
Foto-© Sony Pictures Germany
So what happens to me?
(Hank Thompson – Caught Stealing)
Hank Thompson (Austin Butler) schlägt sich auf der schäbigen Seite New Yorks in den 90er mehr schlecht als recht als Barkeeper durch, als er durch seinen britischen und punkigen Nachbarn Russ (Matt Smith) und dessen Katze Bud (Tonic, bekannt als Church in Pet Semetary (2019)) in den Sumpf des Verbrechens der Stadt gezogen wird.
Obgleich es im Marketing so aussieht, ist Caught Stealing weder eine Matt Smith-Show noch ein ausuferndes, die Stadt umspannendes Gang-Drama. Der Grund dafür ist, dass es primär nicht um Russ, sondern Austin Butlers Hank geht und dieser ein wenig wie der Dude in The Big Lebowski (1998) durch die Handlung schlittert. Wobei er gleichermaßen wesentlich freundlicher und hilfsbereiter im Ansatz aber leider ebenso unerfolgreich und schlicht unglücklicher im Ergebnis ist. Im Laufe der knapp zwei Stunden Laufzeit bleibt Hank auch kein eindimensionaler, gutmütiger Verlierer, sondern gewinnt deutlich an Tiefe. Bis auf seine Figur bzw. das Drama dahinter ist der Film zwar hart, aber eben auch leicht comichaft überzeichnet und bei aller Härte eher humorvoll. Das fühlt sich ein wenig nach den Coen-Brüdern an und hat auch in den dann doch ernsteren und durchaus harten Szenen ebenfalls eine ähnliche Fallhöhe wie z.B. No Country for Old Man (2007) von dem Ausnahme-Regieduo.
Somit ist das aktuelle Werk von Regisseur Darren Aronofsky zwar kein reines Drama wie zuletzt The Whale (2022), aber auch ein gutes Stück weg von einem Guy Ritchie Actionfilm, nach dem sich Caught Stealing in den Trailern durchaus angefühlt hat. Ebenfalls anders als bei Ritchie hat der Film mit Zoé Kravitzs Yvonne auch noch einen nennenswerten weiblichen Charakter zu bieten. Hanks On/Off-Beziehung ist die einzige positive Kraft in seinem Leben und bringt neben Show-Werten auch noch ein wenig Menschlichkeit in den Film. Heimlicher Star für so manche wird „Bud the Cat“, gespielt von der Katze Tonic, sein, die dann auch noch die eine oder andere Szene stiehlt. Obgleich es durchaus Drama gibt, fehlt ein wenig der Tiefgang, sowohl auf menschlicher Ebene als auch bei der verworrenen Mafia-Geschichte. Ebenso gibt es zwar Action ohne, dass es ein richtiger Actionfilm wäre und Comedy und die relativ zentrale Romanze entfalten sich nicht völlig.
Wie das New York der 90er ist Caught Stealing (übrigens ein Terminus aus dem Baseball, den ich mal grob mit der Abseitsfalle vergleichen würde) ein Schmelztiegel verschiedenster Elemente. Die starke Inszenierung und die professionelle Cast heben die wilde Mischung dabei über den Durchschnitt und sorgen dafür, dass der Film nicht bricht sondern recht harmonisch genau die Summe seiner Teile ergibt. Von allem etwas, für jeden etwas und mit all seinen Elementen sehr gut zusammengeklaut.

Caught Stealing (USA 2025)
Regie: Darren Aronofsky
Darsteller: Austin Butler, Griffin Dunne, Dominique Silver, Action Bronson, Zoé Kravitz, Matt Smith, Tonic
Heimkino-VÖ: 27. November 2025, Sony Pictures Germany

