MITSKI – Nothing’s About To Happen To Me


Foto-© Lexie Alley

Where did it go?
Where′s my phone?
Where’s my phone?
Where did I leave?
Where′d I go?
Where’d I go?

A woman always on the street called me a ditch
„A ditch on my block,“ she said
I just want my mind to be a clear glass
Clear glass with nothing in my head

I keep thinking, „Surely, somebody will save me“
At every turn, I learn that no one will
I just want my mind to be a clear glass
Clear glass with nothing instead (pa-pa-pa)

(Mitski – Where’s My Phone?)

So sphinxartig wie die weißgraue Cover-Katze mit den unterschiedlich farbigen Augen bleibt Mitski Miyawaki, als Künstlerin kurz Mitski, auch auf ihrem neuen, vielleicht bisher besten Album. Musik und Texte geben (zum Glück) weiterhin Rätsel auf, trotz all der öffentlichkeitswirksamen TikTok-Popularität, die sich seit einigen Jahren zu einem Internet-Hype rund um die inzwischen 35-Jährige gesteigert hat. Nein, diese in Japan geborene US-Singer-Songwriterin gibt nicht zu viel von sich preis, daraus wird keine weitere Taylor Swift oder Charli XCX mit ihrer für manche enervierenden (ob freiwillig oder nicht) medialen Dauerpräsenz.

Eher orientiert sich Mitski mit ihrer langsamen, aber stetigen künstlerischen Reifung (und durchaus auch stilistisch) an Kolleginnen wie Michelle Zauner alias Japanese Breakfast oder Natalie Mering aka Weyes Blood. Sie lässt mit ihrem bereits achten Album Nothing’s About To Happen To Me ihre Lieder für sich sprechen und ist dabei flexibel zwischen Americana-Country und Seventies-Folk, Barock-Pop und Indie unterwegs. Die Story (kurz zusammengefasst: „a reclusive woman in an unkempt house: outside of her home, she is a deviant; inside of her home, she is free“) ist hinreichend verschroben; die Melodien sind meist sanft und verführerisch, um gelegentlich vom puren Schönklang in ruppig-grungigen Gitarrenrock abzudriften (Where’s My Phone?, If I Leave, Lightning).

Besonders gelungen ist die zweite Single I’ll Change For You, ein verträumter Midtempo-Track mit einem üppigen, leicht exotischen Musical-Arrangement aus Streichern, Schlagzeug, jazzigem Klavier, Gitarre, Flöte und Vibraphon – in den Lyrics ein anrührendes Flehen um Liebe und Akzeptanz: „’Cause I’ll do anything/For you to love me again/If you don’t like me now/I will change for you“. Auch das irritierend betitelte Dead Women und das chorale Charon’s Obol leben von einer gegenüber dem Vorgängeralbum The Land Is Inhospitable And So Are We (2023) nochmals gesteigerten Opulenz und Intensität.

Und nicht zuletzt von einer Stimme, die immer selbstbewusster und zeitloser über dieser abwechslungsreichen Hochglanz-Produktion (Patrick Hyland) schwebt. Mitski gehört längst zu den herausragenden Sängerinnen ihrer Generation der Mittdreißigerinnen, auf Augenhöhe mit den weiter oben schon erwähnten Indie-Heldinnen Zauner und Mering. Die Instrumentierung stammt von Mitskis Tourband und einem erweiterten Ensemble, die Orchesteraufnahmen entstanden in den legendären Sunset Sound und TTG Studios von Los Angeles. Ob Nothing’s About To Happen To Me nun neuen Internet-Trubel lostritt oder nicht, ist angesichts der Qualität dieses Albums völlig nebensächlich. Mitski darf sich also gern weiter auf ihre Musik konzentrieren.

Mitski – Nothing’s About To Happen To Me
VÖ: 27. Februar 2026, Dead Oceans
www.mitski.com
www.facebook.com/MitskiLeaks

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Werner Herpell

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