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Veröffentlicht am 26.05.2022 | von Robert Heitmann

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STARS – From Capelton Hill


Foto-© Gaelle Leroyer

What I wouldn’t do for you
What we couldn’t get through
You’re beautiful when you cry
And what you might have done to me
We never let each other off easy
But we don’t do goodbyes

(Stars – Patterns)

Gemeinsam verbrachte Zeit schweißt zusammen – vor allem, wenn diese sich über Jahre oder gar Dekaden spannt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Mitglieder der Montrealer Indieband Stars nach 20 Jahren Bestehen auf ihrem neunten Album From Capelton Hill verbundener denn je fühlen, wenn hier die große Frage um die nicht auszuhaltende Vergänglichkeit gestellt wird. Das als Albumtitel gewählte Capelton Hill – eine Ortschaft in den sanften grünen Ausläufern von North Hatley in Quebec – spiegelt mit Verbindungen zu den Bandmitgliedern diese Gedanken um Veränderung und Vergangenheit wider. In diesem irgendwie aus der Zeit gefallenen Ort baute bereits der Großvater von Sänger Torquil Campbell Häuser – für den Musiker somit eine Erinnerung an einen Ort, der irgendwie dauerhaft zu sein scheint, aber wie alles im Leben nun mal nicht ist. Das Gefühl der Vergänglichkeit webt sich somit als roter Faden aus der physischen Welt in die zwölf Songs der neuen Platte.

Mit dieser Erkenntnis macht es nur Sinn, dass die Leadsingle Pretenders wie ein Liebesbrief von Sängerin Amy Millan an Campbell mit Erinnerungen an die Ursprünge der Band als leichter Balsam und romantische Hoffnung dienen soll. Federleichte Synthies und luftige Gitarrenmelodien tragen hier bittersüße Textzeilen wie “I was the girl, you were the one / We were certain it would go on”. In gewohnter Stars-Manier funkeln wundervolle Indie-Pop-Arrangements, während der typische Dialog der Gesangsparts von Millan und Campbell den Stücken oft wertvolle unterschiedliche Blickwinkel ermöglicht. Auch für den ebenfalls als Single gewählten akustisch instrumentierten Track Snowy Owl tauschen die beiden Strophen aus, während vergeblich versucht wird, an etwas festzuhalten, was wie Sand zwischen den Fingern rennt – “All of the dreams, all in the past /Every long night that we thought last forever / I know they’re really gone”. Nur menschlich wird die helfende, wohl vertraute Hand gesucht, um den Glauben zu stärken, dass gemeinsam jede Zeit überstanden werden kann. Die Lieder gehen direkt ins Herz – mal beschwingt und poppig (Patterns), mal vom ersten Takt an melancholisch mit schweren Klavierakkorden (That Girl) oder fast schon hymnisch, tanzbar und mit einem Funken Hoffnung (Build A Fire).

Auf From Capelton Hill finden Stars Wahrheiten in der Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit. Ganz wunderbar ist es, wie diese Erkenntnisse uns Hörer*innen in Form ausgeschmückter Indie-Pop-Perlen zugänglich gemacht werden – jeder Hördurchlauf ist hier wie eine Achterbahnfahrt in eigene vergängliche Gefühlswelten.

Stars – From Capelton Hill
VÖ: 27. Mai 2022, Last Gang Records
www.youarestars.com
www.facebook.com/starsstars

Stars Tour:
17.02.23 Hamburg, Knust
18.02.23 Berlin, Lido

YouTube video

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