SORRY, BABY – Filmkritik


Foto-© A24

I’m sorry that bad things are going to happen to you.

(Agnes – Sorry, Baby)

Sorry, Baby ist ein beeindruckend ehrlicher Film von Eva Victor, die das Werk geschrieben, inszeniert und die Hauptrolle verkörpert hat. Schonungslos und ungeschönt beleuchtet der Film Themen wie Trauma, Depression und sexualisierte Gewalt mit unverblümter Direktheit, die unter die Haut geht.

Der Film beginnt schleichend, entfaltet sich wie ein leises Beben und wächst langsam zu einem inneren Sturm heran. Agnes, unsere Protagonistin, strahlt einen Charakter aus, der mit berührender Echtheit und tiefgründiger Verletzlichkeit so nahbar und authentisch gezeichnet ist, dass man sich als ZuschauerIn unmittelbar mit ihr verbunden fühlt. Ihre inneren Kämpfe, Rückschläge und Momente zarter Hoffnung werden eindringlich und zutiefst menschlich dargestellt.

Sorry, Baby meistert die Balance zwischen Tragik und subtilem Humor. Agnes zeigt uns wie verletzlich und gleichzeitig widerstandsfähig der menschliche Geist sein kann. Kleine Rettungsanker: sei es eine gute Freundin, eine Katze oder eine simples Sandwich – bringen Hoffnung und Wärme im Dunkeln als Zeichen von Trost.

Der Film nimmt uns mit auf eine Reise ins Innere und den zögerlichen Versuch, nach dem Zerbrechen wieder zu fühlen, sich zu zeigen und dem Alltag zu begegnen. Besonders beeindruckend ist die ruhige Erzählweise, die viel Raum für stille Momente lässt, während die Welt um einen herum unaufhörlich weiterzieht und das Leben der anderen perfekt erscheint – sodass man das Gefühl bekommt, nicht mehr mithalten zu können oder gar nicht mehr dazuzugehören.

Die Darstellung der menschlicher Reaktionen auf Agnes‘ Trauma – häufig nüchtern, distanziert und mitunter entfremdend – verdeutlicht zudem eindrücklich die gesellschaftliche Herausforderung, mit Leid wirklich umzugehen. Sorry, Baby macht dabei deutlich, wie verletzlich wir dem Leben ausgeliefert sind und dass Heilung ein langer sehr individueller Prozess ist.

Die kraftvolle Ehrlichkeit des Films bleibt lange nach dem Abspann im Gedächtnis. Sorry, Baby ist kein leichter Film, doch genau das macht ihn so wichtig und bewegend. Ein mutiges Werk, das auf sensible Weise über einen oft tabuisierten Bereich erzählt und gleichzeitig Hoffnung schenkt – insbesondere durch eine Szene, in der Agnes einem Baby das sagt, was sie sich unterbewusst selbst gewünscht hat zu hören.

Im Kern hält uns die Story vor Augen, wie verletzlich und schutzlos wir dem Leben gegenüberstehen. Doch gerade in dieser Verletzlichkeit liegt die Kraft zur Heilung. Vor allem fordert der Film auf, mit mehr Verständnis und Mitgefühl auf die Menschen zuzugehen, die ihre eigenen oft unsichtbaren Kämpfe kämpfen. Denn nur durch echtes Zuhören und Offenheit können wir Raum schaffen, in dem Heilung wachsen kann.

Sorry, Baby (USA 2025)
Regie: Eva Victor
Darsteller: Eva Victor, Naomi Ackie, Lucas Hedges, Louis Cancelmi, Kelly McCormack, John Carroll Lynch
Kinostart: 18. Dezember 2025, DCM

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