HATCHIE – Liquorice


Foto-© Bianca Edwards

I want you to wonder till the sky is red
I want you to hang on every word I said

(Hatchie – Wonder)

“And now your heart’s resigning, and you curse the timing…” – mit diesem Gefühl aus verpassten Chancen, Hoffnung und innerem Aufruhr eröffnet Hatchie ihre neue LP im ersten Track Anemoia. Das Album Liquorice, entstanden in Zusammenarbeit mit Produzentin Melina Duterte (Jay Som), zeigt Harriette Pilbeam so offen, ungeschliffen und eigenständig wie nie zuvor. Ein Werk, das die Süße, Salzigkeit und leichte Bitterkeit seiner titelgebenden Süßigkeit in Klang übersetzt – und dabei die Selbstfindung einer jungen Frau zwischen Sehnsucht, Lust und Reue nachzeichnet.

Der Einstieg gelingt also mit Anemoia, einem atmosphärischen Dreampop-Schweben aus Drum Machine, Synths und einem Gesang, der wie aus der Ferne getragen wirkt. Die Wiederholungen im Text kreisen um Gedanken an verpasste Momente und das Hoffen auf ein Wunder, das alles wieder richten könnte. Only One Laughing legt darüber eine leichte Shoegaze-Schicht, etwas heller, aber thematisch weiterhin im Spannungsfeld aus Erinnerungen, Bedeutungssuche und der Frage, wie Vergangenheit und Zukunft zusammenfinden.

Der Titeltrack Liquorice zieht die Fäden zusammen: hallige Gitarren, vorantreibende Drums und doch ein zurückgelehnter, warm vibrierender Vortrag. Inhaltlich dreht sich alles um jene flirrende Anfangsphase des Verliebtseins – die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Sage arbeitet mit einem Wechsel aus ruhigen und lauteren Passagen, getragen von tanzbaren Rhythmen. Glockenspiel-Details weben sich subtil durch den Bandsound aus Bass, Drums und Gitarren. Mit Wonder öffnet sich schließlich ein fast britpopartiger Raum: mehr Verzerrung, mehr Dringlichkeit, ein Stürmen nach vorn, das den späten 90ern einen modernen Dreh gibt.

Entstanden zwischen Brisbane und Melbourne, während einer Phase des Rückzugs und der Neuorientierung, trägt Liquorice die Spur eines Albums, das aus Stille, Beobachtung und Selbstverbindung erwachsen ist. Pilbeam akzeptierte ihre eigenen musikalischen Unsicherheiten als Stärke und gab den Songs bewusst Zeit zum Atmen. Mit Jay Som am Produktionspult, Stella Mozgawa (Warpaint) am Schlagzeug, Mix von Alex Farrar und Mastering von Greg Obis wurde ein Werk geformt, das mehr ist als die Summe seiner Zutaten: eine ehrliche, melodische und atmosphärisch fein schattierte Sammlung von Momenten, die zwischen Traum und Realität schimmern.

Hatchie – Liquorice
VÖ: 07. November 2025, Secretly Canadian
www.hatchie.net
www.facebook.com/hatchie

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Robert Heitmann

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