THE NOTWIST – News From Planet Zombie


Foto-© Bernd Hofmann

You sent me pictures of your neck
How did you want me to react?
How did you want me to respond?
Look, we can sleep any way you want
With my arms around your arms
Or I can sleep out in the car

I got hung up on the wrong hook (Maybe I got stuck)
I’m tired of knocking wood (Maybe I got stuck)
Not getting let in (Maybe I got stuck)
Your eyes are two deep pools of mud (Maybe I got stuck)
Maybe I got stuck
Maybe I got stuck

(The Notwist – How The Story Ends)

Es gab und gibt nicht viele Bands aus Deutschland, deren Musik auch in britischen und nordamerikanischen Pop-Metropolen beziehungsweise den dortigen Medien als relevant wahrgenommen wird. Klar, Kraftwerk gelten weltweit als stilbildend für „Krautrock“ und später Techno, auf Can können sich ebenfalls viele Experten als Worldmusic-Vorreiter einigen, die Einstürzenden Neubauten haben zumindest im UK einen sehr guten Ruf als teutonische Lärm-Pioniere. (Den Erfolg von Rammstein und Scorpions blenden wir hier mal aus, den Charts-Pop von Modern Talking und Nena auch.) Aus den vergangenen 25 Jahren bleiben dann in punkto internationale Wirkung eigentlich nur noch: The Notwist.

Eine sehr beständige Band aus Weilheim in Bayern (Gründung 1989!), deren origineller Sound zwischen Indie-Pop, Noise- und Post-Rock, krautigen und elektronischen Experimenten sie mindestens seit dem Schlüsselwerk Neon Golden (2002) als „Musician’s Musicians“ und als Kritikerlieblinge etabliert hat. Nach dem starken Comeback mit Vertigo Days (2021) haben sich die Protagonisten Markus und Micha Acher und die anderen Bandmitglieder Theresa Loibl, Max Punktezahl, Karl Ivar Refseth und Andi Haberl fünf Jahre Zeit genommen, um nun mit einem sehr vielseitigen Album nachzulegen.

Wer – wie dieser Reviewer – mit The Notwist und ihren latent verkopften Klangarchitekturen schon früher ein bisschen gefremdelt hat, wird sich auch mit News From Planet Zombie nicht auf Anhieb anfreunden, aber die Mühe des Sich-Reinhörens lohnt. Und für echte Fans der Wahl-Münchner fallen die elf neuen Tracks sowieso wie Manna vom Himmel. Schon Teeth entwickelt nach vorsichtigem, sprödem Aufbau einen fast schon hymnischen Notwist-Sog, inklusive Loibls melancholischer Bassklarinette und Background-Gesang, der Markus Achers gewohnt helle, fragile Vocals stützt.

X-Ray greift danach die verzerrten Gitarren des sechsminütigen Openers nochmal auf und geht insgesamt in eine schrammeligere, krachigere Richtung (wie später auch Silver Lines). Das Instrumental Propeller wird dem Ruf von The Notwist als Krautrock-Erneuerer gerecht. Und Red Sun ist eine schüchtern-schöne, folkige Ballade, der vor allem gegen Ende der Platte noch weitere folgen (Who We Used To Be, Projectors, Like This River).

News From Planet Zombie wurde in München (also nicht im ländlichen Biotop Weilheim) eingespielt, es ist „das erste Studioalbum seit ’12‘ aus dem Jahr 1995, das die gesamte Band in ihrer erweiterten Live-Besetzung gemeinsam im Studio aufgenommen hat“, wie das Label Morr Music schreibt. „Für ‚Planet Zombie‘ nutzte das Kern-Trio Markus und Micha Acher sowie Christoph ‚Cico‘ Beck die vielfältigen Möglichkeiten des gemeinsamen Songwritings, brachte Songs in die Band ein und arrangierte, probte und nahm das Material dann live im Studio auf.“

Die „Offenheit für Zufälle“ zeige sich „in den Gastauftritten von Freunden aus der Region und aus aller Welt, die das kosmopolitische München widerspiegeln: Enid Valu singt mit, Haruka Yoshizawa spielt Taishōgoto und Harmonium, Tianping Christoph Xiao Klarinette und Mathias Götz Posaune.“ Ungewöhnlich ist auch, dass The Notwist für ihr neues Album gleich zwei Coverversionen aufgenommen haben: das schon erwähnte Red Sun (von Neil Young) und How The Story Ends (von der Folkpop-Band Lovers aus Athens/Georgia).

Und worum geht es nun auf dem Planet Zombie? „Im Titel und in einigen Texten beziehe ich mich auf B- und Horrorfilme, was ein Verweis auf die derzeitige verrückte Welt ist, die wie ein wirklich schlechtes und unrealistisches B-Picture wirkt“, sagt Markus Acher. Andererseits: „Der Fluss hier in München, an den ich oft gehe, ist schon immer da gewesen und wird noch lange nach uns da sein.“ Unruhe und Beruhigung – typisch The Notwist.

The Notwist – News From Planet Zombie
VÖ: 13. Februar, Morr Music
https://notwist.com
www.facebook.com/thenotwist

The Notwist Tour:
20.04.26 Köln, Carlswerk Victoria
25.04.26 Heidelberg, Karlstorbahnhof
26.04.26 Hamburg, Große Freiheit
27.04.26 Berlin, Astra
28.04.26 Erlangen, E-Werk
09.06.26 München, Circus Krone

YouTube Video

Werner Herpell

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