THE LIFE OF CHUCK – Filmkritik


Foto-© Tobis Film

In this moment, I am wonderful.

(Chuck – The Life of Chuck)

Eine eindrucksvolle Reise durch das Leben des ganz gewöhnlichen Charles Krantz, Chuck (Tom Hiddleston), für seine Freunde, in drei Kapiteln.

Und nicht wenige bzw. die meisten, die das Buch nicht gelesen haben, werden sich im Film zunächst fragen, ob sie nicht vielleicht doch in den falschen Saal gegangen sind. Weit und breit kein Tom Hiddleston zu sehen und anstatt dem im Trailer und den Stimmen der Presse versprochenen Wohlfühlkino, eine Welt, die absolut am Abgrund steht. Eine Naturkatastrophe nach der anderen überzieht das Land; nein, die ganze Welt und es steht die offensichtliche Frage im Raum, ob dies das Ende aller Tage ist. Einzig ein mysteriöses Plakat auf dem Freeway, mit Tom Hiddleston darauf und der Botschaft „Thank you for 39 great years!“ erinnert an den Trailer. Wie das alles zusammenhängt, wird im Film sehr schön aufgearbeitet und ist das Herzstück eines ohnehin sehr herzerwärmenden Films. Nur so viel sei verraten, die drei Kapitel erzählen tatsächlich Chucks Geschichte, nur nicht chronologisch und ein wenig indirekt.

Ihr seid nicht im falschen Film, es ist absolut kein Horrorfilm, es ist eben nur so, dass sowohl Autor als auch Regisseur das Genre so gut verstehen, dass dieser Aspekt des Films fast zu sehr überzeugt. Beginnen wir mit dem (Drehbuch-) Autor und Regisseur Mike Flanagan, welcher kein unbeschriebenes Blatt was Stephen King-Verfilmungen angeht, denn sowohl Dr. Sleep (2019), das Sequel zu The Shining (1980) als auch Gerald’s Game (2017) gehen auf sein Konto. Dass er sich darüber hinaus im Horror-Genre auf den großen und kleinen Bildschirmen auskennt, wird wohl kaum jemandem entgangen sein. Stammen doch sowohl die Netflix-Erfolgsserien wie The Fall of the House of Usher (2023) oder The Haunting of Hill House (2018) als auch Kinoproduktionen wie Oculus (2013) oder das überraschend gute Ouija (2014)-Prequel Ouija: Origins of Evil (2016) von ihm. Tatsächlich findet sich kein Nichthorror-Film in seiner bisherigen Filmografie, aber genau das ist Life of Chuck (2025) wie eingangs erwähnt.

Und was würde sich mehr eignen für den ersten Nichthorror-Film eines Horrorfilm-Regisseurs als ein Nichthorror-Buch von Autor Stephen King, der ebenfalls hauptsächlich für seine Horror-Werke wie The Stand, Es oder Friedhof der Kuscheltiere bekannt ist? Die Antwort lautet und dem werdet ich nach knapp zwei Stunden Laufzeit zustimmen: The Life of Chuck. Die Geschichte von Chuck ist dabei nicht mehr und nicht weniger als die eines ganz normalen Menschen und genau deshalb so universell und wundervoll. Wobei er vielleicht ein paar mehr Schicksalsschläge einstecken muss als die meisten. Dass der Film dennoch eine glaubwürde Explosion von Optimismus und Lebensbejahung auslöst, macht ihn dabei nur umso wertvoller. Der Erfolg liegt dabei neben der cleveren Inszenierung auch an der überzeugenden Cast. Flanagan hat dabei wieder ein paar Schauspieler seines Ensembles dabei. So gibt es unter anderem ein Wiedersehen mit Mark Hamill und Carl Lumbley (beide spielten in The Fall of the House of Usher mit, letzterer davor in Dr. Sleep) sowie Karen Gillan aus Oculus, die alle abermals überzeugen. Ein wenig unfair, aber völlig verständlich, ist der Fokus im Marketing auf Tom Hiddleston. Auch wenn dieser in der Mitte des Films mit einer Tanzszene beeindruckt, die in die Filmgeschichte eingehen wird, nicht weil so technisch perfekt dargeboten oder bombastisch inszeniert ist (der Preis geht dieses Jahr an Sinners von Ryan Coogler), sondern weil sie so unglaublich ehrliche Freude versprüht. Hiddleston teilt sich die Rolle des Chuck mit 2,5 weiteren Darstellern. Jacob Tremblay (ebenfalls aus dem Flanagan Film Before I Wake (2016)) spielt den jugendlichen Chuck, Benjamin Pajak den jungen Chuck und in einer Szene spielt auch noch Mike Flanagans Sohn Cody den mini Chuck. Alle der Schauspieler werden euch dabei gleichermaßen zu Tränen rühren.

Am Ende ist vieles an dem Film außergewöhnlich, nicht zuletzt, dass ausgerechnet aus einer Kurzgeschichte aus der Geschichtensammlung If it Bleeds ein so gigantischer Film entstanden ist. Wobei eigentlich nicht viel erzählt wird, sondern „nur“ ein ganz normales Leben. Das ist aber nun einmal auch so ziemlich das größte und feiernswerteste, was wir Menschen haben. Danke Mike und danke Stephen für 111 wunderbare Minuten.

The Life of Chuck (USA 2024)
Regie: Mike Flanagan
Darsteller: Tom Hiddleston, Jacob Tremblay, Benjamin Paja, Cody Flanagan, Chiwetel Ejifor, Karen Gillian, Mia Sara, Carl Lumbly, Mark Hamill, David Dastmalchian, Violet McGraw
Kinostart: 24. Juli 2025, TOBIS Film

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Malte Triesch

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.

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