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Veröffentlicht am 3.03.2022 | von Dominik

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KEVIN MORBY – Fotos

Foto-© Chantal Anderson

Kevin Morby hat sich mit seinen bisherigen gefeierten sechs Studioalben einen schönen Platz zwischen Größen wie Bill Callahan, Kurt Vile oder Jeff Tweedy als großer Americana-Songwriter gemacht. Sein Songwriting verdichtet dabei auf eine einzigartige Weise atmosphärische und aufrüttelnde Texte und eingängige Melodien zu Songs, die im Hinterkopf die großen Weiten der amerikanischen Mitte aufstoßen. Sein neues Album This Is A Photograph, das am 13. Mai bei Dead Oceans erscheint, ist dabei eine hoch persönliche Angelegenheit: Die Geschichte beginnt im Januar 2020, als Kevin Morby im Keller seines Elternhauses in Kansas City geistesabwesend in einer Kiste mit alten Familienfotos blättert. Nur Stunden zuvor war sein Vater bei einem Familienessen vor seinen Augen zusammengebrochen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. In dieser Nacht spürte Morby noch immer den Schock und die Angst in seinen Knochen. Also sah er sich die Bilder an, bis ihm eines davon ins Auge sprang: sein Vater als junger Mann, stolz und stark und voller Selbstvertrauen, der mit freiem Oberkörper auf einer Wiese posiert. „Auf dem Foto sieht er jung und selbstbewusst aus und streckt der Kamera seine Brust entgegen, als ob er auf einen Kampf aus wäre“, erklärt Morby. „Mir war nicht entgangen, dass es sich um denselben Brustkorb handelte, an den der Krankenwagen nur Stunden zuvor ein Stethoskop gehalten hatte, als er auf dem Küchenboden im Haus meiner Schwester lag.“ Während sein Vater wieder zu Kräften kam, grübelte Morby über diese Gedanken nach. Und dann machte er sich auf den Weg nach Memphis. Er zog in das Peabody Hotel und verbrachte seine Tage damit, den Träumern, die er bewunderte, Tribut zu zollen und sich vor ihnen zu verneigen; er ging hinunter zum Ufer des Mississippi, zu der Stelle, an der Jeff Buckley sein Ende fand. Er schlenderte durch das Viertel, in dem Jay Reatard seinen letzten Tag verbrachte, und fuhr dann am Stax-Zelt vorbei, um seine Stimmung kurz aufzulockern. Dann fuhr er an Graceland vorbei, bevor er den Highway 61 überquerte und die Geister zu sich rufen ließ, um seine eigenen Träume zu gestalten. Abends kehrte er in sein Zimmer zurück und hielt seine Ideen auf einem behelfsmäßigen Aufnahmegerät fest, das nur aus seiner Gitarre und einem Mikrofon bestand. Die elegischen Lieder, die zu all dem passen, was er gesehen hatte, sprudelten nur so aus ihm heraus.

Erneut stand Sam Cohen (der bereits Singing Saw und Oh My God produziert hatte) hinter dem Projekt. Zusammen mit dem Schlagzeuger Nick Kinsey begannen sie in Cohens Studio im Bundesstaat New York, das sich noch im Bau befand, mit der langsamen Arbeit an den Songs. Die Reise der Aufnahmen entsprach der Start-Stopp-Qualität von 2021 selbst, mit magischen Momenten, die in die prekäre Navigation eingestreut waren. Mit der Zeit füllte sich die Besetzung. Der ehemalige Tournee-Pianist Oliver Hill sowie seine Mutter Meg und seine Schwester Charlotte sorgten für die Streicher. Die Tourneeleute Cochemea Gastelum (Saxophon), Jared Samuel (Orgel) und Alecia Chakour (Gesang, Tamburin) stießen zu den Sessions hinzu, ebenso wie Eric Johnson (Banjo). Und neue Mitstreiter wie Schlagzeuger Josh Jaeger (Schlagzeug, Perkussion), Brandee Younger (Harfe), Makaya McCraven (Schlagzeug), Cassandra Jenkins (Gesang) und sogar Tim Heidecker und Alia Shawkat (die schrägen Lacher auf dem Song Rock Bottom) fügten sich in das entstehende Bild ein.  Und passenderweise fanden die letzten Sessions live in Memphis in Sam Philip’s Recording Co. statt, das von seinem Sohn Jerry Philips geleitet wird und das Erbe des ursprünglichen Sun Records Studios fortführt. Die erste Single gibt es natürlich auch gleich vorab, in Form des Titelsongs!

Kevin Morby live:
25.05.2022 Köln, Kulturkirche
30.05.2022 Hamburg, Uebel & Gefährlich
31.05.2022 Berlin, Metropol
01.06.2022 Schorndorf, Manufaktur
09.07.2022 Zittau, Lonesome Lake Festival
12.07.2022 München, Ampere
21.08.2022 Erlangen, E-Werk
22.08.2022 Hannover, Cafe Glocksee
28.08.2022 Darmstadt, Golden Leaves Festival

YouTube video

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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