
Foto-© Sarah Doyle
I never understood what this way of living could do to me
All the mooching ‚round shops, and the lack of idеntity
So tryna be what he wasn’t born, all this pop star USA
I think we’rе gonna die trying, I wish we weren’t this way
(CMAT – Euro-Country)
Wenn CMAT im Herbst dieses Jahres Euro-Country veröffentlicht hat, dann ist das nicht bloß ein neues Album der aufstrebenden irischen Pop-Musikerin Ciara Mary-Alice Thompson, sondern eine Art Manifest: eine Mischung aus Country-Pop, Indie-Poesie und politischer Reflexion, die mit einer Leichtigkeit spielt, als hätte sie schon immer dazugehört. Die Sängerin und Songwriterin ist seit ihrem Durchbruch mit Hits wie I Wanna Be a Cowboy, Baby! vor ein paar Jahren dafür bekannt, große Themen mit Witz und Gefühl zu verbinden. Ihre Stimme liegt irgendwo zwischen klassischem Country-Soul und poppiger Direktheit, und sie hat sich mit ihren ersten beiden Alben schnell einen Namen gemacht: ihr Debüt zeigte schon ihre Fähigkeit, Selbstironie und Herzschmerz zu kombinieren, und Crazymad, for Me aus 2023 brachte ihr Nominierungen beim Mercury Prize, den Brit Awards und Co ein. Dieses dritte Werk Euro-Country fühlt sich an wie der Schritt von einer charismatischen Indie-Entdeckung zu einer echten Pop-Künstlerin, die einen kompletten, eigenständigen Kosmos aufgebaut hat und nun mit ihrem eigenem Sound unverfälscht gen Mainstream drängt.
Euro-Country ist dabei mehr als nur ein Titel – es ist ein Konzept. CMAT selbst hat erklärt, dass der Name dreierlei bedeutet: die Art von Country-Musik, die sie macht, die Tatsache, dass Irland ein europäisches Land mit dem Euro ist und eine kritische Auseinandersetzung mit modernen kapitalistischen Strukturen. Das Album arbeitet genau an dieser Schnittstelle zwischen persönlicher Geschichte und gesellschaftlicher Beobachtung, zwischen ehrlicher Verletzlichkeit und ironischem Augenzwinkern. Die Platte umfasst eine Auswahl von Songs, die tief in Themen wie Identität, Schmerz, Selbstliebe und Nationalgefühl eintauchen, aber stets mit einer unerschütterlichen Portion Humor und melodischer Raffinesse.
Schon der Titeltrack öffnet Euro-Country wie eine große Hymne: CMAT singt hier über die Veränderungen in Irlands wirtschaftlicher und sozialer Landschaft – den Aufstieg und Fall nach der Finanzkrise, die verlorene Identität und die Narben, die das alles bis heute sichtbar hinterlassen hat. Kritiker haben hervorgehoben, wie der Song zugleich tief melancholisch und doch eingängig poppig funktioniert, eine bittersüße Mischung aus politischer Reflexion und persönlicher Nostalgie. Danach öffnet das Album ein Panorama unterschiedlichster Stimmungen und Sounds, das sich vom Country-Pop über Indie-Rock-Einflüsse bis zu explizit ironischen Momenten spannt.
Ein Song wie When a Good Man Cries zeigt CMATs Fähigkeit, Gefühle und Geschichten zu verknüpfen: hier trifft ein traditioneller Country-Balladen-Touch auf introspektive Lyrics über Veränderung, Fehler und Selbstreflexion. Die Kombination aus fiddle-artigen Akzenten, warmen Harmonien und der ehrlichen Stimme macht den Song zu einem der emotionalen Ankerpunkte des Albums. Take a Sexy Picture of Me – eine der Singles, die es bis in die Charts geschafft hat, weil sie viral ging – zeigt wiederum eine ganz andere Facette: sie ist eine selbstbewusste, poppig-energiegeladene Auseinandersetzung mit Bodyshaming und Internet-Kritik, gesungen mit einer Mischung aus Trotz und Humor, die das Herz am richtigen Fleck hat. Und Songs wie The Jamie Oliver Petrol Station nehmen den Alltag in den Blick und verwandeln popkulturelle Beobachtungen in energetische Hooks, die gleichzeitig witzig und irgendwie tiefgründig sind, weil sie mehr über das Leben erzählen, als es auf den ersten Blick scheint.
Was an Euro-Country so begeistert, ist diese Balance zwischen großer Pop-Melodik und echter persönlicher Tiefe: CMAT kombiniert eingängige Melodien mit Themen, die vom Verlust über die wirtschaftliche Unsicherheit bis hin zum komplexen Verhältnis zur eigenen Heimat reichen. Und das alles ohne die Leichtigkeit zu verlieren, die ihre Musik so zugänglich und liebenswert macht, es ist sowohl tanzbar als auch zum Nachdenken anregend, witzig und doch verletzlich.
Letztlich fühlt sich Euro-Country an wie ein großes, offenes Gespräch zwischen CMAT und ihrem Publikum: sie nimmt einen mit von lauten Pop-Hooks zu Momenten stiller Reflexion und wieder zurück in die Bewegung, immer mit einem Augenzwinkern, aber immer mit Fingerspitzengefühl. Und genau das ist es, was diese Platte so besonders macht – sie trifft mitten ins Herz, ohne je belehrend zu wirken. Wenn du also Lust auf ein Album hast, das Country-Pop-Ästhetik mit europäischer Perspektive, klugen Texten und einem riesigen Schuss Persönlichkeit verbindet, dann ist Euro-Country genau dein Ding.

CMAT – Euro-Country
VÖ: 29. August 2025, AWAL
www.cmatbaby.com
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