
Foto-© Tom Otte
Starring at your face
It’s a trace lost
Somewhere in the timeline
Looking for a sign
But nobody in sight
I climb the highest spot
Of the city in my sleep
When everything goes quiet
I still can hear you speak
To me in my dreams
But I don’t want to talk
Because I know I’m
Stuck here with a version of you
That’s no longer real
There might come a day
When I shall seek you again
But for now I say goodbye
My imaginary friend
(Sophia Kennedy – Imaginary Friend)
Eine Stimme wie ein Naturereignis. Kraftvoll, raumgreifend, beherrschend. Für den Gesang von Sophia Kennedy gibt es im Englischen tatsächlich eine schöne Beschreibung, die das alles gleichsam zusammenfasst: „a commanding voice“, so heißt es in Reviews, wenn jemand so selbstverständlich selbstbewusst performt wie diese der vor fast 36 Jahren in Baltimore/USA geborenen Künstlerin. Da kommt es auf das musikalische Ambiente, die Arrangements, die Produktion und die Songs an sich fast gar nicht mehr an, weil die Vocals von Sophia Kennedy schon mal eine Klasse für sich sind.
Das ist auch auf Squeeze Me, ihrem dritten – und wohl wieder mal besten – Studioalbum, nicht anders. Man darf wohl sagen, dass die in Berlin und Hamburg lebende Amerikanerin längst eine der herausragenden Sängerinnen der deutschen Pop-Szene ist, durchaus vergleichbar mit einer Grace Jones oder einer Janelle Monáe. Umso besser natürlich, wenn die Musik dazu ebenfalls klasse ist.
Erneut bastelt Kennedy zusammen mit ihrem Langzeit-Kreativpartner Mense Reents an einem tanzbaren Electropop-Sound für Leute, die ihr Hirn nicht an der Disco-Garderobe abgeben. Der Opener Nose For A Mountain (mit schaurig-schönen Psycho-Soundeffekten), das enorm basslastig groovende Imaginary Friend, das mit Reggae-Elementen jonglierende Drive The Lorry (hier passt der Grace-Jones-Vergleich am besten), das dunkle, geheimnisvolle Runner – gleich zu Beginn sind das vier Pop-Kracher, die jeden Indie-Dancefloor anzünden dürften.
Auf Rodeo stellt Kennedy ihre vokale Flexibilität mit einer höheren, tirillierenden Stimmlage unter Beweis, während es darunter herrlich funky blubbert. Aber auch für experimentelle, gar cineastische Klänge findet sich Platz auf Squeeze Me, etwa mit dem wunderbar verspielten, psychedelisch gegen den Strich gebürsteten Feed Me (für Kennedy „das Herzstück des Albums“), der zarten Klavierballade Oakwood 21 oder dem zweiminütigen Upstairs Cabaret in der ruhigeren zweiten Albumhälfte.
Besonders gelungen ist dann Closing Time, das vielleicht nicht ganz zufällig so heißt wie die barjazzige Debütplatte von Tom Waits anno 1973. Im motorisch treibenden Abschluss-Track Hot Match, der Krautrock mit einem coolen Piano-Riff verbindet, übernehmen Sophia Kennedys tiefergelegte Powerhouse-Vocals dann wieder so richtig das Kommando. Also immer wieder: eine Wahnsinnsstimme, so charismatisch wie dominant. Nach dem überragenden selbstbetitelten Debüt von 2017 und dem ähnlich starken Nachfolger Monsters von 2021 schon der dritte Volltreffer dieses außergewöhnlichen Talents hintereinander.

Sophia Kennedy – Squeeze Me
VÖ: 23. Mai 2025, City Slang
www.sophiakennedy.com
www.facebook.com/sophiakennedyofficial
Sophia Kennedy Tour:
08.10.25 Köln, Bumann & Sohn
09.10.25 Offenbach, Hafen 2
10.10.25 Stuttgart, Merlin
13.10.25 München, Kranhalle
15.10.25 Dresden, Tonne
16.10.25 Leipzig, Conne Island
19.10.25 Berlin, Lido
25.10.25 Hamburg, Knust

