DER HOCHSTAPLER – ROOFMAN – Filmkritik


Foto-© LEONINE

I’m not a bad guy.

(Jeffrey Manchester – Der Hochstapler – Roofman)

Der Hochstapler – Roofman ist die wahre Geschichte des US Army-Veteranen Jeffrey Manchester (Channing Tatum), welcher wie so viele nach der Rückkehr aus dem Krieg einfach nicht zurück ins Leben finden kann. Er hat jedoch eine Gabe von der Front mitgebracht, die Gabe Abläufe und Personen zu beobachten und zu analysieren. Um seiner kleinen Tochter Spielzeug und generell ein angenehmes Leben bieten zu können, nutzt er dieses Skillset um über deren Dächer in unzählige McDonalds-Filialen einzubrechen – daher auch der Titel. Nachdem er gefasst und eingesperrt wird, nutzt er das selbe Skillset, um unspektakulär auszubrechen und taucht fortan in einem Toys „R“ Us unter.

Und dort entdeckt er nicht nur sein inneres Kind, sondern auch aus der Ferne die Liebe (zu der Angestellten Leigh Wainscott, gespielt von Kirsten Dunst) und Hass (zu dem Filialleiter Mitch, gespielt von Peter Dinklage). Es ist mal wieder eine dieser Geschichten, die zu unglaubwürdig für ein Drehbuch wären, wenn sie nicht auf realen Ereignissen beruhen würden. Das geht soweit, dass der Cast in engem Austausch mit allen involvierten Personen war und der LKW-Fahrer des Gefängnisses sogar sich selbst in dem Film spielt.

So absurd die Geschichte zunächst klingt, so ernst wird sie jedoch erzählt. Obgleich das Poster anderes verheißt, hier gibt es wenig Action und auch nicht viel zu lachen. Auf der Habenseite wird damit eine unglaubliche Geschichte sehr nahbar erzählt, denn zu kaum einem Zeitpunkt wirken die Figuren oder ihr Handeln überzeichnet. Die größte Bruchstelle wird für die meisten Zuschauer die Hauptfigur sein und das hätte man auch nicht anders umsetzen können oder dürfen. Denn klar ist, Jeffrey Manchester ist ein verurteilter Verbrecher und längst nicht alles, was er verbrochen hat, lässt sich als Kavaliersdelikt oder gar opferloses Verbrechen abtun. Dennoch ist er der Protagonist und die Identifikationsfigur für uns Zuschauer und, machen wir uns nichts vor, Channing Tatum sieht sogar in seinen absurdesten Momenten noch gut aus und versprüht einfach eine Menge Charme. Die Frage, die natürlich offen bleibt, ist dabei zu welchem Grad die Macher Sympathie mit ihm erzeugen wollen oder nachvollziehbar machen möchten, warum die anderen Figuren der Geschichte Sympathie für ihn entwickeln. Dies ist jedoch, wie so oft, eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss, ebenso wie die Frage, ob man zwei Stunden mit Herrn Tatum in einem Toys „R“ Us verbringen möchte. Wenn das anfängliche Katz- und Maus-Spiel vorbei ist, dann zieht sich der Aufenthalt fiktiv, wie eben auch real, durchaus und die ein wenig an Big erinnernden Sequenzen im Spielzeugladen können die dezente Langeweile nicht komplett aufwiegen. Erwähnt werden müssen neben dem großen Kind auch noch Peter Dinklage und Kirsten Dunst. Letztere spielt eine Frau, die einfach ein bisschen Pech im Leben hatte und der man absolut einen Neuanfang und etwas mehr Glück im Leben gönnen möchte, ersterer einen leicht tyrannischen Narzissten. Anders gesagt, beide spielen absolut zu ihren Stärken und überzeugen wenig überraschend.

Weit entfernt von einem Weihnachtsfilm, bringt Roofman dennoch zwei auch in dieser Jahreszeit wichtige Botschaften mit, Materielles ist bei weitem nicht alles und gut gemeint, ist nicht gut gemacht. Wer Lust auf das skurrile Drama hat und Tatum und Dunst in schauspielerischer Hochform erleben will, kann diesen wohl letzten Toys „R“ Us Besuch durchaus wagen (seit 2018 sind auch die US-Filialen geschlossen, lediglich in Canada existieren noch einige wenige). Wie wenn man mit den Kleinen im Spielwarenladen ist, könnte es jedoch sein, dass man nach Hause möchte, wenn das Ganze noch eine weitere Stunde dauert.

Roofman (USA 2025)
Regie: Derek Cianfrance
Darsteller: Channing Tatum, Peter Dinklage, Kirsten Dunst
Kinostart: 27. November 2025, LEONINE

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Malte Triesch

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.

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