OKLOU – choke enough Deluxe


Foto-© Grace Pickering

Guess I thought the sunshine would
Be enough or something
Instead of it choking up my lungs?

(Oklou – viscus feat. FKA twigs)

„Is the endless still unknown?“ – so beginnt Oklou ihr weltweit gefeiertes Debütalbum choke enough, das sich in kürzester Zeit fest in der Musikwelt verankerte und seinen Namen machte. Inspiriert wurde der Song endless von einer Unterhaltung mit Anna, einem kleinen Mädchen aus Oklous Familie – ein Moment, der Staunen, Offenheit und die Sehnsucht nach dem Unbekannten in sich trägt.

Oklou ist eine französische Künstlerin, die nicht nur singt, sondern auch ihre Musik eigenständig produziert. Mit einer harmonischen Mischung aus klassischen und digitalen Klängen verleiht sie ihren Songs eine mühelose und zugleich exakte Anmutung. Ihr Signature Style zeichnet sich durch ein dichtes Geflecht aus Texturen, Club-Sounds und ambienten Schichten aus. Der Soundteppich, den Oklou experimentierfreudig webt, ist berauschend und magisch – wie unsere Welt, betrachtet durch ein Vergrößerungsglas. Sie macht Unsichtbares hörbar und Gefühle spürbar, die sich sonst kaum greifen lassen.

Die Themen ihrer Lieder sind sowohl abstrakt als auch kunstvoll: eine einzigartige, kreative Schöpfung, die Dankbarkeit, Neugier und Selbstfindung verkörpert. Sie behandeln tiefgründige Lebensfragen, ungewohnte Erfahrungen wie Schwangerschaft, die Notwendigkeit, Routinen loszulassen und die innere Transformation. Ihre Lyrics sind dabei ein vielschichtiger Mix aus Mythologie, Symbolik, Träumen und inneren Monologen – verschmolzen mit Sounds, die sie aus Emotionen, Nähe und Zuneigung formt. Immer wieder entstehen dabei feine Querverbindungen zwischen ihren Songs. In god’s chariots singt sie: „I see the God’s chariots.“ Diese Bildwelt greift sie später in family and friends erneut auf, wenn sie fragt: „God’s on chariots say / Is it what you want?“ Eine schwebende, suchende Bewegung, die ihre Musik wie eine fortlaufende Erzählung erscheinen lässt.

Zu den besonderen Tracks zählt auch harvest sky, ein energetischer Kontrast innerhalb des Albums. Inspiriert vom Impuls, einer Party zu entkommen, zwischen Stille und gedämpfter Musik zu stehen und ganz im Hier und Jetzt anzukommen, verbindet er Bewegung mit innerer Ruhe. Auf der Deluxe-Version des Albums finden sich vier weitere Songs. viscus, entstanden in Zusammenarbeit mit FKA twigs. Der Song steht ganz im Zeichen von Wiedergeburt und dem Durchqueren unbekannter Gewässer – getragen von Neugier ebenso wie von Angst. Zwischen emotionaler Erschöpfung und der feinen Suche nach Freude inmitten turbulenter Wellen offenbart sich das Verlangen nach Reinheit und Perfektion – begleitet von Gefühlen wie Scham, Verletzlichkeit und der chaotischen Schönheit des Menschseins. Dieser experimentelle Track, produziert von Danny L Harle und Oklou, verbindet ambient-elektronische Klangtexturen mit reichen Synthesizern, die wie Licht durch geheimnisvolle Tiefen schimmern. Oklou und FKA twigs rufen das Gefühl von Hunger und Zerbrechlichkeit hervor – Emotionen, von denen man gar nicht wusste, dass man sie trägt und die einem von der Welt und von sich selbst zurückgespiegelt werden. Man sehnt sich nach Ruhe und Zugehörigkeit, nach einem Gefühl von Zuhause, doch der Strom des Wandels bewegt sich schneller, als man folgen kann. Das Überwältigtsein offenbart die Vergänglichkeit und erinnert daran, dass selbst die stärksten Gefühle temporär und zerbrechlich sind. Der Song berührt auch das Gefühl, sich im eigenen Körper fremd zu fühlen – begleitet von einer sanften Empfindsamkeit. Insgesamt fängt viscus auf wunderschöne Weise die Erfahrung ein, sich während einer tiefgreifenden Transformation neu zu finden. Es ist ein Moment, in dem man sowohl dem Vergänglichen als auch dem Unausweichlichen begegnet – in einem wunderbaren, zugleich stürmischen Raum tiefer Wiederverbindung mit dem eigenen wahren Selbst.

what’s good ist eine sanfte, experimentelle Ballade, die sich langsam entfaltet – getragen von Sehnsucht, einer fragilen Verbindung und der leisen Angst, dieses Gleichgewicht zu gefährden. Es geht um das Bedürfnis nach Bestätigung, um das Zögern im Dazwischen, um Vertrauen, das sich nicht erzwingen lässt. Um den Wunsch, nichts zu überstürzen – und dennoch weich zu bleiben. the fish song unplugged entfaltet sich als ruhiger Gedankenstrom: minimalistisch, akustisch und einladend wie ein verregneter Morgen, begleitet von einem Gitarrenriff, das von Wandel und Transformation erzählt. Der Song beschreibt einen außergewöhnlich schönen Fisch, den man hält und versucht, am Leben zu erhalten und wachsen zu lassen – entgegen jedem Hindernis. Es ist die Geschichte eines Fisches, den Oklou anderen anvertraute, der jedoch starb und dessen Tod ihr eine Woche lang verheimlicht wurde.

dance 2 schließlich wirkt wie der energetische Zwilling von harvest sky – mit treibenden Beats und verzerrten Sounds, die elektrisieren und mitreißen. Bereits mit ihrem früheren Werk Galore hatte Oklou überzeugt. Mit choke enough jedoch öffnet sie einen noch größeren Raum – für Gefühl, Experiment und eine Musik, die sich dem Greifbaren immer wieder entzieht.

Oklou – choke enough Deluxe
VÖ: 30. Oktober 2025, Because Music
www.oklou.com
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