ROSMARIN – Interview

Foto-© Paul Strassner

Zwischen Festivalbühnen, ausverkauften Clubshows und einer stetig wachsenden Fanbase haben rosmarin in den letzten Jahren ihren eigenen Kosmos geschaffen. Was zunächst als Studiosession im Schwarzwald begann, wurde zu einem Album, das weniger geplant als vielmehr passiert ist. SILHOUETTEN lebt von Momenten – von Live-Takes, von nächtlichen Jams, von Textzeilen, die aus kleinen Alltagssituationen entstehen und sich plötzlich größer anfühlen als gedacht. rosmarin zeichnen Figuren – Silhouetten –, in denen sich jede*r wiederfinden kann.

SILHOUETTEN ist geprägt von Kontrasten: Indie trifft auf Autotune, intime Piano-Momente auf ausufernde Instrumentals, sanfte Features auf energetische Genrebrüche. Vieles entstand live im Raum. Statt sich an Erwartungen zu orientieren, ließ die Band Intuition zu.

Was war so der erste Track, an dem ihr gearbeitet habt – und wann wusstet ihr: Okay, das wird jetzt ein Album?
Noah: Das ist ’ne gute Frage. Eigentlich ist alles im Schwarzwald passiert. Wir hatten da eine Studiosession geplant, waren anderthalb Wochen in einem richtig geilen Studio. Eigentlich dachten wir, wir nehmen Songs für eine EP auf. Aber wir kamen so gut voran und hatten irgendwann so viele Sachen am Start, dass wir gesagt haben: Ey, lass doch ein Album machen. Der älteste Song ist auf jeden Fall Weit weg. Den gibt’s schon, seit es ROSMARIN gibt – in einer ganz anderen Version. Der hat sich über die Jahre immer weiter verändert.
Silas: kind war auch relativ früh da. Aber am Anfang war noch gar nicht klar, dass es ein Album wird. Das ist wirklich eher so ein Zufallsalbum entstanden. Wir haben im Studio irgendwann gezählt: sechs, sieben Songs – wenn wir noch ein oder zwei machen und unsere Instrumentals dazunehmen, dann ist das ja ein Album. Und so wurde die Idee geboren.

Das Album klingt total nach euch, aber productionmäßig trotzdem anders. Habt ihr bewusst experimentiert?
Silas: Ja, safe. Wir haben viel mit Live-Takes gearbeitet. Also wirklich alle in einen Raum gestellt und den Song von vorne bis hinten gespielt. Viel von dieser Energie ist auf der Platte geblieben. Auch die Instrumentals sind teilweise einfach aus Jams entstanden. Wir wollten productionmäßig weitergehen als bei lila/grün. Einfach was anderes machen.
Noah: Das Main-Ding war: Wir wollen uns mehr trauen. Vor zwei Jahren hätten wir manche Sachen vielleicht noch nicht gemacht – bestimmte Vocal-Effekte, Grooves oder Arrangements. Diesmal haben wir einfach gemacht und es fließen lassen, ohne zu sehr zu überlegen, wie es „klingen soll“.
Silas: Zum Beispiel fett Autotune auf Vocals über einem Indie-Instrumental – solche Gegensätze fanden wir mega. Einfach machen, weil wir Bock drauf haben. Und wir sind halt Mukker. Neues auszuprobieren macht viel mehr Spaß, als immer nach dem gleichen Muster Songs zu bauen – vor allem als Band.

blume wirkt sehr bildhaft. Gibt es eine konkrete Inspiration dahinter?
Silas: blume ist eigentlich mega random. Ich war elf oder zwölf, bin auf dem Dorf aufgewachsen und wollte für meine Mum eine Blume pflücken. Hab die aus einem Vorgarten abgeschnitten, mich umgedreht – und im Haus gegenüber stand eine Oma am Fenster und hat nur den Kopf geschüttelt. Ich bin einfach nur gerannt. Diese Szene ist mir total im Kopf geblieben. Später hab ich die Hook geschrieben und mit Luca drüber gesprochen. Und dieses Bild – Blume, Vergänglichkeit, Zeit – fanden wir einfach stark. Ich glaube, was ich an unseren Texten cool finde, ist, dass jeder was anderes reininterpretieren kann. Wir nehmen oft eine kleine Alltagssituation und beschreiben das Gefühl dazu so groß und intensiv wie möglich. Obwohl es eigentlich nur eine kleine Geschichte ist. Das ist glaube ich auch das Ding bei dem Album.

Gab es Momente, in denen ihr euch bewusst erlaubt habt, kindlich zu denken?
Silas: Ja, auf jeden Fall. Vor allem bei den Skits und Instrumentals. Wir haben einfach ein Bierchen getrunken, gejammt und gesagt: Wir machen das jetzt for the sake of music. Nicht nachdenken, nicht kalkulieren – einfach machen. Gerade als aufstrebende Band denkt man ja auch: Macht das Sinn? Funktioniert das streamingmäßig? Aber sich diesen Gedanken mal nicht zu geben und nur aus dem Gefühl heraus zu arbeiten – das war wichtig.
Noah: Spaß haben ist vielleicht das Kindlichste überhaupt. Und wir wissen auch, dass ein Entstehungsprozess nicht immer nur Spaß ist. Wenn man versucht, etwas zu erzwingen, wird es schnell anstrengend. Wir haben gelernt: Man muss eine gute Zeit haben und hinter dem stehen, was man macht.
Silas: Gleichzeitig wollten wir schon auch erwachsener klingen. Zwischen lila/grün und SILHOUETTEN liegen zwei Jahre – das sollte man hören. Es soll nach Weiterentwicklung klingen.

YouTube Video

 

Was sind eure Lieblingssongs auf dem Album?
Noah: Ich glaub, weit weg ist fast mein Favorite. Der Groove, das Thema – und Emmas Part haut mich jedes Mal um.
Silas: Bei mir ist es leere worte. Die Genres passen eigentlich null zusammen, aber irgendwie zu hundert Prozent. Und Jakobs Verse ist einfach wow. Der Entstehungsprozess war auch mega – wir waren ein paar Tage in Kiel im Studio und haben einfach alles ausprobiert, was in den Raum kam.

Mit wem würdet ihr gerne noch ein Feature machen?
Silas: Immer was, das auf den ersten Blick gar nicht so zu uns passt. Vielleicht noch ein Rap-Feature. OG Keemo wäre crazy.
Noah: Ich bin riesiger Bilderbuch-Fan. Mit denen mal im Studio zu sein, wäre krass. Die lassen Sachen einfach fließen, sind ultra experimentell. So ein Vibe würde mich total interessieren.

Rosmarin Tour:
20.02. Hannover, Kulturzentrum Faust
21.02. Oberhausen, Gdanska
22.02. Köln, Gebäude 9
23.02. Saarbrücken, Kleine Garage
25.02. Magdeburg, Moritzhof
26.02. Leipzig, Moritzbastei
27.02. Dresden, GrooveStation
28.02. Erfurt, Engelsburg Club
01.03. Wiesbaden, Schlachthof
03.03. Rostock, Peter Weiss Haus
04.03. Bremen, Tower
05.03. Hamburg, Bahnhof Pauli
06.03. Berlin, Frannz Club
08.03. Erlangen, E-Werk
09.03. Ulm, Roxy
10.03. Stuttgart, Im Wizemann
11.03. München, Strom
12.03. Heidelberg, Karlstorbahnhof
06.06. Kassel, Kulturhaus Dock 4
21./22.08. Kiel, Funhouse Festival

YouTube Video