Kritik

Veröffentlicht am 4.04.2022 | von Malte Triesch

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DEATH OF A LADIES‘ MAN – Filmkritik


Foto-© Jonathon Cliff © 2020 DOALM Ontario Inc., Films DOALM Quebec Inc. and Port Pictures Ltd.

I’ll be ok.

(Samuel O’Shea – Death of a Ladies’ Man)

Der alternde Universitätsprofessor Samuel O’Shea (Gabriel Byrne) ist de facto am Ende seines Lebens angekommen. Der funktionale Alkoholiker hat zwei erwachsene Kinder, die er kaum kennt, mit einer Frau, die er durch ein jüngeres Modell ersetzt hat, welche sich nun wiederum auf die gleiche Art aus seinem Leben macht. Mit Charme und stoischer Gleichgültigkeit schafft er es dennoch an seinem Dandy Lebensstil festzuhalten, bis ihn eine Krebsdiagnose im Endstadium mit voller Wucht zwingt sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Unterstützung, bei dem Versuch noch ein paar Dinge ins Reine und andere zu Ende zu bringen, erhält er dabei unter anderem von Visionen seines verstorbenen Vaters (Brian Gleeson).

Teilweise ein bisschen wie Jeff Bridges Dude in The Big Lebowski lässt sich Gabriel Byrnes Samuel durch die Handlung treiben, nahezu unbeeindruckt von dem Wahnsinn seiner Visionen und den tiefgreifenden Problemen in seiner Familie. Dabei hat er den nächsten Drink und einen charmanten Kommentar auf das Gesehene immer griffbereit. Regisseur Matt Bissonettes Death of a Ladies’ Man ist jedoch ungleich ernster, düsterer und gleichzeitig aber auch menschlicher als die Kult-Komödie der Coen Brüder. Viele kennen vielleicht jemanden wie Samuel, jemanden, der irgendwie nie so wirklich das Richtige tut, aber dabei so charmant und witzig ist und irgendwie das Herz am rechten Fleck zu haben scheint, dass man ihm einfach nicht böse sein kann. Man wird das Gefühl nicht los, dass man ihm viel mehr Sympathie entgegenbringt, als er verdient hätte. Die liegt zum einen am charmanten Spiel von Gabriel Byrne, zum anderen an dem geschickten Kniff, dass fast alle Missetaten des Protagonisten in der Vergangenheit liegen und wir genau an dem Punkt in sein Leben kommen, wo er geläutert ist und eigentlich konstant mehr oder weniger versucht das Richtige zu tun. Wenn sein Sohn ihn mit seiner Homosexualität konfrontiert, wird kaum jemand Sam böse sein. Obgleich er es ihm mit seinen eigenen One Night Stands und dem Machogehabe sicher erschwert hat diesen Weg zu gehen, ist seine Reaktion beim Coming Out – und erst hier steigen wir ja ein – genau die kompromisslose Art von Verständnis, die man sich erhoffen würde. Ebenso seine gerade erst volljährige Tochter, die sich sichtlich nach einer Vaterfigur und eben ihrem Vater sehnt und zusehends in die Drogenabhängigkeit abzurutschen droht. Eine Situation, die sicher durch seine Abwesenheit und seinen Alkoholismus mehr als begünstigt wurde. Aber wir sehen eben den beschützenden, liebenden Vater, der nun endlich für seine Tochter da sein möchte.

Man sieht den Film und gönnt Sam eine zweite Chance, will, dass er sie bekommt und nutzt und fürchtet, dass es vielleicht nicht so ist. All die schweren Themen als Zuschauer zu verarbeiten, wird vereinfacht, da der Film und besonders Sams Halluzinationen teilweise extrem witzig und absurd sind. Sein verstorbener Vater ist hier nur der Anfang einer illustren Gruppe, der unter anderem auch Frankensteins Monster und der Sensenmann angehören. Analog zu seinem Protagonisten nimmt somit auch der Film die Schwere seiner Thematik leicht und mit einem verschmitzten Lächeln. Damit ist er vermutlich besonders für Väter und Lebemänner geeignet, die hier ermuntert werden, dass egal wie schlimm es aussieht, doch trotzdem alles ein gutes Ende nehmen könnte. Gerade die Konversationen zwischen Sam und seinem Vater haben auch für den Zuschauer nahezu therapeutischen Wert, was den Film mehr als nur unterhaltsam macht.

Death of a Ladies’ Man (CA IR 2020)
Regie: Matt Bissonette
Besetzung: Gabriel Byrne, Jessica Paré, Brian Gleeson, Antoine Oliver Pilon, Karelle Tremblay, Suzanne Clément
Kinostart: 07. April 2022, MFA+

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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