
Foto-© Weltkino
Shall I be mother?
(Mother – Father Mother Sister Brother)
Drei Geschichten über Familien. Bei der ersten steht der Vater (Tom Waits), bei der zweiten die Mutter (Charlotte Rampling) und bei der letzten das Geschwisterpaar Billy (Luka Sabbat) und Skye (Indya Moore) im Fokus. Wobei es weniger um die Figuren als die Beziehung bzw. das Fehlen eben dieser innerhalb der Familien, vor allem aber den unterschiedlichen Generationen, geht.
Inhaltlich sind die Geschichten dabei komplett voneinander losgelöst, spielen mit Frankreich, Irland und den USA nicht nur in komplett unterschiedlichen Familien, sondern sogar in unterschiedlichen Ländern. Lediglich inszenatorisch gibt es wiederkehrende Elemente. Alle beginnen mit der Anfahrt zu einem Treffen der Generationen, sprich der Anreise der Kinder, zu ihrem Elternhaus. Wobei heraussticht, dass, entgegen der grundsätzlich sehr naturalistischen Inszenierung, vermutlich ganz bewusst Interior und Exterieur der Fahrten getrennt voneinander gedreht wurde. Daneben fallen nur noch bestimmte Stichworte und Sprichwörter auf, die sich wiederholen. Allen gemein ist ebenfalls das Regisseur und Autor Jim Jarmusch fast komplett auf Musik verzichtet. Eine stilistische Entscheidung, welche die Wirkung der Geschichten enorm unterstützt. Denn während der ersten beiden Geschichten, die primär die Entfremdung der Kinder von ihren Eltern aufzeigen, nimmt sich die Musik fast komplett zurück, mit dem Ergebnis, dass die unangenehme Stille fast unerträglich wird. In der letzten Geschichte hingegen wir die Nähe der beiden Kinder zueinander zelebriert, untermalt von einem sich etwas mehr entfaltenden Soundtrack. Was sich hier jetzt manipulativ und plakativ anhört, ist von Jarmusch jedoch sehr subtil inszeniert. So sind auch die ersten beiden Geschichten durchaus pointiert und witzig, was einem dabei jedoch völlig gefehlt hat, das echte gegenseitige Verständnis der Figuren, wird einem eben gerade durch den extremen Kontrast in der letzten Geschichte klar. Es wird jedoch nichts von dem explizit ausgesprochen, überhaupt kommen alle Geschichten, Jarmusch typisch, nahezu komplett ohne narrativen Tiefgang aus. Dass es dennoch größtenteils unterhaltsam ist, liegt an den fantastischen Darstellern. Nicht umsonst war die Idee, Tom Waits den Vater von Adam Driver spielen zulassen, der Ursprung und Antrieb des gesamten Projekts für Jarmusch. In der zweiten Geschichte begeistern dann vor allem Cate Blanchett als Tochter Timothea und Charlotte Rampling als Mutter, während in der letzten Geschichte dann die Emotionen selbst mitreißen werden.
Wobei mitreißen vielleicht etwas sehr hochgegriffen ist, bei so einem ruhigen, streckenweise lakonischen Film. Der Zuschauer muss schon gewillt sein drei Kammerspiele, die sich auch noch in der Struktur gleichen, zu folgen, muss Spaß daran haben die subtilen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu erkennen. Zugute kommt dem Film, dass er auf einer sehr positiven Note endet, was einen dann aller Schwere zum Trotz, leicht beschwingt in die Realität entlässt. Dennoch wird kaum jemand, ob der pointiert herausgearbeiteten, immer wieder unterschiedlich aber immer realistisch dargestellten Distanz zwischen all den Kindern und ihren Eltern etwas zum Verarbeiten und vielleicht mit Eltern oder Geschwistern zu Diskutierendes mitnehmen. Was die Dialoge und den Plot angeht, bei weitem nicht Jarmuschs bestes Werk, aber für einen Film, der im Prinzip ein singuläres Thema anprangern will, durchaus beeindruckend und da die Thematik so universell ist, sehr sehenswert.

Father Mother Sister Brother (US UK FR IT IR DE 2025)
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat
Heimkino VÖ: 12. Juni 2026, Weltkino
Zum Heimkino-Start von Father MOther Sister Brother verlosen wir in Kooperation mit Weltkino 2x die Blu-ray zum Film! Ihr wollt gewinnen? Dann schickt uns bis zum 29. Juni eine Mail mit dem Betreff „Father Mother Sister Brother“ und eurer vollständigen Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr bald schon Post von uns in eurem Briefkasten!

