
Foto-© PHOTO SHANNA BESSON © 2025 LBP – EUROPACORP – TF1 FILMS PRODUCTION – SND/ LEONINE Studios
A Vampire.
(Der Priester – Dracula – Die Auferstehung)
Ihr kennt die Geschichte. Vlad Tepes aka Graf Dracula (Caleb Landry Jones) schwört, nachdem er sich ob dem Tod seiner geliebten Ehefrau (Zoe Bleu) von Gott verraten fühlt, der Kirche ab und wandelt fortan, als die Genesis des Vampirismus unter uns. Verdammt zu Einsamkeit, ewigem Leben und dem unstillbaren Durst nach menschlichem Blut. Diesem Dasein überdrüssig, nur noch ein Schein seiner selbst, vegetiert er Jahrhunderte in seinem Schloss in Transsilvanien vor sich hin, bis er den Entschluss fasst, wieder Kontakt mit Menschheit zu suchen, in dem er, mit der Unterstützung des Maklers Jonathan (Ewens Abid), in eine der Metropolen des ausgehenden 19. Jahrhunderts zieht und welche wäre da besser geeignet als Paris…
Paris? Ja genau, das hier ist nicht Bram Stokers „britischer“ Dracula, sondern die Neuinterpretation des französischen Drehbuchautors und Regisseurs Luc Besson. Und dieser entfremdet die Geschichte im Laufe der viel zu langen 129 Minuten dermaßen, dass man sie kaum wiedererkennen würde, wenn er sich nicht so dreist bei Bildsprache, Soundtrack und Design der bisherigen Verfilmungen bedienen würde. Schon die Trailer vermitteln das Gefühl, dass man sich in der Welt von Francis Ford Coppolas 1992er Film Bram Stoker‘s Dracula befindet. Nur eben, dass die Geschichte in Frankreich spielt und einen noch stärkeren Fokus auf die eingangs erwähnte, tragische Liebesgeschichte legt. Nicht umsonst heißt der Film im Original Dracula: A Love Tale. Das wäre ja an sich auch kein Problem, irgendwie muss man sich bei den unzähligen Dracula Verfilmungen ja abheben. Allein im Jahr 2023 gab es zum Beispiel Renfield mit dem Fokus auf den titelgebenden Lakaien von, in diesem Fall, Nicolas Cages Dracula oder The Last Voyage of the Demeter, in dem man sich vom Plot her fast komplett auf die Überfahrt von Transsilvanien nach England mit dem titelgebenden Schiff beschränkte.
Allerdings ist ausgerechnet die hier zentrale Liebesgeschichte derart lachhaft inszeniert. Caleb Landry Jones, an sich ein fantastischer Schauspieler, gerade zuletzt unter Luc Besson in dessen DogMan (2023), wirkt in der initialen Rückblende wie ein notgeiler Teenager, den seine Untergebenen mit vereinten Kräften direkt aus dem Ehebett von seiner Geliebten zerren und in eine Rüstung stecken müssen, während er immer wieder versucht, sie zu begatten. Eine Schlacht, dafür war die Rüstung, und eine Verfolgungsjagd, die jeglicher Logik und Dynamik entbehrt, später sind wir dann in der Gegenwart des 19. Jahrhunderts und Jones muss in einem Dracula Kostüm weiterspielen, das ein wenig wie die Karnevalsversion von Gary Oldmans Kostüm aus dem bereits erwähnten Coppola Film wirkt. Ironischerweise hängen dabei im Speisesaal seines Schlosses Gemälde, die allesamt Dracula-Darsteller anderer, besserer Filme zitieren. Wer das noch als Hommage akzeptiert, wird überrascht, wenn als nächstes plötzlich eine Armee kleiner Wasserspeier, die aus Disneys Der Glöckner von Notre Dame (1996) zu kommen scheinen, ins Bild hüpfen. Diese Schergen Draculas hatte man, vermutlich sehr bewusst, aus den Trailern herausgehalten. Gemeinsam überwinden sie Jonathan (Ewens Abid), welcher, dem Tode nahe, leider seinen letzten Wunsch