
Foto-© Plaion Pictures
How can you tell she’s an alien?
(Don – Bugonia)
Die zwei jungen Männer Don (Aidan Delbis) und Teddy (Jesse Plimons) verlieren sich völlig in einem Verschwörungsmythos. Teddy glaubt, dass Aliens aus der Andromeda Galaxie unseren Planeten und somit die Menschheit auslöschen wollen und überzeugt Don, ihm zu helfen Michelle (Emma Stone), die einflussreiche CEO eines Pharmakonzerns, zu entführen. Der Grund liegt für ihn auf der Hand, sie ist ein getarntes Alien, welches in Kontakt zum Mutterschiff steht und soll ihnen so helfen den Genozid zu stoppen.
Selbst die meisten Puristen haben bei diesem Remake zweimal hingeschaut und ihm eine faire Chance gegeben. Denn auch wenn das koreanische Original „Save the Green Planet!“ von 2003 einen gewissen Kultstatus inne hat, wussten viele nicht einmal von seiner Existenz. Und überhaupt, jeder Film von Regisseur Yorgos Lanthimos (unter anderem Poor Things (2023) und The Favourite (2018)) ist mindestens einen Blick wert und wenn das Ganze dann auch noch von Ari Aster (bekannt u.a. als Regisseur von Hereditary (2018) und Midsommar (2019)) initiiert und produziert wird, dann wird die spezielle Nische von Arthouse/Genre-Fans langsam unruhig vor freudiger Erwartung. Der Regisseur des Originals Jang Joon-hwan war in der Anfangsphase der Entwicklung ebenfalls involviert, musste sich dann aber aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen und gab dem Projekt seinen Segen. Obgleich das Projekt inhaltlich also sehr sperrig daherkommt, konnte bei so viel Rückenwind eigentlich nichts schiefgehen und das ist es auch nicht. Der Film ist ziemlich genau das, was sich Kenner des Originals von einer westlichen Variante unter der Leitung von Lanthimos erhoffen würden. Der Ton ist härter und realistischer als im Original. Obgleich man ob der Absurdität dennoch hier und da vielleicht lachen muss, sucht man die im koranischen Kino üblichen Genresprünge hier vergeblich. Daher kommt dann auch primär die gefühlt stärkere Härte des Films, denn zimperlich wurde mit dem entführten CEO im Original bei weitem nicht umgegangen. Auch die getauschten Geschlechter stehen dem Film sehr gut. War es im Original ein Pärchen, das auf Alien-Jagd ging, sind es dieses Mal zwei Männer. Wobei die Art wie Teddy, den etwas kognitiv eingeschränkten aber herzensguten Don vereinnahmt, beeinflusst und unter Druck setzt, wesentlich mehr Tiefe mit sich bringt als die Beziehung im Original. Ebenso Emma Stone in der Rolle des CEO (im Original ein Mann), denn der leider allzu oft reale Stereotyp der erfolglosen Incel Alphas, die sich von starken Frauen eingeschüchtert fühlen, kann gar nicht oft genug vorgeführt werden. Besonders, wenn Teddy mit Michelle eine tatsächlich sehr unangenehme Powerfrau, die wörtlich über Leichen geht, gegenüber gestellt wird. Denn Lanthimos geht glücklicherweise nie soweit, dass Teddys Handeln auch nur ansatzweise dadurch gerechtfertigt würde das sie eben eine unangenehme Person ist, aber uns als Zuschauer wird klar, dass hier nicht schlicht ein moralisches Beispiel konstruiert wird. Auch wenn das Zuschauen einfacher ist, wenn die vermeintlich Guten auch nett sind und die Antagonisten menschlich schlecht, jedoch ist die Welt so eben nicht. Schauspielerisch überzeugt das zentrale Trio ebenfalls auf ganzer Ebene. Aidan Delbis, ein nicht professioneller neurodivergenter Schauspieler in seiner ersten Rolle, wirkt so verletzlich und unschuldig, dass man ihn eigentlich die ganze Zeit in den Arm nehmen möchte. Der harte Kontrast ist das vielschichtige Spiel vom intrigant bis wahnsinnigen Teddy gespielt von Jesse Plimons, den man konstant schütteln und ohrfeigen möchte. Jeder hat schon mal einen dieser Typen getroffen, die versuchen sich gebildet und kontrolliert zu geben, während kurz unter der Oberfläche, hinter der Fassade das pure Chaos nur darauf wartet auszubrechen. Und auch Emma Stone spielt fantastisch, eiskalt kontrolliert. Stets bleibt die Unsicherheit, ob sie sich zunächst absolut trotzig gibt, bis man sich zusehends fragt, ob sie tatsächlich kurz davor ist, einzuknicken oder den beiden etwas vorspielt. Viel ist im Marketing daraus gemacht worden, dass sie sich tatsächlich vor der Kamera eine Glatze hat rasieren lassen (unter anderem ein Vorabscreening, zu dem man sich kahlscheren lassen konnte und zu dem man ohnehin nur mit Glatze zugelassen wurde). Eine der mitreißendsten Szenen im Film und auch danach ein sehr krasser Look für die Schauspielerin. Ein Vertrauensbeweis, der natürlich darauf basiert, dass sie und Lanthimos bereits dreimal, bei den oben erwähnten The Favourite und Poor Things und zuletzt Kinds of Kindness (2024) erfolgreich zusammengearbeitet hatten und weil sie Lanthimos ebenfalls eine Glatze rasieren durfte. Wobei er ohnehin kurzes, mittlerweile eher schütteres Haar hat.
Am Ende ist somit ein Film entstanden, den man sehen sollte, völlig unabhängig davon, ob man das Original kennt und / oder mag. Auch ob man Verschwörungsmythen romantisiert oder die Schnauze voll hat von dem Geschwurbel, spielt kaum eine Rolle. Bugonia wird euch fordern und verstören und ist dabei dennoch überraschend unterhaltsam. Einer dieser Filme, bei dem am Ende irgendwie alles gesagt ist, vieles davon Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat und somit mehr Fragen offen sind als beantwortet wurden. Dass oberflächlich am Ende kaum etwas offen für Interpretation bleibt, wird manche frustrieren und andere animieren ihn definitiv mehrmals zu sehen. Alle die also, die ihre Fragen oder Antworten von der ersten Sichtung noch einmal abgleichen wollen und natürlich diejenigen, die ihn im Kino verpasst haben, sollten sich den Heimkino-Release nicht entgehen lassen.

Bugonia (US IR GB CA KR 2025)
Regie: Yorgos Lanthimos
Darsteller: Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis, Alicia Silverstone, Cedric Dumornay, Momma Cheri
Heimkino Release: 29. Januar 2026, Plaion Pictures

