NIGHT MOVES – Double Life

You can ring my bell, honey, anything you need?
You can ring my bell, honey, anything you need?
You can ring my bell
You can ring my bell

Sunday morning goes and calls your bluff
Choosing wisely, well, I know you’re picking up
What to do, what to do, what to do, when the
Hard times, they’ve been following you

(Night Moves – Ring My Bell)

Der Bandname birgt schon mal ein Google-Problem: Wer in der weltgrößten Suchmaschine „Night Moves“ eingibt, wird sofort zu einem Riesenhit des in den 70er/80ern hochpopulären, seit kurzem runde 80 Jahre alten US-Stadionrocksängers Bob Seger geleitet. Nicht so praktisch für die Band aus Minneapolis – oder vielleicht doch kein blöder Zufall? Denn laut Indiepop-Bibel Pitchfork ist die Musik von Night Moves „drawn in equal measures from Gram Parsons and Bob Seger’s heartland soul“. Oha. Prüfen wir das anhand des neuen, bereits vierten Albums Double Life mal nach.

Eingängig wie ein cheesy 80er-Jahre-Ohrwurm ist bereits der Opener Trying To Steal A Smile. Fette Synthie-Schwaden durchziehen den Song, während Sänger John Pelant sein Bestes gibt, um in unterschiedlichen Stimmlagen möglichst viele Emotionen freizulegen. Daytona legt anschließend einen stoischen Drum-Beat und seufzende Gitarren zugrunde für ein seifiges Heartland-Rock-Revival, das bei der Qualitätskontrolle von The War On Drugs ganz sicher durch den Rost gefallen wäre (ähnlich später This Time Tomorrow). Hold On To Tonight weckt gar schlimme Erinnerungen an Middle-of-the Road-Scheußlichkeiten von REO „Can’t Fight This Feeling“ Speedwagon – da kann auch eine Mundharmonika im Springsteen-Stil nichts mehr retten.

Also ja, die Eighties sind ein Thema für Night Moves – nur leider nicht die gut gealterten Sounds dieses ohnehin (vorsichtig formuliert) nicht immer geschmackssicheren Pop-Jahrzehnts. Weniger klischeehaft als in den drei ersten Tracks wird es auch danach eher nicht. Almost Perfect ist eine textlich unterkomplexe „Hymne“, auf die ein Retorten-Projekt wie das britische Pop-Duo Climie Fisher wohl stolz gewesen wäre. Für State Sponsored Psychosis wechselt Pelant vom gepressten Heldentenor ins Falsett – was die Sache kaum schöner macht. Und Ring My Bell strotz nur so vor Plattitüden (siehe Textauszug weiter oben) und gebrauchten Melodieversatzstücken, vorzugsweise aus den bei Night Moves stets heiß laufenden Keyboards generiert.

So unwirsch könnte es „track by track“ weitergehen in dieser Review, denn Double Life bleibt bis zum passend betitelten Closer Desperation auf niedrigem Retro-Poprock-Niveau hängen, mit einem notorisch knödelnden, krähenden oder fistelnden Möchtegern-Crooner als Frontmann. Das „electrified Minneapolis psych-country trio Night Moves“ (so Pitchfork vor 13 Jahren beim Debüt Coloured Emotions) ist nun zumindest diesem Reviewer ebenso suspekt wie die rustikale AOR-Musik von Bob Seger (der übrigens gerade, was für ein Witz, wegen seiner patriotischen Grundhaltung von Trump-Amerikanern höher geschätzt wird als die linksliberale Ikone Bruce „Boss“ Springsteen).

Double Life ist (vermutlich) ein Versuch, den Ami-Mainstream-Rock der Achtziger zu würdigen oder zu rehabilitieren. Aber – sorry, Night Moves – kein gelungener.

Night Moves – Double Life
VÖ: 25. Juli 2025, Domino Records
www.nightmovesmpls.com
www.facebook.com/NightMovesMPLS

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Werner Herpell

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