
Foto-© Constantin Film
You know the world is going to shit.
(The man from the Future – Good Luck, Have Fun, Don’t Die)
In einem typischen US-Diner erscheint plötzlich ein Mann aus der Zukunft (Sam Rockwell). Stilistisch angezogen irgendwo zwischen einem Obdachlosen und einem Astronauten und vom Verhalten her irgendwo zwischen Bill Murray in Groundhog Day (1993) und Samuel Jackson in Pulp Fiction (1994) sowie Christopher Lloyd in Back to the Future (1985) wirkt er gleichermaßen allwissend, aggressiv und dennoch fürchterlich zerstreut und liebenswert. Was er verkündet, ist dabei nicht weniger ambivalent als diese Charakterisierung, er sucht eine bestimmte Kombination aus Personen aus diesem Diner, um den Untergang der Welt durch eine KI zu verhindern. Der Haken: er hat dies schon zigmal durchlaufen, mit dem immer wieder gleichen Resultat, dem Tod aller Probanden. Aber heute, heute hat er ein richtig gutes Gefühl bei der Sache.
Fast zehn Jahre ist es her, dass Gore Verbinski seinen letzten Film A Cure for Wellness (2016) ins Kino gebracht hat und da hat sich anscheinend ganz schön was angestaut. Entsprechend vollgepackt mit Themen ist dann auch Good Luck, Have Fun, Don’t Die. Mit all den vielen kleinen Geschichten ist das stellenweise ähnlich wirr wie das Outfit von Sam Rockwells namenlosem Protagonisten, aber genau wie und vor allem wegen dessen Performance größtenteils mitreißend. Mit weit über zwei Stunden Laufzeit sicher ein wenig aufgebläht, aber dafür originell und authentisch. Neben Sam Rockwell werten auch Michael Pena und Zazie Beetz das Ensamble und somit den ganzen Film entscheidend auf. Der insgesamt beste Teil des Films ist dann die hier eingangs erwähnte Haupthandlung, in der wir eben alle Figuren, vor allem aber Sam Rockwells wahnwitzigen Zeitreisenden dabeihaben. Die vielen kleinen Geschichten der anderen Diner-Besucher reichen dabei von nett anzuschauen bis hin zu echt cleveren Ideen. Allen gemein ist jedoch leider, dass sie den Flow des Films als Ganzes stören, denn auch wenn sie, jede auf ihre Art, etwas zur Gesamtgeschichte beitragen, sind sie eben dennoch nicht wirklich direkter Bestandteil dieser. Was die Themen und die vielen kleinen Ideen angeht, steckt, wie erwähnt, viel in dem Film, dennoch beschleicht einen Streckenweisen das Gefühl, dass sich hier jemand mit sehr aktuellen Thematiken auseinandersetzen will, der selbst schon etwas aus der Zeit gefallen ist. Denn wenn man das Thema KI kritisch angehen möchte, ist es vielleicht etwas spät, das Smartphone und / oder Socialmedia-Abhängigkeit von Jugendlichen zu kritisieren. Damit stößt man höchstens die, die vielleicht wirklich noch etwa ausrichten können unnötig vor den Kopf.
Somit wird wahnsinnig viel an Themen, Gags und Plot an die Wand geworfen und längst nicht alles davon bleibt haften. Das wäre an sich kein großer Kritikpunkt, würde nicht genau dadurch die Laufzeit auf weit über die nötigen anderthalb, ja sogar zwei Stunden gestreckt werden. Am Ende ist aber dennoch so viel Originalität und Kreativität dabei, dass der Film als Ganzes dennoch sehr sehenswert ist. Good Luck, Have Fun, Don’t Die ist zwar weniger als die Summe seiner Teile, aber derer sind einfach so viele vorhanden, dass jedem genug davon gefallen werden, auch wenn man natürlich lieber einen fantastischen 90 Minuten Film als einen guten 134 Minuten Film sehen würde. Vielleicht schafft es Verbinski ja bei seinem nächsten Film, die perfekte Kombination zu finden.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (DE US 2025)
Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Michael Pena, Zazie Beetz
Heimkino VÖ: 04. Juni 2026, Constantin Film

