BIG THIEF – Double Infinity


Foto-© Genesis Baez

How could I have known
In that moment
What we’d turn into?
I was alone in that moment
When I first met you

(Big Thief – How Could I Have Known)

Mit Double Infinity schlagen Big Thief ein neues Kapitel auf – eines, das die Band noch enger zusammenschnürt und zugleich radikal öffnet. Drei Wochen lang arbeitete die Gruppe in der Power Station in Manhattan, im Austausch mit einer kleinen Community von Musiker*innen, die das Fundament für dieses Album legte. Schon der Auftakt mit Incomprehensible zeigt, wohin die Reise geht: sphärisch eröffnen Windspiel-Klänge, ehe ein direkter Gitarren- und Drum-Hook einsetzt. Adrianne Lenkers Stimme steigt unvermittelt ein, packend und nah, mit einem epischen Zug, der an die hymnischen Momente von U2 erinnert.

Words verleiht dem Album eine fast nostalgische Note: Akustikgitarren, sanfte Echos und beschwingte Emotionen, die sich zum Refrain hin kraftvoll aufbauen. Wenn Lenker singt “Words don’t make sense“, liegt darin sowohl Resignation als auch Befreiung. Ein zitterndes E-Gitarrensolo verstärkt den Eindruck, dass Sprachlosigkeit manchmal ausdrucksstärker sein kann als jedes Wort.

Der Titeltrack Double Infinity rückt ins Zentrum des Albums: melancholisch, klagend, aber auch tröstlich. Die Fragen nach dem, was war und was hätte sein können, werden von strummenden Gitarren, Bass und einem holprig-schwebenden Schlagzeug begleitet. Es ist einer jener Songs, die sofort ins Herz treffen und lange nachhallen. No Fear markiert den experimentellen Kern der Platte: ein fast siebenminütiges Intermezzo, das zunächst instrumental bleibt, angetrieben von einem verspielten Basslauf und schimmernden Gitarrenschichten. Erst nach knapp zwei Minuten setzt der Gesang ein – als würde die Band uns zunächst in einen tranceartigen Zustand führen, bevor sie uns wieder erdet.

Das Finale How Could I Have Known schließlich klingt nach Sehnsucht, Hoffnung und der Wärme von Fleetwood Mac. Folkige und countryeske Instrumentierung rahmen Lenkers intime Stimme, die mit einer einfachen Frage alles bündelt: “How could I have known / What we’d turn into?“ Es ist ein Song, der das Album sanft beschließt, ohne seine Intensität zu mindern.

Double Infinity zeigt Big Thief als Band, die ihr kollektives Songwriting weiter verfeinert und gleichzeitig mutig Räume für Improvisation, Gemeinschaft und neue Klangfarben öffnet. Das Ergebnis ist ein Album, das zwischen Intimität und Größe balanciert, zwischen persönlicher Verletzlichkeit und hymnischer Kraft. Ein Werk voller Fragen, voller Schönheit – und ein weiteres starkes Statement einer Band, die längst zu den wichtigsten ihrer Generation gehört.

Big Thief – Double Infinity
VÖ: 5. September 2025, 4AD
www.bigthief.net
www.facebook.com/bigthiefmusic

Big Thief Tour:
13.04.26 Berlin, Columbiahalle
14.04.26 Köln, E-Werk
15.06.26 München, TonHalle
16.06.26 Hamburg, Grosse Freiheit 36

YouTube Video

Robert Heitmann

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