Kritik

Veröffentlicht am 24.02.2022 | von Sam Pacheco

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LIFE IN SPACE – Filmkritik


Foto-© Koch Films

Reza (Jonny Lee Miller), Ilsa (Sofia Boutella) und Remmy (Brooklynn Price und Nell Tiger Free) bestreiten ein Siedler-Leben auf dem Mars. Stellt euch eine kleine Farm des amerikanischen Wilden Westens vor, mit Gewächshaus, Schweinen und Hühnern. Wir wissen nicht, in welchem Jahr wir uns befinden, nur das genug Zeit vergangen sein muss, damit die Menschheit auf irgendeine Weise die Erde zugrunde richten konnte. Wir wissen nicht, ob es außerhalb der Farm noch etwas anderes gibt außer Wüste. Es dauert nicht lange, da erheben Fremde Anspruch auf das Anwesen der Familie. Es stellt sich heraus, dass es doch nicht so einfach ist, auf dem Mars zu überleben, jedenfalls nicht jenseits des Bauernhofs.

Wyatt Rockefeller (Regie und Drehbuch – Spielfilmdebütant) hatte offensichtlich selbst keine genaue Idee, was er eigentlich will, denn nichts ist hier zu Ende gedacht. Bevor man den Zuschauern eine neue Welt und neue Charaktere mit minimalen Fakten und Hinweisen Stück für Stück offenbart, muss man für sich selbst erstmal möglichst viele Hintergründe und Zusammenhänge konstruieren, damit am Ende auch alles Sinn ergibt. Dann darf man mit den Information nicht zu geizig umgehen. Sonst werden alle, die versuchen die Lücken mit der eigenen Fantasie zu füllen, nur bestraft. Der Film profitiert nicht im geringsten vom Setting auf dem Mars (was übrigens keineswegs “in Space” ist). Die Entscheidung, Sci-Fi-Fans als Zielgruppe zu wählen, ist fatal ﹘ für den hiesigen Heimkino-Release wurde sogar der Titel von Settlers in Life in Space geändert, falls da Zweifel entstehen könnten. Es wurde sich so gut wie keine Mühe gegeben, den Mars mit all seinen Gegebenheiten abzubilden und die Maßnahmen, die für ein Überleben dort notwendig wären, als spannende Zukunftstechnologie zu präsentieren. Stattdessen wird Meine Kleine Farm gespielt und Banditen auf die arme Familie losgelassen, die dort einfach nur in Ruhe gelassen werden will. So eine kleine Anlage kann außerdem unmöglich autark betrieben werden. Atemluft ist als Problem immerhin da, wird aber nur mit “hier auf der Farm kann man halt atmen, außerhalb nicht” gelöst. Die Tatsache, dass es Nachts auf dem Mars auf -80°C abgekühlt, wird einfach ignoriert. Wenn man weder Interesse, noch Ideen, noch Budget für ein wahrhaftiges Mars-Szenario hat, sollte man es tunlichst sein lassen und stattdessen ein beliebiges post-apoklypisches auf der Erde wählen für seine existenziellen Überlegungen. Leider bliebe selbst dann nichts übrig, worüber es sich lohnen würde, anschließend noch nachzudenken, zumindestens nicht mit diesen Parametern.

Alleine Brooklynn Price (The Florida Project) ist im Zweifel sehenswert da sie tatsächlich eine halbwegs brauchbare Figur im Drehbuch stehen hat. Der Rest quält sich so gut es geht durch den Staub. Kamera (Willie Nel), Schnitt (Johnny Daukes) und Musik (Nitin Sawhney) fallen immerhin nicht negativ auf, wenn überhaupt. Ergo: Life in Space ist unter keinen Umständen eure Zeit wert.

Settlers (UK ZA 2021)
Regie: Wyatt Rockefeller
Besetzung: Sofia Boutella, Ismael Cruz Cordova, Brooklynn Prince, Nell Tiger Free, Jonny Lee Miller, Natalie Walsh, Matthew Van Leeve
Heimkino Release: Ab 24. Februar 2022, Koch Films

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