Musiknews

Veröffentlicht am 31.05.2022 | von Dominik

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Bedroomdisco Top Alben – Juni

Foto-© Edward Cooke

Es wird wärmer draußen und auch unsere Alben des Monats sorgen im Juni für warme Gefühle, Sommer-Vibes und gute Laune nach Stillstand und Lockdown-Tristesse:

1. Foals – Life Is Yours (VÖ: 17.06.22)

Ein Fohlen muss tun, was ein Fohlen tun muss – und das ist im Falle der britischen Rock-Band Foals eben, dass man sich Sound-technisch im stetigen Wandel befindet! So natürlich auch beim 2022er Output, das die Rock-Riffs des letzten Doppel-Albums gekonnt in gefälligere Bahnen lenkt, während man sich dem Lockdown zum Trotz funky Disco-Nummern und Sommer-Vibes hingibt. Hört sich banal und für eine getriebene Rock-Seele wie die von Sänger und Gitarrist Yannis Philippakis abwegig an, aber die mittlerweile als Trio agierende Band huldigt einfach die Zusammenkunft und die daraus resultierende gute Laune nach all dem Stillstand. Und hey – das steckt dann auch direkt an!

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2. Poliça – Madness (VÖ: 03.06.22)

Wahnsinn beschreibt es ganz gut, was in den letzten beiden Pandemie-Jahren auf uns alle niederging – also ein sehr gut passender Titel für das neue Album der in Minneapolis ansässigen Band von Sängerin Channy Leaneagh, Produzent Ryan Olson, Bassist Chris Bierden und den Schlagzeugern Ben Ivascu und Drew Christopherson. Dabei wurde die Band für das Album um einen weiteren Baustein erweitert – das anthropomorphe Produktionswerkzeug „AllOvers(c)„, das von Olson und seinem Kollegen, dem Produzenten und Soundkünstler Seth Rosetter, entworfen wurde – erweitert. Klanglich bedeutet das nicht unbedingt eine größere Neuerung im Spektrum der Band, aber Stillstand auf hohem Niveau.

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3. Das Paradies – Transit

Gefühlt seit immer gehört Florian Sievers mal mit seinem Projekt Talking To Turtles, mal solo als Das Paradies zu diesen wenigen deutschen Songwritern, die uns geflissentlich, wie stetig aus der Seele zu singen wissen. So auch mit dem zweiten Paradies-Solowerks Transit, für das Sievers dieses Mal die Tür für Gäste weit öffnete: die Bläser sind arrangiert von Antonia Hausmann (Posaune), außerdem gespielt von Wencke Wollny (Bassclarinette), Damian Dalla Torre (Saxophon) und Sven Regener (Trompete). Doch trotz voller Kapelle, war dieses Mal das Studio das wichtigste Arbeitsinstrument: In seinem Atelier im Leipziger Westen produziert Sievers auch Film & Theatermusik, arbeitet für und mit anderen Bands und MusikerInnen an deren Musik. Hier spielte er die meisten Instrumente für Transit ein. Baute Collagen aus Geräuschen, Sounds und Glitches, um sie später wieder abzuschleifen. Das Paradies bleibt damit letztlich ein Ort, an dem alles passieren darf – und solche Orte brauchen wir gerade dringender denn je. Denn jetzt können wir uns wieder schön in den Songs und zwischen den Zeilen verlieren…hach…

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4. Bartees Strange – Farm to Table (VÖ: 17.06.22)

Das neue 4AD-Signing erspielt sich gerade in seiner US-amerikanischen Heimat im Vorprogramm von Phoebe Bridgers, Lucy Dacus, Courtney Barnett, Car Seat Headrest oder The National ein breites Publikum – parallel dazu erscheint sein Zweitwerk weltweit, bevor Bartees im Sommer auch hierzulande ausgiebig auf Tour gehen wird. Während sein Debütalbum sich als persönliche Landkarte der Orte, die den Musiker geprägt haben (Flagey Brussels, Mustang Oklahoma) darstellte, stehen dieses Mal die Personen im Fokus, die Bartees am nächsten stehen und seine Reise bis hier hin mit ihm bestritten haben. Gleichzeitig hinterfragt sich der aufstrebende Musiker darauf stetig, um nicht seine eigene Herkunft zu vergessen. Somit zelebriert er auf 10 Songs die eigene Vergangenheit, richtet sich gen verheißungsvolle Zukunft und genießt den Augenblick. Wandelbarer Indie-Rock, der immer wieder im Sound schwankt und dabei nie an Eindringlichkeit verliert!

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5. Angel Olsen – Big Time (VÖ: 03.06.22)

Die letzten Jahre waren für Angel Olsen geprägt von tiefen persönlichen Einschnitten, die genug Vorlagen für neue Songs lieferten, denn das neue Album der US-Amerikanerin entstand mit einem Peitschenhieb in den seltenen, fruchtbaren Momenten, in denen sowohl frische Trauer als auch frische Liebe gleichzeitig auftreten, in denen sich Kummer und Verliebtheit gegenseitig verstärken, verkomplizieren und erklären. Es ist ein Album über die expansive Kraft der neuen Liebe, geschrieben in der Zeit, als Olsen sich als queer outete und ihre ersten Erfahrungen mit queerer Liebe und Herzschmerz machte. Aber dieser Glanz und Optimismus wird durch ein tiefes und vielschichtiges Gefühl von Verlust gemildert. Denn beide Elternteile von Olsen starben innerhalb weniger Wochen, kurz nachdem sie sich ihnen gegenüber geoutet hatte. Musikalisch fängt sich das Album irgendwo im Country, Americana, Folk – was bei all den aufbrausenden Gefühlen sowohl der Songwriterin, als auch dem Hörer Halt bietet.

