
Foto-© Agentur
Move to the beat, feel it unfold
Wait for the drop now, story’s untold
Feel the rhythm, feel the soul
Disco jazz, we lose control
(Nubiyan Twist feat. Fatoumata Diawara – Chasing Shadows)
Der Jubel war einhellig über das britische Jazz/Soul/Hip-Hop/Afrobeat-Kollektiv Nubiyan Twist und sein Album Find Your Flame von 2024. „So ziemlich der heißeste Scheiß auch über Stil-Grenzen hinaus“, war da beispielsweise von Kritiker-Seite zu lesen. Zwei Jahre später sind Abstriche an dieser euphorischen Einschätzung nicht notwendig – im Gegenteil.
Mit dem Nachfolger Chasing Shadows (und zusätzlich befeuert durch etliche schweißtreibende Konzerte in Europa) beweisen die nach aktueller Zählung neun Musiker abermals, dass die Pop-Insel eine der spannendsten Groove-Communitys überhaupt beheimatet. Und dass Nubiyan Twist ein elementarer Bestandteil der Londoner Szene sind, die dem Jazz seit Jahren jedes „Riecht irgendwie komisch“-Feeling („Jazz is not dead…it just smells funny“ – angeblich von Frank Zappa) austreibt.
Vor allem ist dies eine Platte, die das leidige Thema „Künstliche Intelligenz in der Musik“ auf wunderbar leichthändige Weise beiseite schiebt. „Wir wollten etwas schaffen, das Freude vermittelt und ganz und gar menschlich ist – etwas, das ohne diese Verbindung zwischen Menschen nicht existieren könnte“, sagt der NT-Produzent und Bandleader Tom Excell. „Man kann eine KI dazu bringen, innerhalb von Sekunden eine Fuge zu schreiben, aber sie kann die Chemie und das Chaos nicht einfangen, die entstehen, wenn Musiker im Einklang miteinander spielen. ‚Chasing Shadows‘ ist unsere Art, daran festzuhalten.“
Ja, dies ist Musik voller Wärme, Inspiration und Spontaneität. Oder, wie das Nubiyan-Twist-Label Strut Records mit etwas anderen Worten zu Recht behauptet: „Musik, die bewegt, schwitzt und atmet, gemacht von echten Menschen in echten Räumen, mit hochkarätigen Features, die verschiedene Stimmen aus der Musikszene, in der sie sich bewegen, zusammenbringen.“ Als da wäre als Gast im Titelstück die großartige malische Sängerin Fatoumata Diawara, bekannt durch ihre Auftritte mit Damon Albarn (Gorillaz, Blur) und das von ihm mitgestaltete, meisterhafte 2023er Album London Ko. Sie ist inzwischen längst ein Worldmusic-Weltstar (mit neuem Soloalbum Massa ab 5. Juli, freut euch drauf!), in den Nubiyan-Twist-Stilmix passt sie sich weiterhin perfekt ein.
Andere Featuring-Beiträge liefern der US-Rapper Bootie Brown (Red Herring), der ghanaische Hip-Hopper M.anifest (How Far), das tansanische Afrobeat-Duo The Zawose Queens (Mlonje: Voices Joined), der Londoner Reggae/Dancehall-Künstler Mr. Williamz (Message), die kalifornische R&B-Klavierlegende Patrice Rushen (Threads) und einer der Masterminds der jungen Londoner Jazz-Szene, Joe Armon-Jones, im Closer Rhythm Of You. Allein die Aufzählung all dieser Namen und Stile zeigt das breite Spektrum von Chasing Shadows – langweilig wird es nie, mitreißend und/oder berührend eigentlich immer.
Nicht zu vergessen natürlich die neue Sängerin von Nubiyan Twist, Eniola Idowu, auf Anhieb Herz und Seele der Band. Und dieses wirklich fantastisch groovende Rhythmus-Duo, Luke Wynter am Bass und Drummer Finn Booth. Und diese alle Club-Wände zum Beben bringende Bläser-Sektion. Ja, es gibt viel zu bewundern an der 2011 in Leed gegründeten, inzwischen in London ansässigen Band. Und an Chasing Shadows, einem „Album, das Kontinente überquert und unsere kollektive Stärke ungeniert feiert“, wie die Plattenfirma Strut zusammenfasst. Der Frühling kann kommen mit so einer Muntermacher-Musik.

Nubiyan Twist – Chasing Shadows
VÖ: 20. März 2026, Strut Records
www.nubiyantwist.co.uk
www.facebook.com/NubiyanTwist

