YE VAGABONDS – All Tied Together


Foto-© Rich Gilligan

On your marks, get ready
Our toes against the line
When the whistle blew
I knew that I’d been left behind
I hammered on the tarmac
My face was turning red
There was no catching Danny
He was half a mile ahead

I wished I could be like him
Burning brighter than the rest
I had no idea how he’d learned to move so fast

He ran like he could feel something snapping at the heels
Of his worn-out shoes
Too fast to follow
Too hot to hold
Too good to lose

At sixteen, he dropped out
Soon aftеr, he left home
If hе couldn’t make them happy
He’d be better off alone
Had ways to make some money
Dealing on the sly
I could have talked him out of it
But I never even tried

(Ye Vagabonds – Danny)

Mag das Leben auch oft seltsam und manchmal schwer sein: Es gibt keinen Grund, nicht darüber zu singen oder gegen die Belastungen anzumusizieren. Dieses sehr irische Motto haben Ye Vagabonds jetzt auf einem so melancholischen wie aufbauenden Album voller intensiver Folk-Balladen und künftiger Pub-Klassiker verwirklicht. Wer schon mal die zauberhafte Atmosphäre eines Pubs auf der grünen Insel erlebt hat, die Selbstverständlichkeit, mit der dort bei dunklem Bier und wärmendem Whisky in oft familiärer Besetzung Folkmusik gespielt und (mit)gesungen wird, der weiß ungefähr, wie das klingt – und wo diese Vagabunden herkommen.

Dass das inzwischen zum Kollektiv angewachsene Brüder-Duo im benachbarten UK bereits Locations wie das Londoner Roundhouse mit seinen bis zu dreieinhalbtausend Plätzen gut füllt, sagt einiges über die Qualität der Irish-Folkies aus, ändert aber nichts an ihrer soliden musikalischen Erdung. Denn begonnen haben Brían und Diarmuid Mac Gloinn „mit Traditionals, die nach vielen gemeinsamen musikalischen Nächten in den Pubs von Dublin mit Punks, Folk-Musikern, Jazzern oder sardischen Dudelsackspielern mittlerweile ihren eigenen Songs gewichen sind“, schreibt das Label Rough Trade, auf dessen Ableger River Lea das neue Album All Tied Together erscheint.

Und diese Herkunft hört man zum Glück immer noch: Jeder dieser zwölf Songs könnte heute noch an der Basis, also in einer gemütlichen irischen Kneipe, neben den teils Jahrhunderte alten Klassikern des Genres performt werden, ohne dass da ein Bruch entstände. Weniger Punk als The Pogues, weniger Folkpop als The Waterboys (Fisherman’s Blues) und Adrian Crowley, weniger Drone-Rock als Lankum – und doch kann jeder, der diese drei Bands mit ihren unterschiedlichen Celtic-Folk-Verbindungen mag, bei Ye Vagabonds sofort andocken.

Das Gefühl der lebenslangen Verbundenheit dieser Brüder, ihre traumwandlerisch sicheren Harmoniegesänge prägen – wie so oft bei Geschwister-Ensembles – die Musik auf All Tied Together. Die Mac Gloinns hatten sich nach der Wirtschaftskrise von 2008 zunächst als Straßenmusiker über Wasser gehalten, „bevor sie in ihrer Heimatstadt Carlow und später in Dublin heute legendäre Musikabende ins Leben riefen“, wie es vom Label heißt. Der stilistische Schmelztiegel jener Events floss in ihre Lieder ein, ohne sie von ihren Irish-Folk-Wurzeln zu entfremden. Auch die Erweiterung des Gitarren-Sounds um Trompete, Kontrabass, Moog-Synthesizer, Harmonium, irische Bouzouki und Geige gelang den Brüdern.

Die Band nahm das neue Album nahezu komplett in einem alten Haus im irischen Galway auf, produziert wurde die Platte vom renommierten Studio-Zauberer Phil Weinrobe (Big Thief, Adrienne Lenker). „Wir sahen seinen Namen ständig auf Sachen, die wir liebten“, sagt Brían Mac Gloinn. Weinrobe und der Multiinstrumentalist Shahzad Ismaily (Laura Veirs, Cass McCombs) reisten aus Brooklyn an. „Shahzad bringt eine besondere Magie mit“, so Diarmuid Mac Gloinn. „Er ist ein Wunder, ein echtes Unikat.“ Die Arrangements entstanden schließlich mit bis zu zehn Musikern, die ganz direkt und ohne Kopfhörer live miteinander spielten.

Für All Tied Together arbeiteten die Brüder besonders intensiv an ihrem selbstgeschriebenen Material, gründeten ein Songwriting-Treffen in Dublin, besuchten Online-Workshops, behandelten das Schreiben als Vollzeitjob. Jederzeit spürbar ist – jenseits der prächtig gesungenen und gespielten Musik – die typisch irische Warmherzigkeit und Empathie in den Texten der Mac Gloinns. So zeichnet Danny das sensible Porträt eines Jungen aus Carlow, der nie eine faire Chance hatte, erklärt Diarmuid: „Ich wollte ihn feiern.“

Und mit Cuckoo Storm thematisieren die Brüder den Moment, in dem alte Freunde aus der Dubliner Hausbesetzer-Szene zu Eltern werden. „Den einen Tag düsen die Leute bis zum Morgengrauen mit ihrem Fahrrad herum, um irgendwelchen Quatsch zu machen, und am nächsten Tag werden sie die ganze Nacht von einem Baby wach gehalten.“ Mitten aus dem Leben halt, wie bei gutem Irish-Folk üblich.

Ye Vagabonds – All Tied Together
VÖ: 30. Januar 2026, River Lea
www.yevagabonds.com
www.facebook.com/yevagabonds

Ye Vagabonds Tour:
26.05.26 Passau, Cafe Museum
27.05.26 Esslingen, Dieselstrasse
28.05.26 Köln, Yuca
29.05.26 Hamburg, Nochtspeicher

YouTube Video

Werner Herpell

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