verwendet, um Dracula zu bitten, doch seine Lebensgeschichte zu erzählen. Also geht es wieder in die Rückblende. Hier lernen wir, dass Dracula nicht wie gewohnt Frauen nahezu magisch verführen kann, sondern zunächst den Plot von Tom Tykwers Das Parfum (2006) durchspielen muss. Das dort titelgebende Parfum in den Händen, lässt Dracula bzw. der Film es sich nicht nehmen, die Rückblende mit einer fulminanten Tanzshow durch die Jahrhunderte ausklingen zu lassen, so bekommen auch die TikTok verliebten Gen Z-Zuschauer etwas geboten. Trotz all dem schaffte Vlad Tepes es jedoch bisher nicht, die Reinkarnation seiner geliebte Elisabetha (Zoe Bleu) aufzustöbern. Die meint er dann in Jonathans angetrauter Mina bzw. ihrem Abbild in seiner Brosche zu erkennen. Von da an nimmt das Ganze dann so ungefähr seinen gewohnten Lauf und springt dabei munter zwischen dem Coppola Film und Robert Eggers Nosferatu (2024), nur ein gutes Stück französischer und schlicht weg schlechter.
Hervorzuheben ist bei den negativen Elementen leider noch Christoph Waltz als “Der Priester” aus dem der Review vorangestellten Zitat, der Van Helsing der Geschichte. Dieser schafft es zwar neben Guillermo del Toros Frankenstein (2025) direkt das zweite klassische Monstermärchen in nur einem Jahr abzuhaken, allerdings hat er seine Energie wohl eher auf die Mary Shelley-Adaption fokussiert. Denn den, dieses Mal deutschen Priester spielt der Österreicher auf absoluter Sparflamme mit seinem zugegebenermaßen immer noch herrlich arroganten, aber nicht wirklich passenden Standardrepertoire herunter.
Somit ist diese Dracula-Verfilmung leider eine wild zusammengeklaute Farce, bei der sogar das französische Poster noch des Pelagianismus beschuldigt wurde, da es nahezu eine eins zu eins Kopie des Nosferatu (2024) Plakats war. Das heißt jedoch nicht, dass man mit dem Film keinen Spaß haben kann. Man lacht zwar leider eher über als mit ihm, aber in seiner Groteske ist das Ganze doch sehr belustigend und durchaus über Strecken hübsch anzusehen (von dem CGI der Wasserspeier und dem erwähnten Dracula-Kostüm mal abgesehen). Auch ist es eben erneut eine nochmals andere Variante der bekannten Geschichte, was allein schon einen gewissen Reiz hat.
Schade nur, dass Besson hiermit in keiner Weise ehrlich oder offen umgegangen ist. Da verlegt er die Handlung nach Frankreich und kopiert dann ausschließlich große internationale Produktionen, die in Frankreich spielten, anstatt sich an authentischen französischen Klassikern abzuarbeiten oder gar ganz eigene französische Elemente einzubringen. Ebenso die Liebesgeschichte, die Besson angeblich selbst im Ursprungsroman entdeckt haben möchte. Diese kam dort jedoch nie so vor, wohl aber in dem 1992er Coppola Film. Dann holt man sich dazu noch den Historiker Martin Mares als Berater, der ebenfalls bei dem Demeter Film mit an Bord war, anstatt neue, eigene Wege zu gehen. Das fühlt sich am Ende ähnlich falsch an, wie Draculas Liebe zu Mina und genau wie sie werdet ihr euch vielleicht ein wenig von dem oberflächlichen Charme des Films verzaubern lassen können, aber am Ende feststellen, dass diese nur ein Echo des Originals ist.

Dracula – Die Auferstehung (FR 2025)
Regie: Luc Besson
Darsteller: Caleb Landry Jones, Christoph Waltz, Zoe Bleu, Guillaume de Tonquédec, Matilda De Angelis, Ewens Abid
Heimkino VÖ: 13. Februar 2026, LEONINE

