CULK – Abgrenzung

Foto-© Sophie Löw

Wenn die Suche nach Identität zu beängstigend erscheint, ist es ein Beginn, dazu zu stehen, wer man NICHT ist. Auf der neuen CULK-Single weiß nur wer ich nicht bin – der dritten nach den vorab ausgekoppelten kaputte speaker und twenty, eighteen aus dem neuen, am 4. September erscheinendem Album smogstar der Wiener Band dekonstruiert die Erzählerin alles, was sie kannte, und fügt sich neu zusammen, so wie es sich radikal richtig anfühlt – und konstituiert in der Negation eine neue Identität. Sie singt:

„Ich weiß nur wer ich nicht bin, Frankensteinskind, ich bin eines von ihnen. Du weißt trotzdem nicht, wer ich bin. In Stücke zerrissen, von neuem genäht. Alles das wir waren, vom Winde verweht.
Weißt du nur, wer du nicht bist? Frankensteinskind, bist du eines von ihnen? Richtungswechsel im Oktoberwind. In Stücke gerissen von neuem gewebt. Hätte nie gedacht, dass das noch geht.“

Aber noch einmal von vorne: CULK um Sängerin und Songwriterin Sophie Löw (alias Sophia Blenda) sind zurück. Und wieder versucht die Wiener Band auf ihre ganz eigene Weise unsere Gegenwart in all ihren Ambivalenzen einzukreisen. Wie fühlt es sich an, heute als Mensch in dieser Welt mit den grenzenlosen Möglichkeiten, den Existenz- und Zukunftsängsten, Sinnsuchen und Identitätsfragen? Auf ihrem neuen, vierten Album tauchen CULK in einen Schwebezustand zwischen Euphorie und Überforderung ein. smogstar erscheint wieder beim Wiener Indie-Label Siluh Records und erzählt von dem pulsierenden Gefühl im Dazwischen. Alles so aufregend. Alles zu viel. Alles zugleich.

Aufgenommen und produziert wurde smogstar gemeinsam mit Sophie Lindinger (Leyya, My Ugly Clementine). Nachdem ihr letztes, von Wolfgang Lehman produziertes Album Generation Maximum (2023) eine Art lyrische und atmosphärische Bestandsaufnahme ihrer Generation zwischen Weltuntergangsstimmung und kollektiver Hoffnungslosigkeit war, wollte die Band diesmal ein wenig von der Schwere abwerfen. „Ich wollte, dass die Texte leichtfüßiger sind und diesen speziellen Vibe ausstrahlen: zwischen Freiheit fühlen und lost sein“, sagt Sophie über smogstar.

Überhaupt ist smogstar ein ausgesprochenes Stadt-Album geworden. „Neue Städte, neue Sicht. Neuer Name, neues Ich“, singt Sophie Löw im Song willkommen in der stadt, begleitet von verzerrten Gitarren, die immer wieder die Stimmung wechseln. Das ist das Grundrauschen der Platte: das Gefühl neu in eine Stadt zu kommen, sich im urbanen Raum und seiner Anonymität verlieren und neu erfinden zu können und neue Verbündete zu suchen. „Es geht ja auch darum, sich selbst zu erlauben, dass man sich verändern darf“, erklärt Sophie. „Das kann anstrengend und beängstigend sein, aber eben auch sehr befreiend.“

Im Grunde ist smogstar selbst eine kleine Neuerfindung von CULK als Band, acht Jahre nachdem alles angefangen hat. Johannes Blindhofer sagt: „Für uns ging es während der Arbeit am Album auch darum uns zurückzubesinnen: Warum haben wir angefangen gemeinsam Musik zu machen und was bedeutet es für uns?“ So stark wie nie zuvor fühlen sich CULK von ihrem Umfeld in Wien geprägt und dem Gefühl für- und miteinander Musik zu machen. „Daher orientieren sich die neuen Songs auch mehr an dem, wie wir uns selbst beim Spielen hören“, fügt er an. „Wir wollten mit unverkopften Arrangements Intensität und Wucht erzeugen“. CULK spielen auf smogstar freier auf als je zuvor. Die markante Stimme von Sophie steht immer noch im Mittelpunkt der hypnostischen Songs, aber diesmal klingen sie offener, reduzierter und weniger dark. Zu den musikalischen Referenzen gehört dieses Mal die kompromisslosere Soundästhetik von Noise-Rock-Bands der 80er und 90er, wie Swirlies, Sonic Youth und Unwound, oder auch aktuellere Bands wie Julie oder Blue Smiley. „Wir wollten, dass alles eher bare bones und roh und in your face klingt. Was können wir aus uns Vieren herausholen, in dem Moment, in dem wir gemeinsam spielen?“, sagen sie.

Es wäre aber auch kein richtiges CULK-Album, wenn es nicht auch mal schwermütiger zugehen würde: In weiß nur wer ich nicht bin leuchtet Sophie wie in klugen, poetischen Lyrics sich selbst und zugleich die existenziellen Zweifel unserer Zeit aus: „Laufe am seidenen Faden / Ja ich weiß, du hast Fragen / Doch ich weiß nur wer ich nicht bin“ Was wir darüber hinaus wissen: So konsequent ausformuliert war der Popentwurf von CULK noch nie. smogstar ist ein wunderbar nervös flimmerndes Schlaglicht auf unsere Gegenwart.

CULK Tour:
10.09.26 München, Strom
11.09.26 Leipzig, Conne Island
15.09.26 Berlin, Neue Zukunft
16.09.26 Jena, Trafo
17.09.26 Hamburg, Reeperbahn Festival
18.09.26 Münster, Gleis 22
19.09.26 Flensburg, Volksbad
21.09.26 Köln, Bumann & Sohn
22.09.26 Düsseldorf, Zakk
23.09.26 Nürnberg, MUZ
24.09.26 Karlsruhe, Kohi
25.09.26 Mainz, Schon Schön
26.09.26 Schorndorf, Manufaktur

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Dominik

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!

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