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Veröffentlicht am 26.04.2022 | von Robert Heitmann

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SUNFLOWER BEAN – Headful of Sugar


Foto-© DrielyS

On Friday I don’t care what’s the future brings
On Sunday I stay home and close my blinds
And I don’t care what tomorrow thinks
Today I’m totally mine

(Sunflower Bean – I Don’t Have Control Sometimes)

Für sein am Freitag erscheinendes drittes Studioalbum Headful of Sugar zelebriert das New Yorker Trio Sunflower Bean um Sängerin und Bassistin Julia Cumming das große, unbeschwerte Loslassen. Steigen uns die alltäglichen Strapazen des modernen Lebens und die schier unendliche Flut schneller Unterhaltung mal wieder zu Kopf, sollen die insgesamt elf neuen von Jacob Portrait (Blouse, Unknown Mortal Orchestra) produzierten Songs auf Headful of Sugar als musikalischer Balsam dienen. Wenn nach zwei Jahren Pandemie der Blick in die Zukunft ungewisser denn je erscheint, scheint es eine sinnige Idee, sich jeden möglichen Moment zu versüßen, erklärt Cummings: “Tomorrow is not promised, no tour is promised, no popularity is promised, no health or money is promised. Why not make what you want to make on your own terms? Why not make a record that makes you want to dance? Why not make a record that makes you want to scream?” Doch geht es hier nicht nur um ein rasches Zuckerhoch und schnelllebiges Vergnügen – in Gedanken an die von der modernen Welt desillusionierten Außenseiter*innen lenkt die Band thematisch den Blick auf die wohl wertvollste Hoffnung des Daseins: zwischenmenschliche Beziehungen.

“If only I could feel so free / To call you now would be a breeze”, singt Cummings die ersten Zeilen der Leadsingle Who Put You Up To This in zarter Kopfstimme und lässt so die Botschaft der Platte wie ein gedankenverlorenes Echo aus der Ferne erklingen, ehe eine schnarrende Bassline und wuchtige Drums den Song festigen. Futuristisch klingt das anschließende, gedoppelte E-Gitarrensolo, und immer wieder verleiht Cummings Stimme dem Stück eine schwebende, federleichte Note. Roll The Dice ist ein belebender Rock-Song mit psychedelischen elektronischen Einschüben, in dem die Band die wachsenden Geldsorgen der Menschen anspricht – oftmals fühlt sich jeder Tag und das planen der eigenen Zukunft wie ein verzweifelter Glückswurf der Würfel an: “Win big, win lose, that’s just how the game works / In this city money talks, that’s just how the world works”. Schwungvoll und heiter vermittelt der ebenfalls als Single gewählte Track I Don’t Have Control Sometimes zumindest klanglich ein schwereloses Gefühl, während die Lyrics mit einem Augenzwinkern von den vielen kleinen, ungünstigen alltäglichen Entscheidungen erzählen, die in der Summe das eigenen Verhalten zu recht ein wenig hinterfragen.

Headful of Sugar ist weitaus mehr als ein schneller Fitmacher, der nur den Moment erträglicher macht. Die Band und ihr Songwriting sind hier durch wertvolle Erfahrungen und ehrliche Reflexion einmal mehr gewachsen und laden mit dem Album auch uns Hörer*innen zum Überdenken der eigenen täglichen Entscheidungen ein.

Sunflower Bean – Headful of Sugar
VÖ: 6. Mai 2022, Lucky Number
www.sunflowerbean.net
www.facebook.com/SunflowerBean

YouTube video

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