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“There’s something wrong with Ben.”
(Erin – Primate)
Der Hausaffe von Lucys (Johnny Sequoyah) Familie infiziert sich mit Tollwut, woraufhin in dem abgelegenen hawaiianischen Loft ihrer Familie ein Überlebenskampf zwischen ihr, allen anderen Teenagern, die sich aus verschiedensten Gründen in dem Haus befinden, und dem völlig wahnsinnigen Schimpansen ausbricht.
Regisseur Johannes Roberts ist kein Neuling im B-Bereich des Horror-Genres. Weder seine 47 Meters Down Haifisch-Filme (2017 und 2019), noch sein Resident Evil: Welcome to Raccon City (2021) Zombiefilm erkundeten neue dramaturgische oder charakterliche Tiefen der entsprechenden Subgenres. Aber sie alle boten absolut solide Unterhaltung und erkundeten ohne die Arthouse-Keule oder ein ausuferndes Budget neue Wege abseits der völlig breit getretenen Trampelpfade des Genres. Die 47 Meters-Filme mit einem klaustrophobischen Ansatz und dem Fokus auf „unter Wasser“ anstatt den üblichen Strand oder Bood Szenarien und einem Resident Evil-Film, der sich nach sechs (!) Milla Jovovich Actionfilmen traute, sich auf den Plot, die Figuren und die Atmosphäre der zugrunde liegenden Videospiele zu konzentrieren anstatt sich in endloser zeitlupen Action zu verlieren. Er selbst beschreibt Primate als Cujo (1983) mit einem Schimpansen anstatt eines Bernhardiners.
Cujo, für die, die sich nicht erinnern, ist ein Horrorroman von Stephen King aus dem Jahre 1981, der 1983 recht erfolgreich von Lewis Teague verfilmt wurde. Ironischerweise beschrieb King selbst Cujo als Jaws (1975), sprich Der weiße Hai mit einem Bernhardiner anstatt eines, na ihr wisst schon. Ist Primate somit nun die Kopie der Kopie? Glücklicherweise nicht wirklich. In allen drei Geschichten sind wir zwar an einen bestimmten Ort gebunden, sei es ein Auto, ein Boot oder wie hier ein Pool, aber zum Glück verhalten sich Haie, Hunde und Affen nun einmal grundsätzlich unterschiedlich. Und auch wenn alle drei Tierarten sehr intelligent sind, ist uns der Menschenaffe eben besonders nahe. Nicht zuletzt, weil er hier quasi ein Familienmitglied von Lucy und ihrer Schwester Erin (Gia Hunter) ist. Auch schön ist, dass die Teenager zwar als für das Genre gewohnt überzeichnete Stereotypen eingeführt werden, aber im Laufe des Films wesentlich mehr Tiefe bekommen als man erwarten würde und sogar echte Charakterentwicklung spürbar ist.
Ebenso schön, dass, auch wenn er den Großteil des Films abwesend ist, mit Troy Kotsu ein echter Charakterdarsteller den Papa mimen darf und die Tatsache, dass er stumm ist, völlig unaufgeregt und organisch in den Film integriert ist. Auch wenn wir eingangs bereits erwähnt haben, dass Roberts Werke von der dramaturgischen Tiefe keine Oscar-Kandidaten sind, schafft er es jedoch, wie auch in den 47 Meters-Filme, durchaus spannende Figuren zu skizzieren. Und auch wenn es dann größtenteils eben bei Skizzen bleibt, bieten sie somit mehr als genug Kontext, als dass man bei ihrem Überlebenskampf mitfeiert. Eben dieser Horror hingegen kommt etwas zahm daher und lässt sich zusätzlich zu der offensichtlichen Inspiration auch noch zu The Shining und Halloween Hommagen hinreißen. Das kann man auch durchaus positiv auslegen und es wäre auch völlig unproblematisch, wenn er durch seinen realistischen Ansatz und seine harte Gewalt somit nicht irgendwie zwischen den Stühlen landen würde. Am Ende ist der Film zu gut, um über ihn zu lachen oder das Gemetzel so richtig zu genießen, aber eben nicht realistisch genug, um ihn wirklich ernst zu nehmen. Zwar geht es hier natürlich nicht um harten Realismus, aber den Film ausgerechnet im einzigen US-Bundesstaat spielen zu lassen, in dem es eben keine Tollwut gibt und in dem die Haltung von Schimpansen illegal ist, sind gleich zwei Fehlschüsse im Story Writing. Während man diese eher spitzfindigen Fehler im Realismus jedoch nicht unbedingt spürt, merkt man zumindest unterbewusst schon irgendwo, dass sie in Australien und nicht auf Hawaii gedreht haben. Das spielt aber für den Realismus weniger eine Rolle als, dass Ben (so der Name des Schimpansen) im Laufe des Films zusehends als Slasher à la Freddy Kruger oder Michael Myers inszeniert wird.
Wer sich also auf einen B-Film einlässt und nicht zu sehr versucht, den Film ernst zu nehmen, ist klar im Vorteil und kann hier sehr viel gruseligen Spaß haben. Vor allem da mit der Härte, besonders im letzten Drittel, nicht gegeizt wird. Dies macht der Film auch direkt in seinem Prolog klar, auch wenn er danach erst einmal zurückfährt und Spannung aufbaut. Bei weitem kein Jaws aber mit dem direkten Vorbild Cujo kann es Ben durchaus aufnehmen, ziemlich genau so wie es wohl auch in der Tierwelt wäre, wenn sich ein Hai, ein Bernhardiner und ein Schimpanse treffen würden.

Primate (US GB CA AU 2025)
Regie: Johannes Roberts
Darsteller: Johnny Sequoyah, Jess Alexander, Troy Kotsu, Victoria Wyant, Gia Hunter, Benjamin Cheng
Kinostart: 29. Januar 2026, Sony Pictures Entertainment Deutschland

