove – 11:11
VÖ: 28. Januar 2022, Rough Trade Records
www.pinegroveband.com
www.facebook.com/Pinegroveband

Pinegrove Tour:
20.05.22 Gleis 22, Münster
22.05.22 Hafenklang, Hamburg
24.05.22 Hole 44, Berlin
25.05.22 Hansa 39, München

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