COURTNEY BARNETT – Creature of Habit


Foto-© Lindsey Byrnes

Just got back today
And I’m searching round the place
Looking for you-know-who
But there’s no sign yet
Singing, auto-pilot days
Shining, ultra-violet rays
On this dusty skeleton
I feel akin on a cosmic level

I can see right through ya
Yeah, I can read your bones
Just like a telephone book
Maybe I should
Give it up, begin again
I am exercising how good it feels to be alive and
No surprises up my sleeve
Everything is temporary

(Courtney Barnett – Mantis)

Courtney Barnett beim Denken zuhören klingt meistens gut. Auf Creature of Habit – ihrem aktuellen Studioalbum – sinnieren wir mit ihr über die Frage, wie man sich nicht länger im Weg steht, um das Leben wirklich zu spüren. Antwort: Geduld, Prioritäten, Unaufgeregtheit. So in der Theorie. Das Schöne an Barnett ist nämlich, dass sie die Spanne zwischen Versuchen und Erreichen mit authentischem Pragmatismus füllt und in Songs verpackt, die das Kleine zum Großen machen und Überforderung mit Humor begegnen.

Dass dieses Album überhaupt existiert, ist dabei alles andere als selbstverständlich. Geschrieben in einem Joshua-Tree-Sublet, während sie ernsthaft darüber nachdachte, mit der Musik aufzuhören, wirkt Creature of Habit wie ein Nebenprodukt der Selbstvergewisserung. Der Wendepunkt: eine Gottesanbeterin im Türrahmen ihrer Küche. Ein kurzer, seltsamer Moment, der für Barnett – natürlich – Bedeutung bekommt. Geduld, Ausdauer, ein Zeichen. Kaum jemand kann Alltägliches so glaubwürdig aufladen wie sie.

Klanglich übersetzt sich diese Suche in Wiederholung und Reduktion. Barnett macht aus zwei, drei Akkorden ganze Songs, lässt Gitarrenfiguren kreisen, bis sie etwas freilegen. Diese typischen Schleifen tragen auch hier viele Stücke, nur wirken sie weniger verspielt als früher, eher wie ein Mantra mit viel Raum für Gedanken. Stay in Your Lane stolpert bewusst vor sich hin, mit brüchiger Bassline und trockenen Drums. Ein Song, der genau so unsicher klingt, wie er sich anfühlt. Site Unseen dagegen öffnet sich, nicht zuletzt durch die Harmonien von Waxahatchee, die dem Stück Leichtigkeit geben. Fast schon hypnotisch endet One Thing At A Time, gefolgt von Mantis – dem Zentrum des Albums und der wahrscheinlich typischste Barnett-Song der Platte. Die Gitarren sind hier heller als sonst, während unten drunter alles stoisch vor sich hinläuft. Das erinnert an ihre Zusammenarbeit mit Kurt Vile: dieses lässige Dahingleiten, bei dem mehr passiert, als man zuerst denkt. Barnett klingt dabei ein bisschen sortierter – „sort of“ –, als würde sie sich selbst beim Denken zuhören und nebenbei versuchen, die Dinge irgendwie auf Linie zu bringen. Sugar Plum dreht das noch eine Spur weiter: leicht selbstironisch, ein bisschen ratlos, und dann dieser Refrain, der sich ganz langsam Richtung Optimismus schiebt, ohne ihn je ganz festzuhalten. In Great Advice verhandelt sie Gelassenheit bei übergriffigen Ratschlägen, Same bricht mit New-Wave-Synths und Tempo aus dem typischen Sound aus und beschreibt in zwei Zeilen, was das Genie an Barnett ist: „I’m ill at ease, and maybe I’m grieving // The idea of how I thought it might be“

Courtney Barnett ist die Weltmeisterin des Overthinking, das sich kurz wie Klarheit anfühlt. Creature of Habit ist ein Album, das sich selbst beim Entstehen zuhört. Danke an die Gottesanbeterin, wir hätten Barnett sehr vermisst.

Courtney Barnett – Creature of Habit
VÖ: 27. März 2026, Virgin Music
www.courtneybarnett.com.au
www.instagram.com/courtneybarnett

Courtney Barnett Tour:
05.10.2026 Berlin, Huxleys Neue Welt
06.10.2026 Köln, Bürgerhaus Stollwerck

YouTube Video