
Foto-© Bibian Bingen
I’m no younger, I’ve pushed my weight around
But I’m not the woman I thought I’d have to be by now
The first of silver petals on the rose
I thought I’d lose myself a bit, but I’ve never felt so close
Time, it ticks on
Laid out like a song
That you can only play once
Start to close
With some grace notes
I’m not a mother, the door I’ve yet to close
I thought I’d figure what I wanted, but the truth is I don’t know
The strangest symptom of the lives I’m rolling out
This same body feels so different to me now
Time, it ticks on
Laid out like a song
That you can only play once
Start to close
With some grace notes
(Tessa Rose Jackson – Grace Notes)
„Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ – gemäß diesem, dem ollen Wilhelm Busch zugeschriebenen Sprichwort sollte man, „sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ (noch so ein Boomer-Bonmot). Damit nun zu Tessa Rose Jackson – die altbackenen Floskeln haben nämlich seltsamerweise etwas mit ihr zu tun. Denn es war wohl vor ein paar Jahren doch keine so gute Idee der niederländisch-britischen Sängerin und Songwriterin, unter dem Moniker Someone (also: Irgendjemand) eine ernstgemeinte Musikerkarriere starten zu wollen. Das Pseudonym war einerseits schwer zu googeln und andererseits auch arg zurückhaltend – zumal der eigentliche Name ja gar nicht so schlecht klingt.
Auf ein Neues jetzt mit mehr Selbstbewusstsein – und da wären wir jetzt, mit einem bezaubernden Re-Start-„Debüt“, das dieses gewachsene Selbstbewusstsein hundertprozentig spiegelt und rechtfertigt. The Lighthouse ist ein weiteres Folkpop-Juwel des noch jungen Jahres 2026, aus einem Genre mithin, das dank Bloodline von Mon Rovîa, The Midnight Ache von John Blek und Valentine von Courtney Marie Andrews schon früh viel zu bieten hat. Jacksons zarte, noble Stimme, ihre feinen, oft von Streichern verzierten Arrangements und der manchmal den Art-Pop streifende Charakter ihrer Lieder haben dabei so viel Eigenes, so viel erhabene Grandezza, dass dieses Album auch am Jahresende, wenn es an die berühmten Bilanzlisten geht, noch nicht vergessen sein sollte.
Dabei macht es Jackson sich und den PR-Verantwortlichen für ihre Musik immer noch nicht allzu leicht – auch nach dem stilistischen und namentlichen Neubeginn nicht. „Nun ja – eigentlich versuche ich ja mit jeder neuen Veröffentlichung, etwa Neues zu machen“, betont sie in einem Interview. „Ich weiß gar nicht, ob das Absicht ist. Ich versuche einfach, verschiedene Klangwelten zu erforschen. Es geht dabei um Sachen, die mich inspirieren. Ich setze mich also nicht hin und sage: ‚Oh – jetzt bin ich eine Folk-Künstlerin‘ oder ‚Jetzt bin ich eine Pop-Künstlerin‘. Das ist natürlich für mein Promo-Team ziemlich frustrierend, weil es so ja schwierig ist, mich zu vermarkten.“
Manchmal hilft es dann ja, ein paar Referenznamen zu streuen: Da wäre natürlich einer der wichtigsten Einflüsse britischer Folk-Kunst überhaupt zu nennen, das tragische Genie Nick Drake (man höre nur mal den Opener/Titeltrack, By Morning und Grace Notes); oder Jacksons etwa gleichaltrige Kollegin Laura Marling, die ja selbst massiv von Nick Drake beeinflusst wurde; oder die nordamerikanische Ur-Mutter des Folk-Jazz-Pop, Joni Mitchell. Das sind die naheliegendsten Vergleiche – dieser Reviewer hört (etwa in The Man Who Wasn’t There) auch eine gewisse Nähe zu Kate Bush heraus, die sich gar nicht so selten auf englische „Volksmusik“ und Mystik bezog, um daraus mit ihrem Genie (und ihrer einmaligen Stimme) etwas sehr Individuelles zu erschaffen.
Tessa Rose Jackson schrieb The Lighthouse während einer zurückgezogenen Zeit im ländlichen Frankreich, und man spürt diese Intimität zum Glück auch noch in den später in den Shorebreaker Studios ausgepolsterten Songs. Es geht um Themen wie Sterblichkeit, Erinnerung und Dankbarkeit, die Lieder beleuchten die zerbrechlichsten und schönsten Details des Lebens. The Lighthouse fühle sich „wie ein Leuchtfeuer an“, sagt Jackson selbst. „Es ist ein Album, das vom Tod handelt, aber nicht in einem rein düsteren Sinne. Für mich geht es auch um die Feier des Lebens.“
Schönes Fazit für eine schöne Platte.

Tessa Rose Jackson – The Lighthouse
VÖ: 23. Januar 2026, Tiny Tigers
www.tessarosejackson.com
www.facebook.com/tessarosejackson

