ROSTAM – American Stories


Foto-© Matthew Weinberger

Some nights we slide up together
Side by side
And some days you wake in the moonlight
I’m not around

Everybody
Wants you
Tied up easily except for me

I only ever wanted you to feel freed of it
I only ever wanted you to feel freed of it
I only ever wanted you to feel freed of it
To feel freed of it

Some day I’ll trade in the passing feeling
Something’s always wrong
And some night I’ll hang from the ceiling
Like a spark

(Rostam – Like A Spark)

Rostam Batmanglij? Ja, Rostam Batmanglij! Oder inzwischen kurz und bündig Rostam. Jedenfalls ein Großer im Indiepop der vergangenen 20 Jahre, ein exotischer Name zwar, aber einer, den jeder kennt, der jemals etwas von Vampire Weekend gehört hat. Und das sollte man ja nun wirklich, gelle?

Dieser Rostam Batmanglij also ist für einige der besten Alben der 2000er- und 2010er-Jahre verantwortlich. Das selbstbetitelte Debüt der von ihm mitgegründeten New Yorker Band (2008), der mindestens ebenso tolle Nachfolger Contra (2010), das von vielen Musikkritikern als absolutes Vampire-Weekend-Meisterstück gepriesene Modern Vampires Of The City (2013) – meine Güte, das waren vor Energie, Esprit und Einfallsreichtum nur so sprühende Pop-Wundertüten, in denen Afrobeat und Indie-Rock, New Wave und Reggae, Punk und World Music so wunderbar harmonisch zueinander fanden wie wohl seit den Talking Heads nicht mehr.

Dann verließ Rostam, wie er sich als Solokünstler fortan nannte, das hippe, erfolgreiche Quartett, um sich seit 2016 als Singer-Songwriter zu verwirklichen. Auch wenn Vampire Weekend ohne ihren Keyboarder und Producer mit dem soften Father Of The Bride (2019) und vor allem mit dem sensationell innovativen Only God Was Above Us (2024) ihre Ausnahmestellung im Indiepop untermauerten („Album des Jahres“-Auszeichnungen inklusive), so war man doch stets gespannt, was dieser hochtalentierte Typ unter eigener Flagge hinbekommen würde.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nach den gelungenen Rostam-Soloalben Half-Light (2017) und Changephobia (2021) beschert er mit American Stories ganz sicher auch vielen geneigten Vampire-Weekend-Fans ein weiteres Aha-Erlebnis. Tatsächlich ist das geschmeidige Schmelztiegel-Pop-Verständnis seiner früheren Band den neun „amerikanischen Geschichten“ ebenso eingeschrieben, die Batmanglij hier aus der Sicht eines queeren Mannes mit iranischen Wurzeln in gut einer halben Stunde erzählt. Und natürlich ist auch bei diesem Ableger von Vampire Weekend kein stinknormales Popalbum herausgekommen, sondern eine so spannende wie inspirierte Genre-Mischung ohne jegliche Scheuklappen.

Schon der Opener Like A Spark fügt Akustikgitarre, Piano und Schlagzeug im cleveren Rostam-Baukastensystem raffiniert mit persischer Saz und exotischen Streichern zusammen, gekrönt vom immer leicht melancholischen Gesang des 42-jährigen Batmanglij. Es klingt fantastisch. Ebenso wie das anschließende, mit Pedal-Steel-Gitare verzierte Back Of A Truck, einer zarten schwulen Liebesgeschichte, die Rostams Vocals ganz besonders intensiv nach dem inzwischen unumstrittenen Vampire-Weekend-Mastermind Ezra Koenig klingen lassen. Was sich später auch über das mit einem traumhaften, neoklassischen Strings-Arrangement aufwartende Hardy und die Ballade To Feel No Way sagen lässt.

Die stilistische Nähe zur Ex-Band ist also auf einigen dieser American Stories von Rostam herauszuhören, ohne dass man hier nun von einem Abklatsch sprechen könnte. Dazu ist die Synthese aus nordamerikanischen Pop-Traditionen und persischen Texturen viel zu überzeugend. Die Einflüsse aus verschiedenen Welten (die sich gerade wieder in einem hässlichen Krieg und beidseitig fundamentalistischen Kulturkampf gegenüberstehen) verbindet der gebürtige Washingtoner in sensiblen Texten, die seine Erfahrungen als US-Amerikaner mit migrantischem Hintergrund (und als homosexueller Mann) reflektieren.

„Irgendwann während dieses Albums wurde mir klar, dass ich eine Platte machen wollte, die meine Identität als iranischer und amerikanischer Mensch widerspiegelt“, sagt Rostam über American Stories. „Die iranischsten Elemente direkt neben die amerikanischsten zu stellen, bereitete mir große Freude. Als ich zum ersten Mal mikrotonale Saz‑Melodien über westliche Gitarren-Akkorde legte, war ich irritiert von der Reibung zwischen beiden. Aber je mehr ich es hörte, desto mehr fühlte ich mich von genau dieser Reibung angezogen. Ich wurde süchtig danach.“ Auch das Albumcover hat in diesem Zusammenhang eine Bedeutung: „Die Darstellung der Flagge auf dem Kopf wurde von der politischen Linken, der Rechten und der Native‑American‑Land‑Back‑Bewegung genutzt. Es ist ein Symbol, das all diesen Gruppen gemeinsam ist, obwohl es für jede eine andere Bedeutung hat. Diese Diskussion interessiert mich; sie ist grundsätzlich amerikanisch.“

American Stories ist ein kurzes Album mit langer Wirkung. Eine kluge, konzentrierte Platte in einer weltpolitischen Ära, die überwiegend von Dummheit und fehlendem Fokus geprägt zu sein scheint. „Letztendlich hoffe ich, dass die Zuhörer Trost in diesem Album finden, und ich möchte den Menschen ein Gefühl des Optimismus vermitteln“, sagt Rostam. Ein nobles Anliegen. Demnächst übrigens auch live zu besichtigen – bei einem Konzert mit Band in der Berliner Berghain Kantine am 13. September.

Rostam – American Stories
VÖ: 15. Mai 2026, Matsor Projects
www.officialrostam.com
www.facebook.com/rostam

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Werner Herpell

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