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Newcomer:

1. Horsegirl – Versions of Modern Performance (VÖ: 03.06.22)

Matador Records hat es wieder getan und eine blutjunge Indie-Band aufgetan, die angestaubt wirkenden Indie-Rock-Sounds eine ordentliche Frischzellenkur verpassen. Beim kürzlich zu Ende gegangen SXSW-Festival waren Horsegirl das Stadtgespräch und die Band des Festivals – nun kehren die besten Freunde mit ihrem Debüt wieder, um zu bleiben! Man kann in ihrer Musik Elemente der Independent-Musik der 80er und 90er Jahre hören, die Sounds die Horsegirl so sehr lieben – die schraddelige Melodik dessen, was man früher „College-Rock“ nannte, den kühlen und sprudelnden Space-Age-Glanz der 90er-Jahre, das laute Dröhnen von Shoegaze, die sparsamen Hooks und Rhythmen von Post-Punk. Sogar ein bisschen No-Wave ist mit dabei. Horsegirl vermischen die Einflüsse zu einem Sound einer neuen Generation, für die die 90er-Jahre Lichtjahre entfernt zurückliegen und gleichzeitig doch so nah sind.

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2. Spacey Jane – Here Comes Everybody (VÖ: 24.06.22)

Neben der Indie-Hochburg UK, hat sich Down Under in den letzten Jahren stetig zum Export-Schlager für mitreißenden, wie melodischen Indie-Pop entwickelt – und dem steht auch die vierköpfige Band Spacey Jane in Nichts nach, die am 24. Juni ihr neues Album präsentiert. Der Name stammt vom Arbeitstitel des beliebten Wilco-Albums Yankee Hotel Foxtrot und Jeff Tweedy himself gab der Band sein Einverständnis, die Phrase zu übernehmen. Frontmann Harper sagt: “I want this album to be for youth persevering and thriving emotionally under the weight of our generational burden” und nennt COVID und den Klimawandel damit als zwei Dinge, die die junge Generation zurückhalten. Here Comes Everybody klingt und fühlt sich dabei an wie ein Album, auf dem wirklich gelebt wurde. Ob beim beschwingten Indie-Pop der Single Lunchtime, der bewegenden Ballade It’s Been A Long Day oder dem atmosphärischen Not What You Paid For – jede Note ist durchdrungen von hart erkämpfter Weisheit, die nun an eine neue Generation weitergegeben wird. “You shouldn’t have to pretend that you’re in control or have it figured out when you’re 18”, sagt Caleb über Bothers Me, ein Höhepunkt des Albums, in dem es um das Ende der Schulzeit geht und  die Realisation, dass dein ganzes Leben noch vor dir liegt. “Anyone who says otherwise can get fucked.”

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3. Σtella – Up And Away (VÖ: 17.06.22)

Das US-amerikanische Qualitätssiegel Sub Pop hat mit ΣTELLA (nur echt mit dem griechischen Sigma) im Juni eine spannende griechische Künstlerin im Repertoire – ihr Label-Debüt Up And Away entstand in enger Zusammenarbeit mit dem britischen Produzenten Redinho in Athen und in London und bietet das Beste aus beiden Welten („an elegant and sophisticated union of vintage Greek music and sleek modern pop“). Ganz an den griechischen Philosophen Heraklit angelehnt, steigt ΣTELLA auf ihrer neuen musikalischen Reise niemals zweimal in denselben Fluss und klingt von Song zu Song anders, dabei aber immer hypnotisch, mit Reminiszenzen an ihre Heimat, an Chillwave und Versatzstücke weiterer Genres, die der Songschreiberin, Musikerin und Malerin alle ausgezeichnet auf den musikalischen Leib geschneidert erscheinen.

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Wiederkehrer: Seabear – In Another Life (VÖ: 01.04.22)

Manche Dinge brauchen eben etwas länger – wie das neue Album der isländischen Songwriter-Supergroup Seabear, das nach 12-jähriger Abstinenz in Form von In Another Life Anfang April via Morr Music erschienen ist! Was nicht heißt, dass man nicht anderweitig kreativ tätig war. „We had all focussed on other projects“, erklärt Kjartan Bragi. „Solo careers, playing with other projects, other forms of art, working ’normal‘ jobs to make a living etc. It’s nice to finally come together again with old friends and make music.“ So hat Sóley Stefánsdóttir (aka Sóley) mittlerweile eine lange, vier Alben starke Solo-Karriere, Sindri Már Sigfússon war als Sin Fang durchgängig umtriebig und Guðbjörg Hlín Guðmundsdóttir arbeitete mit Sigur Rós zusammen. „We stayed in touch all along“, sagt Sindri. „During dinners etc. one question came up again and again: What would Seabear sound like today? After accomplishing so much together, we were indeed thinking a lot about the past, how it all began. This is what sparked the reunion and is also reflected in the lyrics, resurrecting our youth, hopes and dreams.“ Der Spaß gipfelt nun in 11 neuen Songs, die wirken als hätte es die vergangenen 12 Jahre ohne Seabear nie gegeben, so voller Energie, klanglicher Tiefe und verspielten Kompositionen erwischen die Isländer den geneigten Hörer.

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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