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Please don’t leave me.
(Hind Rajab – Die Stimme von Hind Rajab)
Die titelgebende, sechsjährige Hind Rajab Hamada steckt unter schwerem Beschuss in einem Auto mitten in Gaza fest. Ihre einzige Überlebenschance sind die freiwilligen Mitarbeiter der „Rothalbmond-Gesellschaft“, die ihren Notruf entgegennehmen und zusehends verzweifelt versuchen, einen sicheren Korridor zu verhandeln, um einen Krankenwagen zu ihr zu schicken.
Immer wieder werden Filme, die als Antikriegsfilme angedacht sind, nicht wirklich als solche wahrgenommen. Irgendwie, irgendwo schafft es doch jemand das gezeigte Elend und die Gewalt „cool“ zu finden. Das wird bei Die Stimme von Hind Rajab niemandem gelingen, was den Film jedoch nicht weniger kontrovers macht. Der Film basiert nicht nur auf einer wahren Begebenheit, er baut auch primär auf realen Elementen auf. Den 89 Minuten-Film liegen rund 70 Minuten originale Aufzeichnungen des Gesprächs zwischen Hind Rajab und den Telefon-Agenten zugrunde. Diese werden fließend eingebunden, mit Quellenangabe und teilweise auch visuell als abgespielte Audiodatei eingeblendet. Dabei wird elegant zwischen den Schauspielerstimmen und den realen Stimmen übergeblendet. Ein Element, das später sogar noch um reale Handyaufnahmen erweitert wird. Das tatsächliche Kriegsgebiet sieht man, ebenso wie die Agenten, aus deren Perspektive der Film erzählt wird, nicht, zumindest nicht bis zum unausweichlichen Epilog des Films. Bis auf dieses Element ist die Inszenierung sehr nüchtern, die Emotionen sprechen für sich, es wird auf dramatische Musik oder Schnitte verzichtet, ohne dabei jedoch in einen Dokumentarstil zu verfallen. Das Gezeigte soll schlicht echt wirken, nichts zusätzlich erklären oder überinszenieren. Somit wird zuweilen ein etwas amateurhafter Look erzeugt, der aber vermutlich gewollt ist. Denn auch wenn der Zuschauer bzw. seine Gefühlswelt nicht offensichtlich beeinflusst werden soll, liegt dem Film von Natur aus eine israelkritische Haltung inne. Dies lässt sich bei dem Subjekt der Geschichte nicht ändern, aber die Angriffsfläche wird so zumindest minimiert. Der Verlauf der Geschichte selbst kann als Film nicht kritisiert werden, die Inszenierung des Konflikts zwischen den Mitarbeitern der „Rothalbmond-Gesellschaft“ wirkt jedoch etwas konstruiert. Auch wenn man diese stellvertretend für den Zuschauer hinterfragen und anprangern muss, warum es denn so lange dauert Hilfe zu organisieren und zu koordinieren und so auch der Druck unter dem sie leiden und den sie sich selbst machen gut herausgearbeitet werden kann, bleibt die Vermutung das zumindest der interne Umgangston etwas humaner sein muss, da man sich sonst kaum an jedem folgenden Tag in die Augen sehen und gemeinsam die gute und wichtige Arbeit fortsetzen kann.
Ein Wort an dieser Stelle zu der Technik. Der Film ist im Stream und auf DVD erhältlich. Obgleich das Format der DVD natürlich nicht den Ansprüchen von Technik-Puristen genügt, spielt dies in diesem konkreten Fall, auch ob der ohnehin fehlenden optischen und akustischen Finesse keine Rolle. Egal wie ihr den Film schaut, es gibt nur die arabische Tonspur und deutsche Untertitel. Aufgrund der eingebauten Original-Audioaufnahmen würde jede andere Präsentation keinen Sinn ergeben. Die Stimme von Hind Rajab wird auf jeden Menschen unterschiedlich wirken, aber schwer zu ertragen wird das Gezeigte für alle sein. Durch die nüchterne Inszenierung bleibt man jedoch während des Schauens etwas mehr auf Abstand als man erwarten würde, umso belastender ist das Gezeigte und Gehörte jedoch im Nachgang. Dem Film inne und auch im Film mehrfach thematisiert wird, dass die Stimme von Hind Rajab gehört werden soll und dieser Forderung würde ich mich anschließen. Dennoch sollte jeder anhand der Synopsis selbst entscheiden, ob er oder sie mental stark genug ist, dieser Geschichte knapp 90 Minuten beizuwohnen und danach mit sich zu tragen.

The Voice of Hind Rajab (TUN, FRA 2025)
Regie: Kanouther Ben Hania
Darsteller: Saja Kilani, Motaz Malhees, Amer Hlehel, Clara Khoury, Nesbat Serhan
Heimkino Release: 23. April 2026, STUDIOCANAL

