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We sell emotion.
(Shinji Tada – Rental Family)
Der Exil-Amerikaner Philip Vanderploeg (Brendan Fraser) schlägt sich mehr schlecht als recht als Schauspieler in Tokyo, Japan durch, als ihm Shinji Tada (Takehiro Hida) ein ungewöhnliches Angebot unterbreitet. Seine Firma bietet menschliche Nähe als Service an und sucht professionelle Schauspieler, die im Leben ihrer Klienten als Freunde, Verwandte, interessierte Reporter, Partner/Ehemann oder sogar Elternteil einspringen. Was ihnen fehlt, ist so ein westlicher, weißer Mann…
Das Prinzip der titelgebenden Rental Family ist weder Fiktion noch neu. Der Service ist zwar nicht gerade in der Mitte der Gesellschaft etabliert, sondern klar eine Nische in der Nische, aber er existiert seit den frühen 1990ern und wird auch heute noch von vielen (genaue Statistiken existieren nicht) Firmen angeboten. Auch filmisch ist dies schon umgesetzt worden, zum Beispiel zuletzt 2019 von Werner Herzog mit Family Romance, LLC, der obendrein noch einen fast identischen Auftrag zum Kern der Geschichte macht. In beiden Filmen soll der „Darsteller“ den Vater eines jungen Mädchens spielen. Wobei Herzogs Film wesentlich improvisierter daherkommt und auch wenn der Regisseur Deutscher ist, eher für den japanischen Markt produziert wurde, während wir hier klar eine internationale Produktion für den internationalen Mainstream haben.
Das muss aber gerade aus der nicht japanischen Perspektive gar nicht unbedingt zum Nachteil des Films sein. Denn die Perspektive von Philip ähnelt eben sehr der unseren. Auch wenn er gut japanisch spricht (meisterlich auswendig gelernt von Fraser, der selbst kein Japanisch kann), ist er eben ohnehin schon Außenseiter in einem sehr verschlossenen Land, einer sehr verschlossenen Gesellschaft. Dies macht seinen Job als solchen zwar leichter, die psychische Belastung hingegen, die persönliche Vereinsamung noch einmal höher. Der Film nimmt sich dabei ausreichend Zeit und Ruhe, um all die möglichen positiven, wie negativen Aspekte, die ein solcher Service mit sich bringen kann herauszuarbeiten. Ein paar Witze über die grundlegende Absurdität des ganzen Unterfangens und dem Stand westlicher C-Schauspieler in Japan gönnt man sich zwar, aber größtenteils wird der Film sehr ernsthaft erzählt und geht sehr respektvoll mit dem delikaten Thema der Einsamkeit um.
Neben einigen kürzeren Episoden steht die Geschichte von Philip selbst, der jungen Mia (Shanon Mahina Gorman), dessen amerikanischen Vater er spielt und dem alternden Schauspieler Kikuo Hasegawa (Akira Emoto), für den er im Auftrag seiner Tochter einen interessierten Reporter mimt, im Mittelpunkt. Diese beiden stehlen dem Oscar prämierten Fraser ein ums andere Mal die Szenen. Bei beiden Figuren wird man das Gefühl nicht los, dass sie irgendwo unterbewusst ahnen oder zumindest fürchten, dass da etwas nicht stimmt, aber das Verlangen nach genau diesem menschlichen Kontakt ist – bei ihr der Vater, bei ihm jemand, der sich für sein Leben interessiert und ihm vielleicht ermöglicht selbst wieder in Kontakt zu diesem Leben zukommen – so groß, dass sie diese Sorgen ignorieren. Und beide Darsteller sind dafür perfekt gecastet, Shanon Mahina Gorman gibt ihr Spielfilmdebüt während Akira Emoto schon über 300 Rollen gespielt hat. Der Rolle entsprechend nimmt sich Fraser streckenweise zurück und lässt seinen Gegenüber Raum für Emotionen. Aber auch Philips Geschichte wird auserzählt und Fans von Brendan Fraser haben nach The Whale (2022) erneut die Chance, mit ihm gemeinsam zu leiden, aber dieses Mal auch Katharsis zu erfahren und zu lachen.
Die Regisseurin Hikari schafft es eine sehr komplexe Thematik, in einen sehr leicht verdaulichen Film zu verarbeiten. Dabei gibt sich die japanische Co-Produktion extrem westlich, so dass ironischerweise die westlich produzierten Lost in Translation (2003) oder der schon erwähnte Family Romance, LLC authentischere Einblicke in die japanische Gesellschaft oder speziell die Erfahrung als Ausländer in Japan bieten. Das macht Rental Family aber nicht weniger unterhaltsam, interessant und Stellenweise auch wirklich ergreifend. Es bleibt jedoch etwas oberflächlich und künstlich, ein bisschen eben wie ein Freund auf Zeit.

Rental Family (US JP 2025)
Regie: Hikari
Darsteller: Brendan Fraser, Takehiro Hida, Mari Yamamoto, Akira Emoto, Shanon Mahina Gorman
Kinostart: 08. Januar 2026, 20th Century Fox

