HAND HABITS – Blue Reminder


Foto-© Jacob Boll

I used to see you running from the wheel of change
Can’t you see you’re running in place?
Before the sentence begins
I read the words on your lips
“You can’t just sit around here acting like you’re used to it.“
„You can’t just show up out of nowhere, as if you’re so innocent.”
So innocent

Don’t take it away just yet
I need it now, more than ever
Always throwing it all to the wind
But I need you now more than ever
I need you now

(Hand Habits – Wheel Of Change)

Irgendwie hatte man Meg Duffy ja schon ziemlich lange auf dem Zettel. Live-Auftritte mit sehr prägnanter E-Gitarre neben Kevin Morby und Perfume Genius, herausragende Studioarbeit für Weyes Blood und The War On Drugs, weitere Kollaborationen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) mit William Tyler, Flock Of Dimes, Hurray For The Riff Raff und Christian Lee Hutson: Duffy (definiert sich übrigens als non-binär, was in diesem Text selbstverständlich berücksichtigt wird) war in den vergangenen zehn Jahren richtig gut im Sidekick-Geschäft.

Die Solokarriere unter dem Moniker Hand Habits blieb hingegen unter dem Radar der Indie-Szene hängen. Das könnte, nein sollte, nein muss sich mit Blue Reminder nun ändern, denn diese Platte ist ganz eindeutig ein kraftvoller, emotionaler und kreativer Ausbruch aus dem Halbschatten des US-Alternative- und Gitarrenrock. Man muss Meg Duffy nach dem herausragenden vierten Soloalbum definitiv zur ersten Singer-Songwriter-Liga zählen – auf Augenhöhe mit Sharon Van Etten, Michelle Zauner (Japanese Breakfast) oder Tamara Lindeman (The Weather Station). Auch wird man dieses Jahr wohl kaum schönere, erhabenere Gitarren-Sounds/Soli zu hören bekommen als auf diesem Hand-Habits-Meisterstück.

„The twelve songs on Blue Reminder walk a kind of emotional tightrope between hope and a kind of quiet anxiety, the record itself batting around the question of what one does when happiness actually comes knocking“, heißt es auf Duffys Bandcamp-Seite. „At the core of these songs the genuine joy of love and self-actualization are always balanced against the potential fear of losing those things once you’ve found them.“ Vorsichtiges Glücksempfinden und echte Freude über die Liebe, abgewogen gegen die Angst, all das wieder zu verlieren – Hand Habits (längst ein vollwertiges, von Joseph Lorge opulenter als früher produziertes Bandprojekt) überwinden den eher introvertierten Charakter vorheriger Alben, und diese Annäherung an den Pop klingt verdammt überzeugend.

Fuzz-Gitarren und wuchtige Drums (Wheel Of Change), teils jazzige, funky Keys (Nubble, Beauty 62), gelegentlich auch Blasinstrumente (Jasmine Blossoms, Forgiveness) polstern die zwölf Lieder aus. Alles klingt ein bis zwei Nummern größer als auf Duffys älteren Alben vom Debüt Wildly Idle (Humble Before the Void) (2017) bis Fun House (2022). Und mit Dead Rat haben Hand Habits eine große, berührende Ballade im Angebot, die selbst eine Aimee Mann (für mich immerhin die wichtigste Singer-Songwriterin der Post-Grunge-Ära) oder Natalie Mering (Weyes Blood) neidisch machen könnte. Ganz, ganz stark – willkommen im Club der Besten, Meg!

Hand Habits – Blue Reminder
VÖ: 22. August 2025, Fat Possum
www.handhabits.band
www.facebook.com/HandHabits

YouTube Video

Werner Herpell

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