
Foto-© Walker + Worm / Felix Pflieger
Ist es nicht besser, etwas zu fühlen als gar nichts zu fühlen?
(Tanja – Allegro Pastell)
Allegro Pastell, inszeniert von Anna Roller und basierend auf dem gleichnamigen Roman von Leif Randt, erzählt von zwei Menschen, deren Aufeinandertreffen sich einmal wie Schicksal angefühlt hat und die sich langsam verlieren. In den Hauptrollen verkörpern Jannis Niewöhner und Sylvaine Faligant diese brüchige Nähe mit einer spürbaren Zurückhaltung.
Im Sommer 2018 leben Tanja und Jerome zwischen Berlin und Maintal, verbunden durch Nachrichten, Anrufe und seltene Besuche. Eine Beziehung auf Distanz, die – zumindest nach außen – funktioniert. Doch der Film interessiert sich nicht für das Offensichtliche, sondern für die feinen Verschiebungen darunter. Als ihr Freund ihr eine Website für ihren kreativen Auftritt baut, ist sie nicht gerührt, sondern eher irritiert. Fast so als würde eine gut gemeinte Geste plötzlich eine Distanz sichtbar machen, die vorher nur unterschwellig da war. Während er versucht, Nähe herzustellen und etwas zu reparieren, was er vielleicht selbst noch nicht ganz greifen kann, driftet sie innerlich weiter weg. Sie braucht Raum, zieht sich zurück und verlässt sogar ihre eigene Geburtstagsfeier.
Es ist eine Zeit des Reflektierens und gleichzeitig des stillen Rückzugs. Der Film zeigt diese Zustände ohne Umwege und ohne große Erklärungen. Vieles passiert in Gesprächen, in Blicken, in Pausen zwischen Sätzen, die eigentlich mehr sagen als die Worte selbst. Immer wieder geht es um die gleichen Fragen: Was hält eine Beziehung eigentlich aus? Gibt es diesen einen „Spark“ wirklich oder ist er nur ein Moment, der sich irgendwann verändert? Der Film spricht über Monogamie und emotionale Belastbarkeit, ohne Antworten zu liefern, sondern indem er die Unsicherheit selbst sichtbar macht. Man ist noch verbunden und gleichzeitig schon müde voneinander. Irgendwann merkt man, dass man nicht mehr im selben Tempo läuft, sondern sich langsam voneinander entfernt ohne genau zu wissen, wann es überhaupt angefangen hat.
Affären werden nicht als große Skandale gezeigt, sondern als leise Ausweichbewegungen. Dinge werden verheimlicht, Wahrheiten verschoben und langsam entsteht das Gefühl von Kontrollverlust. Gleichzeitig wächst das Vermissen des eigenen Lebens vor der Beziehung und damit die Frage, ob Nähe auch einengen kann. Es geht auch um die Angst vor Bindung und darum, wie sehr Kommunikation gleichzeitig verbinden und verletzen kann. Sind Sprachnachrichten ehrlich oder schon eine Form von Verzerrung? Kann eine Freundschaft bestehen, wenn Gefühle im Raum stehen? Und ist es möglich etwas zurückzuholen, wenn man ihm nur genug Zeit gibt? Die Musik trägt diese Zustände wie ein zweiter Erzählstrang. Sie ist ein Spiegel der Emotionen – manchmal ruhig, manchmal brechend, immer genau dort, wo Worte nicht mehr ausreichen.
Man trifft Entscheidungen impulsiv, manchmal widersprüchlich. Nicht alles, was sich falsch anfühlt, ist wirklich falsch. Und nicht alles, was sich richtig anfühlt, trägt einen sicher. Der Film zeigt genau diese Grauzonen und lässt sie stehen, ohne sie aufzulösen. Denn alles im Leben ist Erfahrung. Verletzlichkeit wird hier nicht als Schwäche gezeigt, sondern als etwas zutiefst Menschliches. Etwas, das uns lernen lässt, was uns wirklich wichtig ist. Auch wenn man sich verletzt, sich verliert und nicht immer versteht, was der andere denkt, bleibt etwas zurück: ein Lernen, ein Verstehen, ein Akzeptieren.
Am Ende wird klar, dass Beziehungen nicht nur aus Zusammenbleiben bestehen, sondern auch aus Veränderung. Dass man jemanden lieben kann und ihn trotzdem loslassen muss. Und dass diese Menschen oft trotzdem ein Teil von uns bleiben. Weil sie uns gesehen haben. Weil sie uns geprägt haben. Und weil genau diese Verletzlichkeit zeigt, dass Liebe nicht verschwindet, sondern sich nur verändert. Und vielleicht liegt genau darin der Frieden dieses Films: dass das Leben weitergeht und Liebe trotzdem immer bleibt.

Allegro Pastell (D 2026)
Regie: Anna Roller
Cast: Jannis Niewöhner, Luna Wedler, Sylvaine Faligant, Martina Gedeck, Wolfram Koch, Haley Louise Jones
Kinostart: 16. April 2026, DCM
In Kooperation mit DCM verlosen wir zwei Kino-Freikarten für Allegro Pastell – ihr wollt ins Kino und gewinnen? Dann schickt uns bis zum 4. Mai eine Mail mit dem Betreff „Allegro Pastell“ an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr Anfang nächster Woche zwei digitale Freikarten von uns in eurem digitalen Postfach!

